Elisa

Elisa ist 34 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann (34) und zwei Töchtern (die ältere 2 Jahre, die jüngere 6 Monate alt) in Hamburg. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten fest und voll angestellt im Mediensektor.

1.    Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Grundsätzlich machen wir beide alles. Es gibt ganz wenige Ausnahmen bei denen es feste Zuständigkeiten gibt: Stillen mache ich, Kinder-Nägel schneiden und Messer schärfen er, die Nachtschichten bei der Jüngeren ich, die bei der Älteren macht er. Beim Kümmern um Kinderkleidung (aussortieren, neue einsortieren) habe ich die Nase vorne, bei der Kinder-Körperpflege (“Mh, die Kinder könnten man wieder Baden” oder “die Haut ist rau, da cremen wir jetzt) eher er. Aber da sind die Grenzen schon fließend, Wäsche waschen, aufhängen, abhängen und einräumen machen wir beide.
Aktuell bin ich mit unserer Jüngeren in Elternzeit und mache daher mehr zuhause, wenn sie 7 Monate alt wird, übergebe ich das Elternzeitstaffelholz für die zweite Elternzeit-Hälfte an meinen Mann. Bei der Älteren haben wir das schon genauso gemacht.

2.    Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Wir machen das, weil wir beiden auf die meisten der Tätigkeiten nicht so wahnsinnig viel Lust haben. Also muss sich da nicht eine/r alleine drum kümmern. So haben wir beide in etwa gleich viel Zeit übrig für andere Dinge, die uns mehr Spaß machen, dazu zähle ich auch Verwirklichung und Weiterkommen im Beruf. Hier können wir uns beide engagieren.
Da wir beide wissen, was es bedeutet, die Küche aufzuräumen, zusammen mit den Kindern einen Großeinkauf zu machen oder zwei Ladungen Wäsche abzunehmen und wegzuräumen, können wir es beide viel besser wertschätzen, wenn der/die andere es macht. Ich glaube, so sagen wir eher von Herzen: “Danke, super, dass du das gerade gemacht hast” oder haben nach schlechten Nächten und vollen Windeln Mitgefühl für den/die andere/n.
Ein anderer Vorteil ist auch, dass nicht alles zusammenbricht, wenn eine/r mal wegen Krankheit oder privater oder geschäftlicher Reise nicht da ist. Der/die andere kommt dann mit allem gut klar.

3.    Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Ein großer Nachteil ist, dass wir viel mehr absprechen und organisieren müssen. Zum einen, damit alles Notwendige (richtig) passiert und zum anderen, damit die Aufgaben fair verteilt bleiben. Wir haben hierfür verschiedene Hilfsmittel im Einsatz: Im Kinderkleiderschrank ist alles beschriftet, ebenso die Haken im Bad, wir haben unsere Kalender gegenseitig freigegeben und für gemeinsame Termine oder welche der Kinder pflegen wir einen gemeinsamen Kalender, wir pflegen eine gemeinsame Einkaufsliste in einer App, dort haben wir auch einige weitere gemeinsame Listen: Dinge, die wir uns wünschen, wenn mal jemand fragt, oder auch eine Packliste für Reisen mit Kindern. Ein großes Todo-Kanban-Board hängt mit anderen Aufgaben hier rum und wir versuchen ein wöchentliches Weekly davor zu machen um die Todos und nächsten Termine zu besprechen. Wenn wir beide arbeiten, nutzen wir das Weekly auch um abzustimmen, wer an welchem Tag in die Kita bringt oder abholt.

4.    Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Klar, wäre das praktischer, v.a. für die Person, die sich dann um nichts mehr als ihre Erwerbsarbeit kümmern müsste. Aber es würde uns als Paar und als Familie weniger glücklich machen. Und darum geht es doch.

5.    Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Geschlechtsspezifische Stereotype sitzen sehr tief. Daher habe ich bei einigen Dinge schon das Gefühl, dass ich sie eher sehe und auf dem Zettel habe: Geschenke, Mitbringsel, Spielzeug. Aus irgendwelchen Gründen höre und verstehe ich die Kleinkind-Tochter auch besser als mein Mann weshalb ich schon mal schneller auf ihre Wünsche und Bedürfnisse reagiere.
Wenn wir Besuch haben oder bei anderen sind, die sich dann mit um die Kinder kümmern, dann werde viel eher ich angesprochen und entscheide dann auch, bzw. bekomme überhaupt mit, dass es bestimmte Fragestellungen gibt. Z.B. “Wo hast du denn XY in deiner Küche?” Oder “Wir wollen rausgehen, was soll das Kind denn anziehen?” Oder “Wollen wir gegen den Schnupfen XY machen?” Oder “Sollen wir in der Ferienwohnungen Bettwäsche mitbuchen?”.

6.    Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Durch die Kinder ist es vor allem viel mehr CareArbeit geworden. Die faire Aufteilung führt im Moment mit zwei so kleinen Kinder eher weniger dazu, dass wir gleich viel Zeit für Dinge haben, die Spaß machen, sondern, dazu, dass es nicht eine CareArbeits-Person gibt, die ständig am Nervenzusammenbruch und der totalen Erschöpfung agiert. Daran, dass die Kinder nicht zu einer Umverteilung von CareArbeit führen, arbeiten wir intensiv und stetig.

7.    Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

So alt sind die Kinder noch nicht, dass sich diese Frage stellt. Interessant ist aber zu sehen, dass es schwerer ist, sich um das zweite Kind hälftig zu kümmern, weil ja das erste noch da ist und wir ganz schnell und ganz oft den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind: Mama (und v.a. ihre Brüste) das jüngere und Papa das ältere Kind. Hoffentlich bügelt die Elternzeit meines Mannes das wieder aus.

8.    Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/Frau?

Wenn ich von der hälftigen Aufteilung der Elternzeit erzähle (das ist ja auch das prägnanteste), dann sagen eigentlich immer alle “Toll, dass das bei deinem Mann geht”. Und da sage ich immer, dass das ein Rechtsanspruch ist und, dass der Arbeitgeber meines Mannes nicht gerade begeistert war. Aber, wenn wir mal ehrlich sind, war mein Arbeitsgeber das auch nicht, als ich von meiner anstehenden Elternzeit erzählt habe. Elternzeit ist eben nicht karrierefördernd, weder für Väter noch für Mütter.
Was ich dann noch manchmal denke, ist, schade, dass niemand sagt, dass das toll ist, dass ich mich um jede meiner Töchter jeweils sieben Monate mehr oder weniger alleine kümmere.

9.    Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Vor der Geburt meiner ersten Tochter haben verschiedene Leute, und darunter am hartnäckigsten ein kinderloser männlicher Single und ein Vater, dessen Frau zuhause den ganzen Laden schmeißt, mir abgesprochen, dass ich zu dem Zeitpunkt entscheiden konnte, dass ich sieben Monate nach der Geburt wieder voll in meinen Beruf einsteigen will. Die beiden, und andere, wussten sehr genau, was ich dann “als Mutter” will und, dass das nicht arbeiten sein wird, war ihnen völlig klar. Das fand ich schon ziemlich übergriffig.
Bei positiven Reaktionen ist es so, dass sich ein bestimmtes Gespräch oft wiederholt. Wenn ich älteren Müttern, die inzwischen mit (fast) erwachsenen Kindern wieder voll im Beruf sind, sei es Kolleginnen, einer Krankengymnastin oder einer Busbekanntschaft, von unserer Aufteilung erzähle, dann sagen sie immer, wie toll das ist und wie richtig wir das machen. Und während gleichaltrige Mütter häufig tolle Begründungen parat haben, warum ihre Männer das so nicht könnten, berichten diese älteren Mütter zum einen, wie hart das ist, sich alleine zu kümmern, und zum anderen wie sehr sich die Väter ihrer Kinder (oft sind das auch nicht mehr die eigenen Männer) vor dieser Verantwortung gedrückt haben. Das bestärkt mich in unserer Entscheidung.

10.    Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Reden, reden, reden. Alles genau beobachten (wer macht was? Was “muss” gemacht werden?) Alles in Frage stellen und immer wieder drüber reden.

11.    Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Familien mit Kindern zu fördern sollten so umgestaltet werden, dass sie nicht das Versorgermodell bevorzugen. Das heißt unter Anderem Abschaffung des Ehegattensplittings zugunsten eines Familiensplittings.
Dann gibt es noch ein paar Ziele für die passende Maßnahmen erdacht und umgesetzt werden müssten: Beide Eltern kleinerer Kinder sollten ohne Karriere- oder Geldeinbußen (letzteres v.a. Im Bereich der s.g. Geringverdiener) nicht mehr als 30 h/Woche arbeiten müssen, klassische “Frauenberufe” müssen besser bezahlt werden, Elternzeit beider Eltern muss auch bei Familien möglich sein, bei denen nicht beide ganz gut und geregelt verdienen (Stichwort: Selbstständige, Stipendiaten, Geringverdiener/innen, ungleiche Gehaltsverteilung innerhalb der Partnerschaft).

12.    Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Medienschaffende und Werbetreibende mögen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und damit aufhören antiquierten geschlechtsstereotypen Quatsch zu verbreiten. Kein Mensch braucht noch eine Werbung in der Mama Mann und Kinder bekümmert, stattdessen brauchen wir mehr Bilderbücher für Kleinkinder in denen auch ein Tierpapa sein Kind tröstet.

13.    Was wünschst Du Dir konkret für  Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Ich wünsche mir, dass es ein bißchen weniger CareArbeit in unserer Kleinfamilie wird, z.B indem die Kinder durchschlafen oder die Ältere sich dazu durchringt in die Toilette statt in die Windel zu machen 😉

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