Dagmar

 

Dagmar Duprée aus Hannover arbeitet Teilzeit als Referentin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Sie lebt getrennt von Thomas, mit dem sie zwei Kinder hat. Sie teilen sich die Woche, die Zeit mit den Kindern, das Kümmern und die anfallende Carearbeit.


1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
Mit unserer Trennung vor 5 Jahren haben wir die Woche und auch die Wochenenden so aufgeteilt, dass jeder die gleiche Zeit mit unseren beiden Kindern verbringen kann. Das bedeutet, dass sich Thomas von Montag bis Mittwochmorgen um alles kümmert und ich ab Mittwochnachmittag übernehme. Die Wochenenden sind ebenfalls aufgeteilt.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Jeder von uns kann sich gut auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren, sei es die CareArbeit oder die Erwerbsarbeit. An den Care-Tagen versuchen wir beide möglichst wenig Erwerbsarbeit leisten zu müssen. Die Kinder haben beide Elternteile – trotz Trennung - gleichviel um sich. Auch wenn wir Familie nicht im klassischen Sinn leben, bekommen die Kinder aus unseren beiden Lebenswelten das Maximum mit. Das klassische Modell, in dem ein Elternteil die Kinder nur alle zwei Wochen am Wochenende erlebt, kam für uns beide nicht in Frage.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Keiner von uns kann – ohne externe Unterstützung - Vollzeit arbeiten. Thomas, der Gastronom ist, kann an CareTagen im Grunde keine Aufträge annehmen. Auch für mich bedeutet das Modell, dass ich ab Mittwoch im Job – auch gedanklich – nicht mehr voll flexibel bin. Wir haben keine gemeinsame Zeiten mit den Kindern, können das Modell also nur leben, weil wir getrennt sind und trotzdem gut miteinander auskommen. Familienzeit gäbe es in diesem Modell unter „normalen Umständen“ also nur an den Wochenenden.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Ehrlich gesagt denke ich manchmal, dass es so ist. Es geht sehr viel Zeit für Abstimmungen drauf (wobei die Neuen Medien und so manche App  das mittlerweile erheblich erleichtern…). Wer kauft die Geschenke, wer sorgt für die Kleidung?

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Wenn eine dringende berufliche Aufgabe auf einen CareTag fällt. Wenn ein Kind krank wird. Wir haben keine Eltern mehr und müssen dann Kindermädchen, Leihomi oder die Eltern anderer Kinder organisieren oder Tage tauschen. Alle Störungen unserer Regel lösen eine große Orga-Welle aus!

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Bevor unsere beiden Kinder geboren wurden, hat jeder weitgehend für sich selbst gesorgt, die meiste Zeit hatten wir auch zwei Wohnungen und schon von daher getrennte CareBereiche.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Die CareArbeit wird planbarer. Die Bedürfnisbefriedigung der Kinder kann auch mal warten. Wir haben vereinbart, dass wir beide mit dem Ende der Grundschulzeit unseren Anteil der Erwerbsarbeit hochfahren wollen, da wir von einer größeren Selbstständigkeit der Kids ausgehen. Dann muss unser Modell neu überdacht werden.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Frau?
Einerseits: Bedauern bis Mitleid, dass ich als Mutter (!) so viel arbeiten muss und nicht so viel Zeit mit den Kindern verbringen kann.
Andererseits: Anerkennung, dass ich das alles so schaffe.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Positiv: Häufig höre ich, dass wir das Beste aus der Situation gemacht hätten (und hoffe , dass wir die CareArbeit genauso gerecht organisiert hätten, wenn wir uns nicht getrennt hätten…).

Negativ: Eine andere Freundin stellt fest: „Ist ja toll, dass sich Thomas so für seine Kinder engagiert. Das ist ja nicht selbstverständlich.“ Ich hab nur gedacht: „Das sollte aber selbstverständlich sein! Oder muss ich ihm dafür dankbar sein, dass er seine Hälfte der CareArbeit übernimmt?“ Ein anderer Bekannter stellt fest, dass unser Modell für Thomas bzw. für sein Ego eine ziemliche Herausforderung sein müsse, zugunsten der Familie bzw. der ebenfalls erwerbstätigen (meinte er „karrieregeilen“?) Frau auf Aufträge zu verzichten.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Deine Bedürfnisse sieht man dir nicht unbedingt an. Rede darüber! Es ist auch nicht verwerflich, um Hilfe zu bitten. Du musst nicht alles allein schaffen!
Die Hilfe, die du bekommst, kannst du anderer Stelle sicherlich zurückgeben…

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Mehr gute und verlässliche Ganztagsschulen.
Die Politik selbst sollte auch familienkompatibler werden. Keine ewig dauernden Sitzungen, Sitzungswochen und andere Präsenzpflichten. Die Welt hat sich verändert - das wissen auch die Wähler_innen, die eh nicht darauf achten, wie voll der Plenarsaal ist.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Auch in der Wirtschaft sollte das Bewusstsein weiter zunehmen, dass jede_r Beschäftigte nicht nur Leistungserbringer_in, sondern auch Privatmensch mit CareAufgaben ist.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Jede Stadt, jeder Ort bekommt einen CarePool, in dem sich Menschen sich treffen, die CareArbeit leisten wollen (ehrenamtlich oder bezahlt) oder einen Bedarf daran haben. In Bedarfssituationen bzw. dann, wenn die normalerweile Zuständigen ausfallen, kann schnell Hilfe vermittelt werden.

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