Die Idee

Der Equal Care Day

macht am 29. Februar auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf den geringen Stellenwert,

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den Pflegearbeiten insgesamt, das Sich-Kümmern um Kinder, das Pflegen von Kranken, Alten, BeHinderten in unserer Gesellschaft haben. Stehen wir weiterhin dafür, dass die Arbeit mit Maschinen mehr Anerkennung und mehr Honorar verdient, als die Arbeit mit Menschen?

“Eine Gesellschaft, die Geldverdienen höher bewertet als Fürsorge, ist blind für die Kosten, die durch Vernachlässigung entstehen.“ Anne-Marie Slaughter

Und um ein Bewusstsein zu schaffen für die unfaire Verteilung dieser Arbeit: 80% der Care-Arbeit wird von Frauen geleistet, sowohl im professionellen Bereich und mehr noch im Privaten: 80% ! Einen Equal-Care-Day wird es deshalb nur in den Schaltjahren geben, als Erinnerung daran, dass Männer in Deutschland über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit zu leisten, die Frauen in einem Jahr, also bereits im Jahr 2012 geleistet haben.

Seit 2008 wird in Deutschland am Equal Pay Day daran erinnert,

dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer. Am 3. November 2015 hat Bundesministerin Manuela Schwesig das Motto für den Equal Pay Day am 19. März 2016 der Öffentlichkeit präsentiert: ‘Was ist meine Arbeit wert?’ Diese Frage gilt eben ganz besonders auch für Care-Ressourcen. Die Antwort darauf darf nicht länger von geschlechtlichen, rassistischen oder klassenbezogenen Strukturen bestimmt werden! Zu oft gerät aus dem Blick, dass in wohlhabenderen Familien, in denen die Erwerbstätigkeit auf beide Elternpaare verteilt wird, viele Aufgaben aus dem Carebereich schlicht ausgelagert und häufig an Frauen mit Migrationshintergrund abgetreten werden.

Armutsrisiko

Deshalb braucht es gesellschaftliche und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, so dass Carearbeit nicht länger ein Armutsrisiko bedeutet. Aktuell werden professionelle Tätigkeiten in diesem Bereich schlecht bezahlt (#Pflegestreik), Versicherungen sind kaum mehr zu finanzieren (#Hebammenprotest), und Auszeiten im Beruf verschlechtern nicht nur den aktuellen Verdienst und die Karrierechancen, sondern auch die späteren Rentenansprüche und führen zu finanzieller Abhängigkeit.

Care-Arbeit ist keine Privatsache,

Sie ist keine individuelle Entscheidung, sondern betrifft und fordert alle. Wir können ihr allenfalls eine gewisse Zeit unseres Leben aus dem Weg gehen, indem wir dafür bezahlen, sie outsourcen. Die Auswirkungen dieser Ungleichverteilung betrifft insbesondere auch Männer, nicht nur moralisch, weil sie einen Großteil ihrer Verpflichtung und Verantwortung abgeben, sondern auch persönlich. Viele Männer jenseits der Berufstätigkeit bedauern, sich früher nicht mehr Zeit für ihre Kinder, für ihre Familie genommen zu haben. Im Vergleich zu Frauen haben sie eine um fünf Jahre kürzere durchschnittliche Lebenserwartung - Ursache dafür ist nicht zuletzt ein weniger rücksichtsvolles Verhältnis zum eigenen Körper (schlechtere Ernährung, Krankheitszeichen werden später wahrgenommen/ignoriert, riskanteres Verhalten, höherer Drogenkonsum, erhöhtes Suizidrisiko), vielleicht nicht individuell, aber statistisch.

 

Übrigens, den PayGap und CareGap gibt es bereits im Kinderzimmer

Dieses Ungleichgewicht nimmt seinen Anfang in den Kinderzimmern, nicht nur, weil die Erwachsenenwelt enge Rollenbilder vermittelt, sondern auch, weil Kinder sowohl den CareGap als auch den PayGap selbst schon erleben: Jungen bekommen im Durchschnitt mehr Taschengeld als Mädchen (Beispiel aus Frankfurt), und Töchter müssen bis heute mehr im Haushalt helfen und sich um jüngere Geschwister kümmern, mehr als dies von Söhnen verlangt wird (Vorwerk Familienstudie 2010). Die Verknüpfung von Sexismus, Rassismus und Klassismus reichen wir auf ganz subtile Weise an die nächste Generation weiter.

Ein Beispiel unter vielen: LegoFriends, die rosa verpackten Bausteine mit 5 Mädchenfiguren. Andrea, die einzige nicht-weiße Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden, schreibt Lego in den mitgelieferten Heftchen. Doch dafür muss sie als Bedienung ihr Geld im ‘City Park Café’ verdienen, wo sie Cupcakes und Hamburger zubereitet sowie “abwäscht und den Boden wischt”. (Quelle: faz, “In dieser Idylle ist morgen wie gestern”) In der schwarz-blau verpackten Serie LegoCity sind die Spielfiguren dagegen namenlos, Kuchen und beste Freundinnen gibt es dort keine, dafür gehen die „Männchen“ alle einem Beruf nach.

andrea-legofriends

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Es ist unser Anliegen, auf den Zusammenhang zwischen Erwachsenenwelt und Kinderzimmer in der Geschlechterdebatte aufmerksam zu machen. Was für den GenderCareGap und den GenderPayGap gilt, lässt sich für alle andere Punkte des Themenbereichs Gleichstellung und Geschlechterrollenklischees ebenso beobachten. Zwar setzen wir uns in Deutschland mehrheitlich für eine Gleichberechtigung der Geschlechter ein, doch zugleich lassen wir zu, dass Kinder zunehmend und immer stärker in zwei Schubladen gepresst werden: außen sind sie hübsch in Rosa und Hellblau dekoriert, innen dafür ausgepolstert mit den Rollenklischees längst vergangener Zeiten.

Zum Blog der Rosa-Hellblau-Falle: www.ich-mach-mir-die-welt.de