Der Equal Care Day

bezieht sich auf private, berufliche und ehrenamtliche Carearbeit.

Er macht auf die mangelnde Wertschätzung und ungleiche Verteilung dieser Arbeiten aufmerksam: Den Großteil dieser Arbeit übernehmen Frauen, mit 80% also 4x so viel wie Männer. Deshalb wird der Equal Care Day nur alle 4 Jahre, im Schaltjahr am 29.2. begangen.

In Auswertungen wird in der Regel getrennt nach Arbeiten im Haushalt, nach privater bzw. beruflicher Pflege, nach Familienarbeit, also privater Kinderbetreuung vs. berufliche Erziehung, Kita, Grundschule etc… Eine zusammenfassende Studie oder statistische Auswertung zum Gender-Care-Gap insgesamt, die gibt es unseres Wissens nicht.

Für unser Buch 'Die Rosa-Hellblau-Falle' haben wir viele Erhebungen und Untersuchungen zusammengefasst:

  • 86% der Pflegekräfte in Krankenhäusern sind weiblich
    (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/zdw/2012/PD12_010_p002.html)

 

  • über 80% der Beschäftigten in Gesundheitsberufen sind Frauen

(Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit 2011; da sind auch alle Ober- und Chefärzte mitgerechnet, die mit Pflege nun eher wenig zu tun haben)

 

  • über 90% weibliche Lehrkräfte an Grundschulen in NRW
    (www.it.nrw.de, Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen)

 

  • 97,6% weibliche Erzieherinnen in Kitas bundesweit
    (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2015)

 

  • Frauen verbringen doppelt bis dreimal so viel Zeit mit Kinderbetreuung
    (WSI-Report 11/2014, je nach beruflicher Arbeitszeit der Eltern, deutliche Unterschiede zwischen Ost & West)

 

  • Care-Arbeit in Prozent laut OECD Gender Brief, 2010:
    bei einem Kind Männer 6%, Frauen 14%
    bei zwei und mehr Kindern Männer 8%, Frauen 21%

 

  • dazu die Zahlen zum Gender-Gap bei bezahlter und unbezahlter Arbeit, laut OECD: Frauen 270 min unbezahlte Arbeit pro Tag, 30 h bezahlte Arbeit pro Woche (Männer 160 min / 40 h)

 

Es gibt dazu noch viele weitere Quellen, die insgesamt ein ungefähres 4:1 Verhältnis bei CareArbeiten belegen. Aber  ob die 80% sich damit statistisch korrekt berechnen lassen? Uns geht es um die Symbolik des Tages, um den eklatanten Gender-Care-Gap und die mangelnde Wertschätzung dieser Arbeit. Beide bleiben bestehen, auch wenn es nur ein 70% zu 30% Verhältnis sein sollte.

 

Julie ist in einem IT-Unternehmen angestellt. Mit Leander teilt sie sich die CareArbeit rund um Haushalt und ihre 3-jährigen Zwillinge.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Feste Zuständigkeiten gibt es nur für die Abholzeiten der Kinder aus dem Kindergarten, weil wir hier unsere Arbeitszeiten drumrum organisieren müssen. In der Regel setze ich die drei morgens vor dem Kindergarten ab, montags, donnerstags und freitags hole ich sie, Leander holt sie dienstags und mittwochs. Ansonsten kann und macht auch jeder von uns beiden alles, je nachdem was gerade anfällt und wer da ist / Zeit hat.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Die Frage “Warum” hat sich uns nie gestellt, es war für uns immer eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns gemeinsam dafür entschieden, Kinder zu bekommen und wir haben uns von Anfang an gemeinsam um sie gekümmert.

Jeder hat die Möglichkeit, seiner Arbeit weiter nachzugehen. Und die Vorteile, dass wir uns ansonsten gleichberechtigt um die Kinder kümmern - keiner brennt aus, jeder ist Ansprechpartner, wir sind beide gleichermaßen ein Vorbild für unsere Kinder, wir sind gleichberechtigte Partner, die immer wissen, worüber der andere spricht. Man bleibt immer miteinander im Gespräch und hat ein wirklich gemeinsames Leben.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Jeder von uns muss im Job zurückstecken, damit alles funktioniert - wir arbeiten beide in Teilzeit, wobei Leander neben seiner Festanstellung auch noch selbständig Aufträge annimmt. Und natürlich bleiben dadurch auch manche Träume wie ein weiteres Studium aufgrund von Zeit auf der Strecke.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Nein. Dadurch, dass wir keine klare Aufteilung haben, haben beide den Überblick. Die Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Welchen Vorteil hätte es, das auf eine Person zusammenzustauchen? Den, einen “Sündenbock” zu haben, wenn was schiefläuft? Nein. Da hab ich doch lieber eine kommunikative, gleichberechtigte und intensive Partnerschaft.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Die einzige Grenze der fairen Aufteilung, an die wir bislang gestoßen sind, war die, dass Leander nicht stillen konnte. Gerade in der Anfangszeit mit den Zwillingen hat dies natürlich einen klaren Fokus auf mich gelegt, weil ich einfach viel viel viel damit beschäftigt war. Aber er hat auch immer mal wieder eine Flasche gegeben und mich so entlastet und selbst eine “Still”-Beziehung aufgebaut. Und es war nie ein Streitpunkt, da von Anfang an klar war, dass dies eine unabänderliche und absehbare Sache war.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Dadurch dass ich einen weiteren Arbeitsweg habe als Leander und an zwei Tagen, wo ich sie hole, unter Zeitdruck bin, weil ich noch weiter arbeiten muss, wenn sie daheim sind, habe ich tatsächlich weniger Beziehung zu den Erziehern im Kindergarten als Leander sie hat. Aber ansonsten gab es nie einen Grund für eine Neuaufteilung - keine außer “Mama!” oder “Papa!”-Forderungen der Kinder - da wir sehr bewusst diese Gleichberechtigung leben und lebbar machen.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Negativ: “Wie, Sie wollen Ihre Kinder schon in die Betreuung geben?! Die armen Kinder!”, als es im Gespräch mit Fremden aufkam, dass unsere Kinder bereits mit knapp anderthalb in die Ganztagesbetreuung müssen (wir sind auf das Gehalt angewiesen).

Positiv: … ich hab jetzt echt lange drüber nachgedacht und außer von Freunden, die uns rückmelden, wie super wir das regeln, ist mir echt keine eingefallen. Was irgendwie in sich auch eine Aussage ist.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Lass dich nicht einlullen und nicht unterkriegen. Sei aufmerksam, gib und fordere ein - und behalte dein stetes Kommunikationsbedürfnis.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Eine deutlichere Unterstützung von Familien, auch finanziell aber primär durch bezahlbare Wohnungen auch IN Städten und Betreuungsmöglichkeiten für U3, Kindergarten UND Schule (der Gedanke an Schulferien und wie wir das regeln sollen lässt mich jetzt schon blass werden…).

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Die klare Erkenntnis, dass “Eltern sein” für Väter genauso viele Einschränkungen bringen kann und sollte wie für Mütter und entsprechende Unterstützung. Keine voreingenommenen Einschränkungen für Frauen mit Kindern. Teilzeitarbeit ohne Abstellgleis.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Eine tatsächliche Wahlmöglichkeit, was man machen möchte.

Frau Rabe ist Doktorandin in Molekularer Medizin, Herr Rabe Softwareentwickler mit fester Anstellung. Sie arbeiten beide norwegische Vollzeit, also 37,5 Stunden die Woche. Dort leben sie mit ihren beiden kleinen Kindern. Über ihren Alltag bloggen sie als Herr und Frau Rabe auf rabensalat.blog

 

  1. Wie ist die Care-Arbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

    Herr Rabe: Für viele Dinge gibt es bei uns keine festen Zuständigkeiten, aber spontan fallen mir doch ein paar kleinere ein. So putzt z.B. Frau Rabe das Terrarium der Schnecken, ich hingegen putze den Kaminofen und trage Holz aus dem Keller in die Wohnung. Und obwohl Frau Rabe gerne öfter auf Twitter etwas anzünden möchte mache ich hier meistens das Feuer im Ofen an. Dafür hat Frau Rabe das Holz bestellt und die Lieferung organisiert.
    Frau Rabe: Joa, im Grunde passt das so. Ich backe Brot, Herr Rabe putzt die Fenster und macht 90% der Kinder-Brotdosen. Wichtig ist glaube ich, dass wir beide meistens nicht den Eindruck haben, mehr als der jeweils andere zu tun.

  2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

    Herr Rabe: Im Prinzip habe ich zwei Gründe. Erstens Fairness, denn in einer Beziehung sollten sich beide an der Care-Arbeit gleich beteiligen. Zweitens bin ich schon so erzogen worden und kann nicht anders. Meine Mutter hat darauf geachtet mir alles beizubringen was für ein selbstständiges Leben wichtig ist. Gerne sagte sie zu mir – wenn wir zB. am Bügelbrett standen – „Junge, entweder du kannst es selber oder Du musst Dir später eine Frau suchen, die das alles für Dich erledigt.“ Letzteres klang für mich schon immer abwegig und viel zu einschränkend, also lernte ich. Und außerdem macht es mir auch Spaß Dinge selber zu erledigen.
    Frau Rabe: Ich möchte fast entgegnen: Ich verstehe die Frage nicht. Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, Hausfrau zu sein. Für mich ist eine gleichwertige Beteiligung an der Care-Arbeit in einer Partnerschaft so selbstverständlich wie nur irgendwas. Insofern sehe ich da auch keine Vorteile drin, sondern das Herstellen eines normalen Soll-Zustands. Umgekehrt würden mir aber einige Nachteile bei einer ungleichen Aufteilung einfallen.

  3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

    Herr Rabe: Bei schlechten Absprachen kann es zu Unzufriedenheiten kommen.
    Frau Rabe: Ja, der einzige Nachteil ist für mich auch ein hoher Orga-Aufwand. Man muss sich immer absprechen, wegen jedem Pups. Wer geht mit dem Kind zum Arzt, wer zum Schwimmkurs, wer kauft ein, wer macht die Einkaufsliste, wer spricht mit der Babysitterin ab, ob sie am Wochenende kommen kann. Die Liste ist endlos. Kleine, feste Zuständigkeitsbereiche (so wie mit dem Holz oder dem Brot) erleichtern das ein bisschen.

  4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

    Herr Rabe: Für mich wäre das nichts. Wir sind hier ein Team. Keine Hierarchien und so ?
    Frau Rabe: Naja, aber praktischer wäre es schon. Langweilig, ungerecht, kurzsichtig, aber praktisch.

  5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

    Herr Rabe: Unterschiedliche Erfahrungsgrade mit Dingen. Wenn irgendwas kaputt geht, bin dann doch ich es, der es repariert. Einerseits bin ich da ziemlich selbstsicher, andererseits kann ich das auch nicht gut delegieren. Und mit zwei Kindern kann man sowas auch nicht mehr so gut zusammen machen wie früher, da halt einer die Kinder beschäftigen muss.
    Frau Rabe: Bei mir ist es ein leichter Kontrollzwang. Ich bin ein Orga-Mensch. Ich reiße gerne so Sachen wie Urlaubsplanung (oder Holzlieferung) an mich, präsentiere dann irgendwann Herrn Rabe eine fertig befüllte mehrseitige Exceltabelle mit allen Pros und Cons und Preisen und durchschnittlichem Niederschlag und bin dann unzufrieden, wenn Herr Rabe da nicht auf Anhieb durchblickt oder sich auch nicht für irgendwas entscheiden kann. Und Krankheit halt. Aber das kann ja genauso auch immer eine klassische Rollenverteilung ins Wanken bringen.

  6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der Care-Arbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

    Herr Rabe: Es hat sich etwas verändert, früher haben wir mehr Dinge wirklich zusammen erledigt. Heute muss einer die Kinder bei Laune halten während der andere Dinge tut.
    Frau Rabe: Hmm ja. Mehr zu tun und weniger Zeit es zu tun. Und wir waschen unsere Wäsche nicht mehr getrennt, seit wir Kinder haben! Jetzt wäscht halt jeder mal den Korb weg, der grade am vollsten ist.

  7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

    Herr Rabe: So alt sind sie noch nicht. Veränderungen gab es bisher nur durch die Geburt der Kinder.
    Frau Rabe: Innerlich habe ich echt gefeiert, als die Kleine abgestillt war. Nächtliches Stillen schlaucht. Und die Flasche nahm sie auch nie. Da war also ein echtes Ungleichgewicht und als es wegfiel, kippte es erstmal in die andere Richtung, nach dem Motto: ich habe ein Jahr lang nicht durchgeschlafen, jetzt bist Du dran mit Banane füttern. Inzwischen hält es sich so etwa die Waage, denke ich. Und die nächtlichen Fressattacken der Kinder werden ja auch seltener.

  8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann bzw. als Frau?

    Herr Rabe: Wir leben ja in Norwegen. Zwar sind wir hier nicht nur wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber ein bisschen schon. Und was soll ich sagen, dass klappt hier wirklich gut. Mit der gleichberechtigten Aufteilung bin ich hier kein Sonderfall, sonderen eher Durchschnitt.
    Frau Rabe: Ja, das stimmt. Wir sind hier jedenfalls keine Sonderlinge wegen unseres Familienmodells. Im Kindergarten zum Beispiel trifft man (sofern die Eltern der Kinder zusammen leben) eigentlich immer beide Partner, weil alle es so machen wie wir auch: ein Elternteil bringt, das andere Elternteil holt ab. Genauso läuft es bei der Arbeit ab: jede*r mit Kindern muss mal früher weg, weil Kindkotzt/Schulaufführung/Kadertraining.

  9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

    Herr Rabe: Bis jetzt kann ich mich nur an positive Situationen erinnern. Entweder gab es keine negativen Reaktionen oder ich habe das nicht mitbekommen. Obwohl, an eine negative Erfarung von vor Michels Geburt kann ich mich gut erinnern. Wir waren auf einem Flohmarkt für Kinderklamotten unterwegs um uns mit Ausstattung einzudecken. An einem Stand wurde uns, bzw. eher nur an Frau Rabe gerichtet ein Wickelbody empfohlen, denn „damit könne sogar der Vater das Kinde wickeln“. Auch heute noch finde ich es eine Frechheit mir, bzw. Vätern generell, die Fähigkeit abzusprechen, sich um seine Kinder zu kümmern.
    Frau Rabe: als negative Reaktion könnte ich den Klassiker anbringen: als ich, damals noch in Deutschland, meinem Chef verkündete, ich sei schwanger, fragte er mich nach der Gratulation, wie viele Jahre ich denn zu Hause bleiben wolle. Als ich sagte, ich hätte so an sieben Monate nach der Geburt gedacht, damit wir die Elternzeit fair aufteilen könnten, kam ein belächelndes „Jaja, warte mal ab, wenn das Baby dann da ist…“. Positive Reaktionen kriege ich wenn überhaupt nur indirekt an den Mann adressiert mit: „Ach, das ist ja auch toll, dass sich die jungen Väter heutzutage so einbringen.“ (Von meiner Oma.) Meine Mutter hat uns gelobt dafür, dass wir das so gleichberechtigt hinbekommen. Aber zählt das, wenn die eigene Mutter das sagt?

  10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

    Frau Rabe: Haha, ich könnte höchstens sagen: mach du mal, das passt schon. Such dir nen Partner, der die Dinge so sieht wie du. Dem Zeit wichtiger ist als Geld, der aber auch weiß, dass Geld nicht auf Bäumen wächst. Und der bügeln kann, das lernst Du nämlich in diesem Leben wohl eher nicht mehr.
    Herr Rabe: Ich bin eigentlich mit mir ganz zufrieden, so wie es ist, von daher würde ich auch einfach sagen, mach das, was du machst.

  11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

    Frau Rabe: in Deutschland wäre das: 1. Mehr Elterngeld. Ich meine: wir leben hier in einem Land mit echt hohen Löhnen. Und trotzdem bekommt man in Norwegen mindestens 80% des vorherigen Nettoeinkommens als Elterngeld, für 59 Wochen. Alternativ 100% für 49 Wochen. Dann gilt nämlich auch das Argument nicht mehr, dass ein Partner nicht länger als 2 Monate zu Hause bleiben kann, weil dann zu viel vom Haushaltseinkommen wegfällt. Um das zu unterstreichen, könnte man die, ähäm, „Vätermonate“ ausweiten. 2. Mehr gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Obwohl hier alles andere sehr teuer ist, ist Kinderbetreuung vom Preis her ok. Geradezu günstig. Und das bei einer Qualität, die ich nicht mehr missen möchte. Der Betreuungsschlüssel unserer KiTa ist 1:3,5. Welcher Kindergarten in Deutschland schafft das schon? Und dass Eltern ihre Kinder nicht einfach verwahrt wissen wollen, sondern wirklich betreut, ist wohl allen klar.
    Herr Rabe: Mit den Zuständen in Norwegen bin ich sehr zufrieden. Ich würde mir wünschen, wie es auch schon Frau Rabe beschrieben hat, dass die Politik in Deutschland sich mehr an der Skandinavischen Familienfreundlichkeit orientiert.

  12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir, dass es normaler wird, sich gleichberechtigt an der Care-Arbeit zu beteiligen. Dass Frauen™ nicht mehr so oft und Männer™ dafür öfter gefragt werden, wie denn die Kinderbetreuung organisiert ist. Dass mehr Paare sich die Elternzeit gerechter aufteilen. Dass mehr Väter bei ihren Arbeitgebern auf ihr Recht bestehen, Elternzeit zu nehmen. Dass im Gegenzug der Rabenmuttermythos endlich ausstirbt. Dass Medien aufhören, Politiker dafür abzufeiern, dass sie einmal pro Woche das Kind aus der KiTa abholen, während die Schlagzeilen bei der schwangeren Politikerin deren Leistungsfähigkeit anzweifeln. Zusammengefasst: eine gleichberechtigte Elternschaft soll keine Randerscheinung mehr sein. Bitte.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass Väter mehr ermutigt werden sich Zeit für ihre Familie zu nehmen. Das es selbstverständlich und kein Problem ist, wenn man dem Chef sagt, man müsse los um das Fieberkind aus der Kita abzuholen. Mein Teamleiter wünscht mir zum Beispiel in solchen Fällen nur gute Besserung für das Kind.

  13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir mehr Geschichten, wie andere Paare sich die Familienarbeit gleichberechtigt aufteilen oder wenn nicht, was sie davon abhält.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass der Equal Care Day zum reflektieren der eigenen Situation anregt und dazu ermutigt Missstände anzusprechen. Ich wünsche mir, dass das Thema gleichberechtigte Familienarbeit diskutiert wird, nicht nur auf politischer Ebene, sondern ganz konkret in Familien und Freundeskreisen.

Claudia wohnt und arbeitet mit ihrem Mann und zwei Kindern in Süddeutschland. Sie leben kein Equal Care, denn der Versuch hat bei den beiden zu einem umgekehrten Rollenmodell geführt. Sie passen nicht unsere Reihe der Positivbeispiele, trotzdem wollen wir ihre Antworten hier vorstellen, da sie die gesellschaftlichen Widerstände gerade auch gegenüber fürsorglichen Vätern deutlich machen. Claudia möchte anonym bleiben.

photo credit: Chris B Richmond

Als wir im Sinne des Equal Care für eine 50:50 Aufteilung des Elterngeldjahres entschieden haben, hat das meinem Mann beruflich sehr geschadet. Deswegen arbeitet er auch nicht mehr in der ihm vertrauten Branche, in der er jahrelang tätig war, sondern musste und muss sich weiterhin beruflich komplett umorientieren. Darum bringe ich in Vollzeit als IT-lerin den Hauptteil des Geldes heim und mein Mann arbeitet auf 50% im Einzelhandel. Das bedingt derzeit eine relative Umkehrung der Rollen, aber mehr dazu in den Fragen.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Da ich als Frau mehr Stunden arbeite, übernimmt mein Mann fast den kompletten Haushalt. Bis auf gelegentliches Durchsaugen und die Spülmaschine übernehme ich kaum regelmäßige Arbeiten im Haushalt. Mein Mann übernimmt auch den Großteil der Kinderarzttermine, da seine Schichten im Einzelhandel in der Regel nachmittags und am Wochenende liegen. Auch die Kinderkranktage werden aus finanziellen und organisatorischen Gründen (er hat oft keine Schicht an diesen Tagen) von meinem Mann übernommen.
Ich übernehme im Hintergrund viele organisatorische Arbeiten, dazu gehört Besorgen von Kinderkleidung, Verkaufen von alten Kindersachen und das Orchestrieren von Terminen mit Familie und Freunden. Außerdem so ziemlich Alles was sich mit Finanzen und Steuern beschäftigt und Recherche für neue Anschaffungen.

Wenn es um die Kinder geht, sind wir beide gleich investiert. Wenn wir beide früh raus müssen, teilen wir uns das Aufstehen auf, wenn der Andere morgens frei hat, dann übernimmt dieser die Nachtschicht. Jeder achtet auf den Anderen, wenn wir also sehen, dass die Nerven des Einen schon am Limit sind, springen wir ein, egal wer gerade "dran" wäre.
Das ist für mich auch der zentrale Punkt. Wir sind ein Team und können der Belastung auch nur zusammen standhalten.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Wir haben ganz klar nach verfügbarer Zeit und Neigung aufgeteilt und da kommen auch die Vorteile her. Fair aufzuteilen heißt auch nachhaltig mit den Ressourcen der Beteiligten umzugehen. Es bringt niemanden was, wenn der/die Eine opferwillig die Belastung alleine schultert und dann irgendwann zusammenbricht. Das gilt für Care-Arbeit genauso wie den Gelderwerb. Auch die Belastung die finanzielle Existenz alleine zu schultern ist zu viel für Einen allein.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Die Hölle das sind immer die Anderen. Wir leben derzeit noch in einer Gesellschaft, die die alten Rollenmodelle sehr ernst nimmt. Ich werde genauso kritisch beäugt, wie ich als Frau Vollzeit "hinbekomme", so wie auch mein Mann Klassenkeile erlebt hat, weil er für seine Kinder seine Job zurückgestellt hat. Umgekehrt würde niemand mit der Wimper zucken.

Als Markus Elternzeit beantragt hatte, wurde er vor die Alternative gestellt: gleich von selbst gehen oder nach Ablauf der Elternzeit eine Kündigung bekommen. Sich um sein Kind kümmern zu wollen, wurde ihm nämlich als "zu wenig engagiert" ausgelegt. Markus hat noch gehofft, im Lauf des Elternzeitjahres eine neue Stelle zu finden, wurde aber enttäuscht und hat sich dann umorientiert.

Und ich werde weiterhin als Frau zuerst angerufen, wenn etwas in der Betreuung ist und die Anzahl der Male, die ich in Vorstellungsterminen gefragt wurde, wie ich theoretische 18:00 Termine (die so seltenst eintreffen) wahrnehmen will...eine Schande in 2017.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Sicher wäre das manchmal praktischer, aber was heißt denn Haushalt? Da sind so viele Themenfelder betroffen, die man prima aufteilen kann, ohne dass man sich in die Quere kommt. Und es bleibt dabei...Aufteilung heißt nicht, dass man nicht konstant aufeinander achten muss. Eine Aufgabenverteilung bleibt nicht in Stein gehauen, sondern muss ständig dem Belastungszustand und der Sitauation angepasst werden. Elternsein ist Teamarbeit.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Derzeit gerne an der Unterschiedlichkeit der Arbeitsrealitäten. Zwischen einem Bürojob mit Gleitzeit und Einzelhandelsschichten klaffen Welten. Ohnehin merkt man da auch sehr stark, dass unsere Familienpolitik immer nur aus dem warmen Büro gemacht wird. Mein Mann arbeitet auf dem Papier 50%, die Wahrheit ist aber, dass diese Stunden oft im Nachmittag oder am Samstag liegen. So sehr er sich im Care-Bereich engagiert...er ist halt arbeiten, wenn ich vom Vollzeitjob heim komme.
Natürlich gibt es darüberhinaus auch Phasen in denen die Kinder an einem Elternteil mehr hängen...und ja auch wenn man progressiv unterwegs ist, das ist häufig auch die Mutter.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Ja, drei...zwei Kinder 2 und 4 und ein Teenager mit 17 aus einer vorherigen Beziehung. Ich kenne das Leben und die Beziehung ohne Kinder nicht. Aber als ehemalige Alleinerziehende kann ich ermessen wie es ist die Care-Arbeit allein zu tragen und habe in der Beziehung auch klar gemacht, dass das in keinem Fall ein Idealzustand ist.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Da sind wir noch nicht, zumindest nicht mit den gemeinsamen Kindern. Aber aus der Erfahrung mit dem Ältesten. Es ist wichtig sich auch hier abzuwechseln und auch konfliktfreie Zeit mit den Kindern zu verbingen und das geht nur, wenn nicht einer ständig die Care-Brille aufhalten muss. Speziell in der Pubertät ist es ein häufiges Wechselspiel zwischen der schönen Erfahrung einen Heranwachsenden zu begleiten und notwendige Grenzen aufzuzeigen. Da ist es gut, wenn man mal aus der Schusslinie treten kann und einfach nur als Elternteil mit ins Kino geht.

8. Welche Reaktionen bekommst Duvon anderen für Dein Tun als Mann
Mein Mann fühlte sich häufig nicht in den Kreis der "Muttis" integriert. Er wird auch unter Männern wie Frauen häufig nur nach seinen beruflichen Plänen und Ambitionen befragt. Als wäre das was er für die Familie tut, eigentlich nicht genug, solange er nicht auch ordentlich Geld verdient.

bzw. als Frau
Auch ich störe die wortlos akzeptierte Ordnung. Vollzeit und Kinder und dann noch ambitioniert...da stimmt doch irgendwas nicht. Das gilt für den Job genauso, wie auch für Begegnungen im Kindergarten. Das ich nicht fröhlich bei jedem 15:00 Kinderkurs dabei sein kann, sondern "nur" der Papa...

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Positive Reaktionen habe ich häufig von Frauen mit erwachsenen Kindern. Gerne auch welche, die selber berufstätig sind oder auch alleinerziehend wurden. Eine Kollegin hat mir nachdem ich aus der Elternzeit zurückkam ausdrücklich dazu gratuliert, dass ich Vollzeit mache und mit meinem Mann eine progressiver Verteilung der Care-Arbeit lebe.
Negativ: "Was machen Sie wenn ein Meeting um 18:00 angesetzt wird?" Von einem Fragesteller, der verheiratet war mit zwei kleinen Kindern...ich hätte ihn gern geschüttelt.
Oder: "Was machen die Kinder, wenn du arbeitest?" Ja...die Antwort war "im Keller angebunden sein".

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Sucht Dir einen Job, der gut bezahlt wird und Dich auch alleine finanzieren könnte! Ja...es ist so profan. Die Anzahl der Male, die ich gehört habe, dass die Retraditionalisierung mit der Aufteilung der Elternzeit ("Mein Gehalt als Mann ist höher, deswegen nur zwei Monate") begann sind unzählbar.
Und: Such Dir einen Mann, der keine Angst vor einer starken Frau hat...und einer die mehr verdient als er.

Hab ich alles gemacht...insofern...puh! 😉

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Dass sie aus ihrem kuscheligen Büro heraus auch nicht Schichtarbeiter und Geringverdiener vergessen, denn Retraditionalisierung beginnt meist mit einer sehr nüchternen Betrachtung der Familienressourcen. Wenn Schichtzeiten und Einkommen recht klar den männlichen Einverdiener favorisieren, dann hilft auch eine Promoaktion nichts.
Außerdem soll der Staat, die Care-Arbeit, die er übernimmt, auch bitteschön anständig übernehmen.
Da spreche ich im Besonderen die Qualität der Ganztags-/Schulen und der Hausaufgabenbetreuung an den OGTS an. Kinder, die schlecht gefördert und ohne Hausaufgaben um 16:30 daheim ankommen, sind kein Zustand. Dies führt häufig dazu, dass selbst im Schulalter die Arbeitszeit reduziert wird (meistens von der Frau), um die nicht erfolgte Care-Arbeit (die eigentlich Bildungsarbeit ist) wieder aufzufangen.
Öffnungszeiten und Angebot von Ganztags-KiTa Plätzen ist auch nicht deutschlandweit ausreichend.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Ich wünsche mir ganz konkret von den Entscheidungsträger*innen (machen wir uns nichts vor, meist sind es Männer), dass sie den alten Rollenvorstellungen den Kampf ansagen. Wer diskriminierende Fragen in Vorstellungsgesprächen stellt, hat sich zu verantworten. Wer Teilzeitler diskriminiert, oder Leute in Elternzeit auch. Ihr frustriert nur Know-How Träger und senkt die Arbeitsmotivation. Da kommt doch auch betriebswirtschaftlich nur Mist raus.

13.Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Konkret für mich, eigentlich nichts. Wir haben uns gut organisiert...aber es war ein langer Weg bis dahin.

…schreiben gemeinsam das Blog www.grossekoepfe.de. Sie erzählen von Ihrem Alltag mit ihren drei Kindern, einer Vollzeitstelle, einer Promotion, der Vereinbarkeit und dem Leben in Berlin.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Wir haben keine festen Zuständigkeiten, sondern versuchen uns immer wieder neu auszutarieren. Als wir zusammenzogen, haben wir uns über Wünsche und Vorstellungen jedes Einzelnen sehr genau unterhalten, dabei haben wir festgestellt, dass wir uns die Care Arbeit in Bezug auf Haushalt, eventuelle Kinder etc. gern 50/50 teilen möchten.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Durch die Teilung der Care Arbeit teilen wir uns auch die Verantwortung und das damit verbundene Wissen. Den Satz „Kenn ich nicht, kann ich nicht“, gibt es bei uns nicht. Jeder kann alles in Bezug auf Kinder und Haushalt und verfügt über das notwendige Wissen und Vertrauen des Anderen.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Es ist nicht immer leicht wenn beide Partner/innen sich gleich stark einbringen wollen. Wir befinden uns in einem immerwährenden Prozess von Kommunikation.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Vielleicht wäre das praktisch, aber das würde nicht unserer Vorstellung von gleichberechtigter Partnerschaft und Kindererziehung entsprechen.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Wir stellen fest das ER im Haushalt mehr Pflichten übernimmt als sie. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass derzeit die Care Arbeit mit dem Baby (6 Monate) mehr an ihr hängt durch volles Stillen.  Daher gibt es in Bezug auf den Haushalt, sowie das Baby derzeit eine ungleiche Verteilung.
Wir mussten unsere Einstellung bereits mehrfach familienintern  erläutern und diskutieren. Für die Generation der eigenen Eltern ist das manchmal recht seltsam wie wir leben.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

In unserem Haushalt leben drei Kinder. Bei Kind 1 waren wir beide Studenten und haben uns alles komplett geteilt. Bei Kind 2 war ER 12 Monate in Elternzeit und SIE Vollzeit arbeiten nach 3 Monaten. In dieser Zeit gab es ein Ungleichgewicht, da ER mit beiden Kindern daheim war. Mit Kind 3 ist SIE nun Vollzeit daheim und er Vollzeit arbeiten. Da die beiden anderen Kinder jedoch schon größer sind, übernimmt ER hier eigentlich immer komplett wenn er daheim ist. Ja, unsere Aufteilung hat sich imemr mal wieder verlagert und verändert. Ohne Kinder im Haushalt war einfach nichts zu tun (quasi).
7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Siehe oben.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann* ☐ / bzw. als Frau* ☐ ?

ER wird oft gelobt von Eltern und Außenstehenden für seinen Einsatz für die Familie und den Haushalt.
SIE wird oft in Frage gestellt, warum ER denn kochen, staubsaugen und noch die Kinder nehmen würde.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Als SIE mit allen Kindern vier Wochen allein war um ihm eine Forschungsreise zu ermöglichen erfuhr SIE viel Anerkennung und Lob dafür. Es stellte sich heraus, dass SIE auch gut allein klarkommt, da beide Partner über das gleiche Wissen verfügen um Kinder, Haushalt und Beruf zu vereinen.
Als ER mit allen Kindern eine Woche allein war um ihr einen Kurzurlaub zu ermöglichen boten IHM viele Menschen ihre Hilfe an. Es schien für Außenstehende also fast nicht zu glauben, dass die Kinder, der Haushalt und die Arbeit bei ihm alle überleben würden.

 

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Der Schlüssel ist Kommunikation. Redet miteinander und sage ganz klar deine Wünsche und Grenzen und lass Dich nicht verunsichern.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Finanziellen Ausgleich für Familien in denen sich beide einbringen wollen.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Ein überarbeitetes Frauenbild jenseits der Idee, dass Frauen auch Vollzeit arbeiten können.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Den Fokus gendergerechte Erziehung und Aufklärung für den Nachwuchs.

 

Dagmar aus Hannover arbeitet Teilzeit als Referentin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Sie lebt getrennt von Thomas, mit dem sie zwei Kinder hat. Sie teilen sich die Woche, die Zeit mit den Kindern, das Kümmern und die anfallende Carearbeit.


1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
Mit unserer Trennung vor 5 Jahren haben wir die Woche und auch die Wochenenden so aufgeteilt, dass jeder die gleiche Zeit mit unseren beiden Kindern verbringen kann. Das bedeutet, dass sich Thomas von Montag bis Mittwochmorgen um alles kümmert und ich ab Mittwochnachmittag übernehme. Die Wochenenden sind ebenfalls aufgeteilt.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Jeder von uns kann sich gut auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren, sei es die CareArbeit oder die Erwerbsarbeit. An den Care-Tagen versuchen wir beide möglichst wenig Erwerbsarbeit leisten zu müssen. Die Kinder haben beide Elternteile – trotz Trennung - gleichviel um sich. Auch wenn wir Familie nicht im klassischen Sinn leben, bekommen die Kinder aus unseren beiden Lebenswelten das Maximum mit. Das klassische Modell, in dem ein Elternteil die Kinder nur alle zwei Wochen am Wochenende erlebt, kam für uns beide nicht in Frage.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Keiner von uns kann – ohne externe Unterstützung - Vollzeit arbeiten. Thomas, der Gastronom ist, kann an CareTagen im Grunde keine Aufträge annehmen. Auch für mich bedeutet das Modell, dass ich ab Mittwoch im Job – auch gedanklich – nicht mehr voll flexibel bin. Wir haben keine gemeinsame Zeiten mit den Kindern, können das Modell also nur leben, weil wir getrennt sind und trotzdem gut miteinander auskommen. Familienzeit gäbe es in diesem Modell unter „normalen Umständen“ also nur an den Wochenenden.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Ehrlich gesagt denke ich manchmal, dass es so ist. Es geht sehr viel Zeit für Abstimmungen drauf (wobei die Neuen Medien und so manche App  das mittlerweile erheblich erleichtern…). Wer kauft die Geschenke, wer sorgt für die Kleidung?

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Wenn eine dringende berufliche Aufgabe auf einen CareTag fällt. Wenn ein Kind krank wird. Wir haben keine Eltern mehr und müssen dann Kindermädchen, Leihomi oder die Eltern anderer Kinder organisieren oder Tage tauschen. Alle Störungen unserer Regel lösen eine große Orga-Welle aus!

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Bevor unsere beiden Kinder geboren wurden, hat jeder weitgehend für sich selbst gesorgt, die meiste Zeit hatten wir auch zwei Wohnungen und schon von daher getrennte CareBereiche.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Die CareArbeit wird planbarer. Die Bedürfnisbefriedigung der Kinder kann auch mal warten. Wir haben vereinbart, dass wir beide mit dem Ende der Grundschulzeit unseren Anteil der Erwerbsarbeit hochfahren wollen, da wir von einer größeren Selbstständigkeit der Kids ausgehen. Dann muss unser Modell neu überdacht werden.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Frau?
Einerseits: Bedauern bis Mitleid, dass ich als Mutter (!) so viel arbeiten muss und nicht so viel Zeit mit den Kindern verbringen kann.
Andererseits: Anerkennung, dass ich das alles so schaffe.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Positiv: Häufig höre ich, dass wir das Beste aus der Situation gemacht hätten (und hoffe , dass wir die CareArbeit genauso gerecht organisiert hätten, wenn wir uns nicht getrennt hätten…).

Negativ: Eine andere Freundin stellt fest: „Ist ja toll, dass sich Thomas so für seine Kinder engagiert. Das ist ja nicht selbstverständlich.“ Ich hab nur gedacht: „Das sollte aber selbstverständlich sein! Oder muss ich ihm dafür dankbar sein, dass er seine Hälfte der CareArbeit übernimmt?“ Ein anderer Bekannter stellt fest, dass unser Modell für Thomas bzw. für sein Ego eine ziemliche Herausforderung sein müsse, zugunsten der Familie bzw. der ebenfalls erwerbstätigen (meinte er „karrieregeilen“?) Frau auf Aufträge zu verzichten.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Deine Bedürfnisse sieht man dir nicht unbedingt an. Rede darüber! Es ist auch nicht verwerflich, um Hilfe zu bitten. Du musst nicht alles allein schaffen!
Die Hilfe, die du bekommst, kannst du anderer Stelle sicherlich zurückgeben…

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Mehr gute und verlässliche Ganztagsschulen.
Die Politik selbst sollte auch familienkompatibler werden. Keine ewig dauernden Sitzungen, Sitzungswochen und andere Präsenzpflichten. Die Welt hat sich verändert - das wissen auch die Wähler_innen, die eh nicht darauf achten, wie voll der Plenarsaal ist.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Auch in der Wirtschaft sollte das Bewusstsein weiter zunehmen, dass jede_r Beschäftigte nicht nur Leistungserbringer_in, sondern auch Privatmensch mit CareAufgaben ist.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Jede Stadt, jeder Ort bekommt einen CarePool, in dem sich Menschen sich treffen, die CareArbeit leisten wollen (ehrenamtlich oder bezahlt) oder einen Bedarf daran haben. In Bedarfssituationen bzw. dann, wenn die normalerweile Zuständigen ausfallen, kann schnell Hilfe vermittelt werden.

Stefanie und Tobias leben mit ihren beiden Kindern (4 Jahre und 2 Monate) in Berlin. Über ihre Erfahrungen mit Equal Care berichten sie in ihrem Buch „Papa kann auch stillen“ (Goldmann).

Foto: Urban Zintel

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt?
50/50

Gibt es feste Zuständigkeiten?
Kaum

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf?
Aus Prinzip, damit alle was von allem haben, weil wir wollen, dass unsere Kinder mehrere enge Bezugspersonen haben, weil wir nicht wollen, dass eine*r von uns durch längere Auszeit keinen anspruchsvollen Job mehr ausüben darf.

Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Mehr Freiheiten für beide, weil Kinder zwischen uns nicht unterscheiden. Mehr Sicherheit, weil beide fest im Job stehen. Mehr Möglichkeiten zum Austausch, weil wir beide arbeiten und auch über Berufliches Leben sprechen können. Equal Care bedeutet ein Leben, in dem Intellekt, Emotionen und Sozialleben für uns beide gleichermaßen angesprochen werden. Für beide.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Mehr Absprachen, wir verzichten momentan beide auf eine klassische Karriere, weil die leider 40+ Arbeitsstunden bedeuten würde.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Vielleicht, haben wir noch nie so gemacht, deswegen können wir da nichts zu sagen. Wir vermuten, dass wenn sich der Alltag auf diese Weise trennt, hat man einfach weniger Gemeinsamkeiten.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Bisher gar nicht.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt?
Zwei Kinder (4 Jahre und 3 Monate)

Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Nein, sie ist nur insgesamt mehr geworden.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder?
Das erste Jahr ist das schwierigste, weil wir da keine außerhäusige Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Danach wird es signifikant leichter, weil die Freiräume für beide größer werden.

Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Nein

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann*?
TS: Manchmal Anerkennung, oft Gleichgültigkeit (vor allem in meiner Generation).

/ bzw. als Frau*
SL: Verschiedene Reaktionen: 1.) Ist doch normal. 2.) Werde von anderen Frauen beglückwünscht zu diesem außergewöhnlichen Mann 3.) Ob ich total verantwortungslos bin, nach zwei Monaten wieder arbeiten zu gehen ???

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
SL: - Mir wurde vor meiner ersten Schwangerschaft von einer Person, die mich nicht gut kennt, gesagt, dass es mit der gleichberechtigten Arbeitsteilung sowieso nichts werden würde, da ich als Mutter mein Kind nicht mehr hergeben könne.
+ Equal Care: Das passt zu dir, ihr macht das bestimmt toll.
TS: + Aus der Generation über/vor mir kommen durchweg positive Reaktionen. Ein Allensbach-Forscher zum Thema Vereinbarkeit fand es toll, wir wir das machen, er selbst war vollkommen dem Ernährermodell verpflichtet.
- Dass man damit kein Geld verdienen kann, höre ich leider immer wieder. Gute Idee, ja, passt aber nicht in die Welt.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Bleib so wie du bist.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
SL: Lohnausgleich für Arbeitszeitverkürzung, flächendeckende kostenlose und sehr gute Betreuungsmöglichkeiten auch für Schulkinder.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
SL: Stereotype Geschlechterrollen reflektieren und aktiv bekämpfen. Dass die berufliche Diskriminierung von Menschen, die Care-Arbeit leisten, endlich aufhört.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Eine*n Babysitter*in.

… arbeiten als freiberufliches Journalist*innen- und Autor*innen-Team mit Wort und Klang und versuchen immer wieder neu, die Arbeit rund um ihre drei Kinder, um Küche, Krankheit und Kloputz genauso fair aufzuteilen wie ihre Erwerbsarbeit.

 

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Almut: Zuständigkeiten weniger, aber Routinen, die sich im Lauf der Jahre entwickelt haben. Und die wir immer wieder infrage stellen, vor allem, wenn uns mal wieder alles über den Kopf wächst, und wir empört sind, wie groß ein Wäscheberg in drei Tagen anwachsen kann oder, dass sich die Küche nicht wenigstens dann über Nacht von selbst aufräumt, wenn Eltern krank werden.
Sascha: Wer was im Haushalt übernimmt, ist ja immer auch eine Botschaft an die Kinder. Almut kümmert sich um die Wäsche, aber das Entscheidende ist, sie kümmert sich darum, dass alle was Warmes zum Anziehen haben, wenn der Herbst kommt. Und sie kümmert sich um Geburtstage und Geschenke. Da bin ich nicht gut und immer auf den letzten Drücker. Das sind zum Teil also auch heftige Rollenklischees, die wir da weiter geben. Aber beide alles machen, geht einfach nicht ohne bedingungsloses Grundeinkommen. Und eigentlich ist es ja egal, was ich als Mann in der Familienarbeit übernehme, eigentlich ist das ja alles untypisch 😉
Almut: Sascha hat dafür seit ein paar Jahren das Kochen und den Lebensmitteleinkauf fast komplett übernommen, was ich dankbar und erleichtert angenommen habe.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Almut: Es ist uns nie anders in den Sinn gekommen. Wir sind im Studium zusammengezogen und es passt nicht zu meinem Verständnis von Partnerschaft, dass sich eins nach Feierabend hinsetzt, während er oder sie noch "das bisschen Haushalt" wuppt.
Sascha: in der kleinen Wohnung, die wir damals hatten, gab es ja auch nicht so viel zu tun. Am Anfang waren wir oft in der Mensa und haben dann irgendwann angefangen, uns gegenseitig zu bekochen. Es hat sich richtig angefühlt, gab keinen Streit, ich bin da so reingewachsen. Dass der Haushalt zu einer lästigen Aufgabe wurde, das kam eigentlich erst mit den Kindern. Und da hilft es zu wissen, dass ich mich um bestimmte Dinge einfach nicht kümmern muss. Ich hab viele Teller gleichzeitig am Rotieren, Kleidung z.B. gehört nicht dazu, das ist gut. Das heißt nicht, dass ich mich nicht auch kümmern würde, aber ich muss nicht und muss dann auch kein schlechtes Gewissen haben.

 

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Sascha: Da wir uns für die meisten Bereiche gleich zuständig fühlen, machen wir uns auch über Dinge doppelt Gedanken, die das gar nicht wert sind. Ohne Kommunikation geht gar nichts, es braucht mehr Übergaben und den anderen auf-den-Stand-bringen. Und da hinterher zu sein, ist manchmal anstrengend.
Almut: Zum Beispiel wenn ich morgens einem der Kinder (dem, das zur Zeit ausprobiert, ob es unsere Zeitansagen nicht ausdehnen kann ☺) sage, wann es zuhause zu sein hat, und Sascha aber schon im Büro sitzt, und das nicht mitbekommt. Dann ahnt man schon, dass das natürlich der Tag ist, an dem ich abends länger arbeite und Sascha die Tür aufmacht, wenn das Kind dann eine Stunde später als verabredet zurückkommt. Einerseits unwichtig und nur ein kleiner, glücklicher Moment fürs Kind, wenn ich das gar nicht erfahre. Andererseits doch wichtig, wenn es am nächsten Tag noch ein bisschen später kommt, so dass wir schon wieder unsere Erziehungsmaßnahmen diskutieren.

 

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Almut: Das mag praktischer sein, aber da keins von uns glücklich damit wäre, den Alltag ohne Beruf oder mit nur wenig Kinderzeiten zu verbringen, stellt sich die Frage gar nicht. Ich bin froh, dass wir beide einen Beruf haben, den wir sehr gerne machen, dass wir beide gerne unsere Zeit mit den Kindern verbringen und deshalb dankbar, dass wir uns die ungeliebten Aufgaben im Haushalt halbieren können.
Sascha: Die klassische Aufteilung jedenfalls käme für mich nicht infrage. Zumal ich weiß, dass die Mehrheit der Väter, die heute in Rente sind, bedauern, zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben. Das möchte ich nicht nachleben.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Sascha: Das sind natürlich immer die unplanbaren Dinge, Krankheit, ein zusätzlicher Auftrag, den wir nicht ablehnen wollen und können, ein Job, der doch viel mehr Zeit braucht als vorgesehen. Dann geht es schon mal drunter und drüber, und dann ist es auch nicht mehr gerecht. Aber da das Pendel mal auf die eine, mal auf die andere Seite ausschlägt, ist das schon okay so.
Almut: Equal Care ist für uns ja auch keine objektive Angelegenheit mit Stechuhr und Rechenschaftsbericht. Wenn Sascha mal wieder länger in der Küche steht und unbedingt Apfelmus selbst machen möchte oder Brot oder Marmelade… irgendwann geht es eben auch ins Hobby über und ist nicht mehr Teil der Abmachung.
Sascha: Vielleicht sollten wir die Aufgabenbereiche doch umkehren, also gerade nach Abneigung die Zuständigkeiten aufteilen, dann wären wir sicher schneller fertig mit dem bisschen Haushalt.
Almut: Heißt dann aber auch mit mehr Fertiggerichten, mehr Müll und Kleidern vom Discounter, oder? Und das kann es ja dann auch nicht sein.

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Almut: Weil es ohne Kinder so viel weniger zu tun gibt in einem Haushalt, weil jetzt so viel explodiert, kaum dass man den Blick abwendet, deshalb braucht es viel mehr Absprachen. Wir reden also sehr viel mehr darüber. Und weil die Kinder zunehmend mit einbezogen werden, gibt es auch Listen und Pläne, die (von den Kindern gern boykottiert werden und) immer wieder angepasst werden müssen.

 

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Sascha: Na ja, wenn die Kinder klein sind, dann sind es einfach die Eltern, die alle Care-Arbeiten übernehmen. Jetzt sind unsere Kinder in einem Alter, wo sie selbst viele Aufgaben übernehmen können und sollen. Jetzt stehen wir gerade vor der Aufgabe, wie wir unsere Kinder einbeziehen können in unser Konzept von Equal Care. Und die würden sich momentan natürlich lieber für ein anderes Modell entscheiden … und erleben es tatsächlich auch oft in anderen Familien, dass auch größere Kinder da vom Tisch aufstehen und sich bedienen lassen. Wäsche waschen, Spülmaschine, auch Kochen und Putzen, all die Tätigkeiten wollen wir natürlich auch unseren Kindern beibringen und sie einbeziehen. Denn wenn sie das alles gar nicht oder nur rudimentär lernen, dann können sie sich später gar nicht wirklich für oder gegen Equal Care entscheiden.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/Frau?
Sascha: Als Almut mal über mehrere Tage ein Seminar in Stuttgart gab, staunte eine Bekannte, dass meine Frau mich einfach so alleine lässt, bei sowas sei sie ja nicht so emanzipiert. Und als die Kinder kleiner waren, bekam ich in solchen Situationen öfter mal Hilfe angeboten, falls ich mit den Kindern alleine nicht klar käme.
Almut: Mir dagegen hat noch nie eine Bekannte Hilfe angeboten, weil Sascha 3 Tage weg ist. Aber es gibt auch FreundInnen, die sagen "Toll, dass Ihr das zusammen so gut hinbekommt, ist ja erstaunlich, was Ihr alles auf die Beine stellt". Das freut uns dann, wenn uns andere auch als Team sehen.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Almut: Es hat sehr lange gedauert, bis unsere Eltern und Bekannten uns abgenommen haben, dass tatsächlich nicht ich, sondern Sascha für die Küche zuständig ist. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Fragen nach "meinem Herd" oder zu irgendwelchen Zubereitungsmethoden an Sascha weitergeleitet habe. Und wenn andere meinen Mann loben, dass er sich so einbringt, finde ich das auch nicht besonders nett, denn ich bringe mich schließlich genauso ein, aber darüber muss ja leider kein Wort verloren werden, da das für eine Mutter sowieso selbstverständlich ist.
Sascha: Die krasseste Erfahrung war schon immer wieder, als die Kinder noch kleiner waren, und sich zum Spielen bei uns verabredet hatten, die Überraschung und dann auch das Unbehagen zu spüren, das manche Mütter mit Blicken oder Worten ausdrücken, wenn sie erfahren, dass sie jetzt ihr Kind ja in meine Obhut geben und meine Frau nicht da ist. Es ist eben längst noch nicht normal und gewohnt, dass Väter sich nachmittags um die eigenen Kinder und deren Besuch kümmern.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Almut: Ich habe Glück gehabt. Wenn ich sehe, wieviele Jobs es gibt, wieviele ArbeitgeberInnen, die diese Aufteilung schwer machen, dann ist mir das im Rückblick manchmal etwas unheimlich, denn im Studium habe ich mir keine Gedanken gemacht, ob das, was ich mir vornehme, später einmal mit Familie gut zu vereinbaren sein wird. Deshalb würde ich mir mit auf den Weg geben: bleib in keiner Partnerschaft und in keiner Berufsbeziehung stecken, in der die Aufteilung von Care-Arbeit nicht für beide ein wichtiges Thema ist und sprich es öfter an, um nicht von Zufällen und Glück abhängig zu sein.
Sascha: Ich hatte noch Handarbeit in der Schule. Ich hab häkeln und stricken gelernt, hab mir mit Anfang 20 selbst Hosen genäht, angefangen zu kochen. Wir haben Obst, Gemüse und Kräuter im Garten. Wie das kam, weiß ich im Einzelnen gar nicht mehr, aber dieses Gefühl, für mich und meine Familie sorgen zu können, nicht mittelbar durch Geld, sondern unmittelbar, das ist gut. Da werde ich meine Kinder, gerade auch unseren Sohn unbedingt unterstützen, dass sie das können, für sich selbst sorgen, putzen, waschen, kochen, diese Grundfähigkeiten und -fertigkeiten des Lebens, unabhängiger zu sein von den industriellen Vorgaben, das finde ich wichtig.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Beide: In der ganzen Debatte geht es uns viel zu sehr um den Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, damit auch die Mütter (!) ihre beruflichen Wünsche und Karrieren leben können. Und was ist mit den Kindern? Equal Care heißt ja nicht, alle Betreuungs-, Haushalts- und Pflegeaufgaben zu delegieren an Nannys, Putzperlen und die polnische Lösung, also an andere Frauen. Was wir wirklich brauchen, sind Arbeitszeitmodelle, eine Wirtschaftsstruktur, die es für alle Beteiligten möglich machen würde, Familie und Beruf zu leben und sich frei für ein partnerschaftliches Modell zu entscheiden oder eben auch nicht. Das soll ja kein Zwang sein, aber eine wirklich freie Wahl gibt es im Moment nicht.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Sascha: Ich denke da vor allem an Werbung und Medien, gerade auch an die fiktionalen Darstellungen. Im Film ist das einfach überhaupt kein Thema. Da gibt es den 'idiot dad', der gar nichts auf die Reihe bekommt oder den Vater, der viel zu spät merkt, wie sehr er seine Familie vernachlässigt hat, und dann alles daran setzt, alles wieder gut zu machen. Aber wie genau er das dann umsetzt, das zeigt der Film nicht, weil mit der happy Familienzusammenführung hört der Film ja dann auf. Das liegt sicher daran, dass das Filmgewerbe nicht gerade zu den Arbeitsfeldern gehört, in dem Equal Care gelebt werden kann, vor allem aber scheint es den Verantwortlichen wohl einfach kein Thema, weil langweilig, spießig, was auch immer. Dabei ist Equal Care doch ein einziges Dilemma, ein fortwährender Kampf, ein echt aristotelisches Hollywood-Thema, finde ich.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Sascha: Ich mag die Rechtfertigungen nicht mehr hören. Es müssen ja nicht alle so machen, aber es wäre toll, wenn da öfter eine klare Entscheidung dahinter stünde, dafür oder dagegen. Stattdessen werden so oft äußere Gründe vorgeschoben, warum was nicht geht. Wer etwas wirklich will, findet Wege, und wer etwas nicht will, findet Gründe ¯\_(ツ)_/¯
Almut: Ich will weder stolz sein, noch mich rechtfertigen müssen für unsere Aufgabenteilung, ich wünsche mir einfach, dass das bald normal wird. Keine Sprüche mehr von wegen: "Ja, ihr als Selbständige, ihr könnt das machen, aber … ", und ganz konkret wünsche ich mir ein bedingungsloses Grundeinkommen 🙂

 

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Patricia Cammarata ist Projekt-Managerin, Autorin und Bloggerin. Sie lebt ebenfalls mit zwei Schulkindern in Berlin. Sie genießt den Luxus alle zwei Wochen kinderfrei zu haben. Denn da sind die Kinder beim leiblichen Vater. Ab und zu macht sie Urlaub in Marcus Wohnung. Da hat sie noch nie gewaschen oder geputzt.

Marcus Richter ist Radiojournalist und Moderator mit Schwerpunkt Technik, Netz und Games. Er lebt in Berlin als Bonuselter einer Familie mit zwei Schulkindern, auch wenn er nach wie vor eine eigene Wohnung hat.

Patricia Cammarata (rechts, ohne Bart) und Marcus Richter (links)

 

1.    Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Patricia: Es gibt keine festen Zuständigkeiten – bestenfalls sowas wie Gewohnheiten. Ich für meinen Teil versuche aber aktiv immer wieder Dinge zu übernehmen, bei denen ich sehe, dass sie mein Partner öfter macht als ich. Selbst wenn es sowas banales ist, wie Mülleimer runterbringen.
Bei manchen Sachen tauschen wir aktiv gegen die Klischees. Ich versuche z.B. alle handwerklichen Dinge mit den Kindern gemeinsam zu machen und der Freund macht der Tochter die Flechtfrisuren oder kocht. 

Marcus: Wenn wir zusammen sind und die Kinder haben – was nicht immer der Fall ist, weil wir getrennt leben – und die Kinder manchmal beim Ex-Partner sind, versuchen wir uns alles zu teilen.

2.    Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

 Marcus: Ich tue mich ehrlich gesagt mit dem Begriff “CareArbeit” schwer. Wir sind halt ein Familienverband von vier Leuten, wo zwei mehr Verantwortung tragen können und wollen als die anderen beiden. Das dann alle Arbeit möglichst gleich aufgeteilt wird, hat den Vorteil, dass die schweren Sachen weniger belasten, die schönen Sachen mehr Spaß machen und man insgesamt mehr Zeit für alles andere hat.
Patricia: Ich weiß gar nicht, ob es um Vorteile geht. Es geht mir v.a. um Gerechtigkeit. Es gibt in der Familienarbeit so vieles, was anstrengend ist. Ich möchte das meinem Partner nicht alleine zumuten und ich möchte auf der anderen Seite auch nicht alleine zuständig sein.
Mir macht ja v.a. der Kleinkram zu schaffen. Zettel aus der Schule unterschreiben, Termine merken, Fingernägel schneiden, überlegen, was man abends isst, Kuchen fürs Kindergartenbuffet backen, an Wechselwäsche denken, rechtzeitig Winterschuhe kaufen etc.
Wenn ich das alles alleine mache, dann beschwert mich das. Diese ganzen Aufgaben zu teilen, die Verantwortung dafür zu teilen, ist sehr wohltuend.

3.    Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

 Marcus: Durch die Patchwork-Situation und weil ich erst relativ spät dazu gekommen bin, fällt es nicht immer einfach, alles genau aufzuteilen. Bei manchen Sachen fällt es schwer gewohnte Muster abzulegen oder sich darauf zu verlassen, dass man jetzt zu viert ist – das gilt in der einen oder anderen Form für alle Beteiligten – die Großen und die Kleinen.
Patricia: Nachteile gibt es in dem Sinne keine. Vielleicht dass ich mich manchmal überwinden muss, Dinge zu tun, auf die ich gar keine Lust habe, wie z.B Auto fahren oder putzen. Aber dann stimmt es mich eben sehr versöhnlich zu wissen, dass mir fast die Hälfte davon erspart bleibt, weil mein Partner, seinen Anteil auch übernimmt.
Schwierigkeiten sehe ich v.a. darin, dass der Alltag ein ständiges Jonglieren und Kommunizieren erfordert.
Das ist manchmal sehr mühsam. Man muss sich absprechen, offen für alternative Lösungen sein. Ich habe oft feste Vorstellungen von gut und richtig und muss dann sehen, dass es viele völlig gleichwertige Umsetzungen gibt. Nur die muss man eben ausdisktieren.
Es ist für mich persönlich Fall weniger Zeit insgesamt da. Das fällt manchmal auf und manchmal schwer, aber stellt sich als Planungs-, Organisations- und Verhandlungssache heraus.

4.    Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Marcus: Zum Teil ist das ja so: Dadurch, dass ich eine eigene Wohnung habe und es zwei Erziehungsberechtigte für die Kinder gibt, ist es für viele Sachen so, dass ich, wenn sie anfallen vielleicht nicht verfügbar sind oder zwar meine Meinung sagen, aber kein letztliches Mitbestimmungsrecht habe.
Patricia: Doch, das wäre total praktisch. Nur leider auch unzumutbar.

5.    Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Marcus: Siehe 4. Was ich noch als schwierig empfinde: Ich kann theoretisch jederzeit sagen “Ich kann heute Abend nicht, ich habe einen Termin”. Ich würde das auch gerne umgedreht anbieten, aber das ist schwieriger realisierbar.
Und ganz konkret: Wäsche waschen wird wohl so lange getrennt bleiben, wie es getrennte Haushalte gibt.
Patricia: Wir haben getrennte Wohnungen. Zu 80% leben wir gemeinsam mit den Kindern in meiner Wohnung. 15% leben wir getrennt und 5% leben wir in der Wohnung meines Partners.
Ich war es sehr gewohnt alles zu machen und mich verantwortlich zu fühlen. Manchmal muss mein Partner sich sehr „aufdrängen“ um seinen Anteil machen zu können. Ich glaube, das ist gelegentlich schwer.
Z.B. wenn ich krank bin. Ich glaube, dann muss man mich fast ins Zimmer sperren, damit ich nicht trotzdem weiter arbeite.
Wenn die Kinder krank sind, dann ist es für mich auch schwer, auszuhalten, dass sie sich bei meinem Partner auch wohl fühlen und gut aufgehoben sind, wenn ich z.B. erwerbstätig arbeite…

6.    Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Patricia: Da wir uns erst vor einigen Jahren kennengelernt haben und die Kinder schon da waren, war unsere Beziehung schon immer mit Kindern.
Auf der anderen Seite haben wir aber auch regelmäßig kinderfrei, weil die Kinder auch bei ihrem leiblichen Vater sind. Die CareArbeit ist so gefühlt von 100% ich auf 65% ich – 35% Partner gegangen.

    7.    Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Marcus: Ja, aber es hat eher dazu geführt, dass wir flexibler planen können, weil die Kinder selbstständiger werden und jetzt beide in die Schule gehen, was die Bringzeiten synchronisiert und -wege verkürzt hat. Ansonsten bin ich erst seit zwei Jahren vorbei – von daher sind die Unterschiede im Gegensatz zu Eltern, die das von Anfang an machen wahrscheinlich marginal.
Patricia: Dass sich die Aufteilung geändert hat, hat bei uns weniger mit dem Älterwerden der Kinder als mit der Lebenssituation an sich zu tun.
Ich merke aber, dass ich bestimmte Kompetenzen habe, die mir mit Babys und Kleinkindern sehr hilfreich waren und dass mir bei älteren Kindern bestimmte Dinge eher schwer fallen, die meinem Partner viel leichter fallen. So z.B. die Hausaufgabenbegleitung. Da werde ich schnell ungeduldig. Ich muss da sehr an mir arbeiten, das nicht auf meinen ruhigen und gelassenen Partner „abzuwälzen“.

    8.    Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann / als Frau?

Marcus: Keine. Es gibt ab und zu generelles Feedback a la “Ihr macht das ja ganz schön zusammen.”, aber mein konkretes Tun wird – außerhalb unserer Familie – eigentlch nicht kommentiert. (Wüsste allerdings auch nicht warum.)
Patricia: Als Frau höre ich oft, was ich für ein Glück mit einem Mann habe, der sich auch um die Kinder kümmert und dann noch um den Haushalt! In der älteren Generation wird mir auch gerne zu Demut geraten oder dass ich doch lieber mal bestimmte Dinge mehr mache, damit mir mein guter Fang nicht wegläuft.
Alles, was ich mache, ist auf der anderen Seite selbstverständlich. Bzw. ich muss mich oft rechtfertigen, warum ich denn unbedingt erwerbstätig sein will.

9.    Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

 Marcus: Eine nahe Freundin hat mir mal zu Verstehen gegeben, dass ich meiner Partnerin sehr gut tue. Ich vermute mal stark, dass das auch mit der Aufteilung unseres gemeinsamen Alltags zu tun hat – das wurde allerdings nicht explizit erwähnt (haben aber die Umstände nahegelegt.)
Patricia: Siehe Frage 8. Positive Reaktionen bekomme ich v.a. von Freundinnen, die ein ähnliches Leben haben – sprich arbeiten und ein paar Kinder großziehen.

10.    Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Marcus: Mir fällt nicht wirklich was ein. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir klar: Als ich noch nicht in einer Beziehung gelebt und keine Kinder gehabt habe, habe ich kein großes Interesse an dem Thema gehabt – ich war ja nur für mich alleine verantwortlich und mir war schon immer klar, dass ich in Beziehungen gleichberechtigt leben will: Ich hatte noch nie Idee, dass automatisch jemand meine Socken wäscht, nur weil wir zusammen sind.
Patricia: Ich würde meinem jüngeren Ich eindringlich von Partnern abraten, die nicht von alleine auf die Idee kommen, dass man sich alles teilt. Eindringlich! Nimm nicht hin, dass du dich für alles verantwortlich fühlst, dass du wie selbstverständlich kochst, wäschst, planst und putzt. Keine Kompromisse in der Hinsicht. Wahrscheinlich wäre ich dann so bis 40 Single geblieben.

11.    Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Marcus:  siehe 12.
Patricia: Rahmenbedingungen, die wirklich eine freie Wahl lassen, ob man erwerbstätig ist oder Hausmann oder –frau. Lohngefälle abbauen. Elternauszeiten gestatten. Lebensarbeitszeit statt Präsenzkult unterstützen. Familienfreundliche Bedingungen in Unternehmen belohnen. Gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Auch gut bezahlte Kinderbetreuung – eine Aufwertung von Care-Berufen und auch eine gezielte Förderung von Männern in Care-Berufen.

12.    Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Marcus: Ich mache es mir mal einfach: Ich wünsche mir, dass beide alles dafür mögliche tun, damit Familien in Zukunft genau das Arbeitsaufteilungsmodell wählen können, dass ihnen gefällt und sie sich nicht in eins hineinfügen müssen, dass ihnen durch Sachzwänge vorgegeben wird.
Patricia: Vorbild sein. Ordentliche Meetingzeiten (zw. 10 und 14 Uhr). Den Blick auf die ganze Lebensspanne richten. Sehen, dass es Zeiten gibt, in denen man viel arbeiten kann und will und dass es Strecken gibt, in denen das nicht möglich ist.
Über kreative Lösungen nachdenken, die gleiche Aufteilung aller Arbeiten ermöglichen.

    13.    Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Marcus:  Weniger Geschichten über andere Männer hören zu müssen, die es als ganz normal ansehen, dass jemand anders die Arbeit macht.
Patricia: Dass er so bleibt und ich das Aushandeln und Kommunizieren immer besser lerne. Dass ich meine Wertschätzung für das was mein Partner tut, ausreichend zum Ausdruck bringen kann und dass ich noch besser lerne Aufgaben abzugeben OHNE mich dabei schlecht zu fühlen (wozu mein Partner am allerwenigsten kann. Da geht es eher um Erziehung und Rollenklischees abschütteln).

Elisa ist 34 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann (34) und zwei Töchtern (die ältere 2 Jahre, die jüngere 6 Monate alt) in Hamburg. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten fest und voll angestellt im Mediensektor.

1.    Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Grundsätzlich machen wir beide alles. Es gibt ganz wenige Ausnahmen bei denen es feste Zuständigkeiten gibt: Stillen mache ich, Kinder-Nägel schneiden und Messer schärfen er, die Nachtschichten bei der Jüngeren ich, die bei der Älteren macht er. Beim Kümmern um Kinderkleidung (aussortieren, neue einsortieren) habe ich die Nase vorne, bei der Kinder-Körperpflege (“Mh, die Kinder könnten man wieder Baden” oder “die Haut ist rau, da cremen wir jetzt) eher er. Aber da sind die Grenzen schon fließend, Wäsche waschen, aufhängen, abhängen und einräumen machen wir beide.
Aktuell bin ich mit unserer Jüngeren in Elternzeit und mache daher mehr zuhause, wenn sie 7 Monate alt wird, übergebe ich das Elternzeitstaffelholz für die zweite Elternzeit-Hälfte an meinen Mann. Bei der Älteren haben wir das schon genauso gemacht.

2.    Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Wir machen das, weil wir beiden auf die meisten der Tätigkeiten nicht so wahnsinnig viel Lust haben. Also muss sich da nicht eine/r alleine drum kümmern. So haben wir beide in etwa gleich viel Zeit übrig für andere Dinge, die uns mehr Spaß machen, dazu zähle ich auch Verwirklichung und Weiterkommen im Beruf. Hier können wir uns beide engagieren.
Da wir beide wissen, was es bedeutet, die Küche aufzuräumen, zusammen mit den Kindern einen Großeinkauf zu machen oder zwei Ladungen Wäsche abzunehmen und wegzuräumen, können wir es beide viel besser wertschätzen, wenn der/die andere es macht. Ich glaube, so sagen wir eher von Herzen: “Danke, super, dass du das gerade gemacht hast” oder haben nach schlechten Nächten und vollen Windeln Mitgefühl für den/die andere/n.
Ein anderer Vorteil ist auch, dass nicht alles zusammenbricht, wenn eine/r mal wegen Krankheit oder privater oder geschäftlicher Reise nicht da ist. Der/die andere kommt dann mit allem gut klar.

3.    Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Ein großer Nachteil ist, dass wir viel mehr absprechen und organisieren müssen. Zum einen, damit alles Notwendige (richtig) passiert und zum anderen, damit die Aufgaben fair verteilt bleiben. Wir haben hierfür verschiedene Hilfsmittel im Einsatz: Im Kinderkleiderschrank ist alles beschriftet, ebenso die Haken im Bad, wir haben unsere Kalender gegenseitig freigegeben und für gemeinsame Termine oder welche der Kinder pflegen wir einen gemeinsamen Kalender, wir pflegen eine gemeinsame Einkaufsliste in einer App, dort haben wir auch einige weitere gemeinsame Listen: Dinge, die wir uns wünschen, wenn mal jemand fragt, oder auch eine Packliste für Reisen mit Kindern. Ein großes Todo-Kanban-Board hängt mit anderen Aufgaben hier rum und wir versuchen ein wöchentliches Weekly davor zu machen um die Todos und nächsten Termine zu besprechen. Wenn wir beide arbeiten, nutzen wir das Weekly auch um abzustimmen, wer an welchem Tag in die Kita bringt oder abholt.

4.    Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Klar, wäre das praktischer, v.a. für die Person, die sich dann um nichts mehr als ihre Erwerbsarbeit kümmern müsste. Aber es würde uns als Paar und als Familie weniger glücklich machen. Und darum geht es doch.

5.    Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Geschlechtsspezifische Stereotype sitzen sehr tief. Daher habe ich bei einigen Dinge schon das Gefühl, dass ich sie eher sehe und auf dem Zettel habe: Geschenke, Mitbringsel, Spielzeug. Aus irgendwelchen Gründen höre und verstehe ich die Kleinkind-Tochter auch besser als mein Mann weshalb ich schon mal schneller auf ihre Wünsche und Bedürfnisse reagiere.
Wenn wir Besuch haben oder bei anderen sind, die sich dann mit um die Kinder kümmern, dann werde viel eher ich angesprochen und entscheide dann auch, bzw. bekomme überhaupt mit, dass es bestimmte Fragestellungen gibt. Z.B. “Wo hast du denn XY in deiner Küche?” Oder “Wir wollen rausgehen, was soll das Kind denn anziehen?” Oder “Wollen wir gegen den Schnupfen XY machen?” Oder “Sollen wir in der Ferienwohnungen Bettwäsche mitbuchen?”.

6.    Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Durch die Kinder ist es vor allem viel mehr CareArbeit geworden. Die faire Aufteilung führt im Moment mit zwei so kleinen Kinder eher weniger dazu, dass wir gleich viel Zeit für Dinge haben, die Spaß machen, sondern, dazu, dass es nicht eine CareArbeits-Person gibt, die ständig am Nervenzusammenbruch und der totalen Erschöpfung agiert. Daran, dass die Kinder nicht zu einer Umverteilung von CareArbeit führen, arbeiten wir intensiv und stetig.

7.    Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

So alt sind die Kinder noch nicht, dass sich diese Frage stellt. Interessant ist aber zu sehen, dass es schwerer ist, sich um das zweite Kind hälftig zu kümmern, weil ja das erste noch da ist und wir ganz schnell und ganz oft den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind: Mama (und v.a. ihre Brüste) das jüngere und Papa das ältere Kind. Hoffentlich bügelt die Elternzeit meines Mannes das wieder aus.

8.    Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/Frau?

Wenn ich von der hälftigen Aufteilung der Elternzeit erzähle (das ist ja auch das prägnanteste), dann sagen eigentlich immer alle “Toll, dass das bei deinem Mann geht”. Und da sage ich immer, dass das ein Rechtsanspruch ist und, dass der Arbeitgeber meines Mannes nicht gerade begeistert war. Aber, wenn wir mal ehrlich sind, war mein Arbeitsgeber das auch nicht, als ich von meiner anstehenden Elternzeit erzählt habe. Elternzeit ist eben nicht karrierefördernd, weder für Väter noch für Mütter.
Was ich dann noch manchmal denke, ist, schade, dass niemand sagt, dass das toll ist, dass ich mich um jede meiner Töchter jeweils sieben Monate mehr oder weniger alleine kümmere.

9.    Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Vor der Geburt meiner ersten Tochter haben verschiedene Leute, und darunter am hartnäckigsten ein kinderloser männlicher Single und ein Vater, dessen Frau zuhause den ganzen Laden schmeißt, mir abgesprochen, dass ich zu dem Zeitpunkt entscheiden konnte, dass ich sieben Monate nach der Geburt wieder voll in meinen Beruf einsteigen will. Die beiden, und andere, wussten sehr genau, was ich dann “als Mutter” will und, dass das nicht arbeiten sein wird, war ihnen völlig klar. Das fand ich schon ziemlich übergriffig.
Bei positiven Reaktionen ist es so, dass sich ein bestimmtes Gespräch oft wiederholt. Wenn ich älteren Müttern, die inzwischen mit (fast) erwachsenen Kindern wieder voll im Beruf sind, sei es Kolleginnen, einer Krankengymnastin oder einer Busbekanntschaft, von unserer Aufteilung erzähle, dann sagen sie immer, wie toll das ist und wie richtig wir das machen. Und während gleichaltrige Mütter häufig tolle Begründungen parat haben, warum ihre Männer das so nicht könnten, berichten diese älteren Mütter zum einen, wie hart das ist, sich alleine zu kümmern, und zum anderen wie sehr sich die Väter ihrer Kinder (oft sind das auch nicht mehr die eigenen Männer) vor dieser Verantwortung gedrückt haben. Das bestärkt mich in unserer Entscheidung.

10.    Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Reden, reden, reden. Alles genau beobachten (wer macht was? Was “muss” gemacht werden?) Alles in Frage stellen und immer wieder drüber reden.

11.    Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Familien mit Kindern zu fördern sollten so umgestaltet werden, dass sie nicht das Versorgermodell bevorzugen. Das heißt unter Anderem Abschaffung des Ehegattensplittings zugunsten eines Familiensplittings.
Dann gibt es noch ein paar Ziele für die passende Maßnahmen erdacht und umgesetzt werden müssten: Beide Eltern kleinerer Kinder sollten ohne Karriere- oder Geldeinbußen (letzteres v.a. Im Bereich der s.g. Geringverdiener) nicht mehr als 30 h/Woche arbeiten müssen, klassische “Frauenberufe” müssen besser bezahlt werden, Elternzeit beider Eltern muss auch bei Familien möglich sein, bei denen nicht beide ganz gut und geregelt verdienen (Stichwort: Selbstständige, Stipendiaten, Geringverdiener/innen, ungleiche Gehaltsverteilung innerhalb der Partnerschaft).

12.    Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Medienschaffende und Werbetreibende mögen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und damit aufhören antiquierten geschlechtsstereotypen Quatsch zu verbreiten. Kein Mensch braucht noch eine Werbung in der Mama Mann und Kinder bekümmert, stattdessen brauchen wir mehr Bilderbücher für Kleinkinder in denen auch ein Tierpapa sein Kind tröstet.

13.    Was wünschst Du Dir konkret für  Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Ich wünsche mir, dass es ein bißchen weniger CareArbeit in unserer Kleinfamilie wird, z.B indem die Kinder durchschlafen oder die Ältere sich dazu durchringt in die Toilette statt in die Windel zu machen 😉