Julie

Julie ist in einem IT-Unternehmen angestellt. Mit Leander teilt sie sich die CareArbeit rund um Haushalt und ihre 3-jährigen Zwillinge.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Feste Zuständigkeiten gibt es nur für die Abholzeiten der Kinder aus dem Kindergarten, weil wir hier unsere Arbeitszeiten drumrum organisieren müssen. In der Regel setze ich die drei morgens vor dem Kindergarten ab, montags, donnerstags und freitags hole ich sie, Leander holt sie dienstags und mittwochs. Ansonsten kann und macht auch jeder von uns beiden alles, je nachdem was gerade anfällt und wer da ist / Zeit hat.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Die Frage “Warum” hat sich uns nie gestellt, es war für uns immer eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns gemeinsam dafür entschieden, Kinder zu bekommen und wir haben uns von Anfang an gemeinsam um sie gekümmert.

Jeder hat die Möglichkeit, seiner Arbeit weiter nachzugehen. Und die Vorteile, dass wir uns ansonsten gleichberechtigt um die Kinder kümmern - keiner brennt aus, jeder ist Ansprechpartner, wir sind beide gleichermaßen ein Vorbild für unsere Kinder, wir sind gleichberechtigte Partner, die immer wissen, worüber der andere spricht. Man bleibt immer miteinander im Gespräch und hat ein wirklich gemeinsames Leben.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Jeder von uns muss im Job zurückstecken, damit alles funktioniert - wir arbeiten beide in Teilzeit, wobei Leander neben seiner Festanstellung auch noch selbständig Aufträge annimmt. Und natürlich bleiben dadurch auch manche Träume wie ein weiteres Studium aufgrund von Zeit auf der Strecke.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Nein. Dadurch, dass wir keine klare Aufteilung haben, haben beide den Überblick. Die Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Welchen Vorteil hätte es, das auf eine Person zusammenzustauchen? Den, einen “Sündenbock” zu haben, wenn was schiefläuft? Nein. Da hab ich doch lieber eine kommunikative, gleichberechtigte und intensive Partnerschaft.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Die einzige Grenze der fairen Aufteilung, an die wir bislang gestoßen sind, war die, dass Leander nicht stillen konnte. Gerade in der Anfangszeit mit den Zwillingen hat dies natürlich einen klaren Fokus auf mich gelegt, weil ich einfach viel viel viel damit beschäftigt war. Aber er hat auch immer mal wieder eine Flasche gegeben und mich so entlastet und selbst eine “Still”-Beziehung aufgebaut. Und es war nie ein Streitpunkt, da von Anfang an klar war, dass dies eine unabänderliche und absehbare Sache war.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Dadurch dass ich einen weiteren Arbeitsweg habe als Leander und an zwei Tagen, wo ich sie hole, unter Zeitdruck bin, weil ich noch weiter arbeiten muss, wenn sie daheim sind, habe ich tatsächlich weniger Beziehung zu den Erziehern im Kindergarten als Leander sie hat. Aber ansonsten gab es nie einen Grund für eine Neuaufteilung - keine außer “Mama!” oder “Papa!”-Forderungen der Kinder - da wir sehr bewusst diese Gleichberechtigung leben und lebbar machen.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Negativ: “Wie, Sie wollen Ihre Kinder schon in die Betreuung geben?! Die armen Kinder!”, als es im Gespräch mit Fremden aufkam, dass unsere Kinder bereits mit knapp anderthalb in die Ganztagesbetreuung müssen (wir sind auf das Gehalt angewiesen).

Positiv: … ich hab jetzt echt lange drüber nachgedacht und außer von Freunden, die uns rückmelden, wie super wir das regeln, ist mir echt keine eingefallen. Was irgendwie in sich auch eine Aussage ist.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Lass dich nicht einlullen und nicht unterkriegen. Sei aufmerksam, gib und fordere ein - und behalte dein stetes Kommunikationsbedürfnis.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Eine deutlichere Unterstützung von Familien, auch finanziell aber primär durch bezahlbare Wohnungen auch IN Städten und Betreuungsmöglichkeiten für U3, Kindergarten UND Schule (der Gedanke an Schulferien und wie wir das regeln sollen lässt mich jetzt schon blass werden…).

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Die klare Erkenntnis, dass “Eltern sein” für Väter genauso viele Einschränkungen bringen kann und sollte wie für Mütter und entsprechende Unterstützung. Keine voreingenommenen Einschränkungen für Frauen mit Kindern. Teilzeitarbeit ohne Abstellgleis.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Eine tatsächliche Wahlmöglichkeit, was man machen möchte.

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