Stefanie und Tobias

Stefanie und Tobias leben mit ihren beiden Kindern (4 Jahre und 2 Monate) in Berlin. Über ihre Erfahrungen mit Equal Care berichten sie in ihrem Buch „Papa kann auch stillen“ (Goldmann).

Foto: Urban Zintel

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt?
50/50

Gibt es feste Zuständigkeiten?
Kaum

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf?
Aus Prinzip, damit alle was von allem haben, weil wir wollen, dass unsere Kinder mehrere enge Bezugspersonen haben, weil wir nicht wollen, dass eine*r von uns durch längere Auszeit keinen anspruchsvollen Job mehr ausüben darf.

Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Mehr Freiheiten für beide, weil Kinder zwischen uns nicht unterscheiden. Mehr Sicherheit, weil beide fest im Job stehen. Mehr Möglichkeiten zum Austausch, weil wir beide arbeiten und auch über Berufliches Leben sprechen können. Equal Care bedeutet ein Leben, in dem Intellekt, Emotionen und Sozialleben für uns beide gleichermaßen angesprochen werden. Für beide.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Mehr Absprachen, wir verzichten momentan beide auf eine klassische Karriere, weil die leider 40+ Arbeitsstunden bedeuten würde.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Vielleicht, haben wir noch nie so gemacht, deswegen können wir da nichts zu sagen. Wir vermuten, dass wenn sich der Alltag auf diese Weise trennt, hat man einfach weniger Gemeinsamkeiten.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Bisher gar nicht.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt?
Zwei Kinder (4 Jahre und 3 Monate)

Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Nein, sie ist nur insgesamt mehr geworden.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder?
Das erste Jahr ist das schwierigste, weil wir da keine außerhäusige Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Danach wird es signifikant leichter, weil die Freiräume für beide größer werden.

Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Nein

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann*?
TS: Manchmal Anerkennung, oft Gleichgültigkeit (vor allem in meiner Generation).

/ bzw. als Frau*
SL: Verschiedene Reaktionen: 1.) Ist doch normal. 2.) Werde von anderen Frauen beglückwünscht zu diesem außergewöhnlichen Mann 3.) Ob ich total verantwortungslos bin, nach zwei Monaten wieder arbeiten zu gehen ???

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
SL: - Mir wurde vor meiner ersten Schwangerschaft von einer Person, die mich nicht gut kennt, gesagt, dass es mit der gleichberechtigten Arbeitsteilung sowieso nichts werden würde, da ich als Mutter mein Kind nicht mehr hergeben könne.
+ Equal Care: Das passt zu dir, ihr macht das bestimmt toll.
TS: + Aus der Generation über/vor mir kommen durchweg positive Reaktionen. Ein Allensbach-Forscher zum Thema Vereinbarkeit fand es toll, wir wir das machen, er selbst war vollkommen dem Ernährermodell verpflichtet.
- Dass man damit kein Geld verdienen kann, höre ich leider immer wieder. Gute Idee, ja, passt aber nicht in die Welt.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Bleib so wie du bist.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
SL: Lohnausgleich für Arbeitszeitverkürzung, flächendeckende kostenlose und sehr gute Betreuungsmöglichkeiten auch für Schulkinder.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
SL: Stereotype Geschlechterrollen reflektieren und aktiv bekämpfen. Dass die berufliche Diskriminierung von Menschen, die Care-Arbeit leisten, endlich aufhört.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Eine*n Babysitter*in.

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