9

Im vergangenen Jahr haben wir den Equal Care Day ins Leben gerufen - Tag für mehr Wertschätzung und eine faire Verteilung der Fürsorgearbeit. Der 29. Februar ist das passende Datum, um in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen im privaten wie im beruflichen Bereich 80 % der Care-Arbeit leisten in Deutschland. Deshalb der Schalttag, weil Männer eben viermal so lange brauchen, um dasselbe Fürsorgepensum zu erfüllen.

Auch wenn viele andere seit Jahren darüber schreiben und sich engagieren, dieser eklatante Missstand ist längst nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Und die Berichterstattung im vergangenen Jahr zeigte, dass vielen gar nicht klar war, was Care-Arbeit im Detail bedeutet - anders als gern assoziiert wird, ist es eben nicht nur "das bisschen Haushalt", sondern dahinter verbirgt sich eine grundlegend andere Definition von Arbeit: sie zählt nicht erst dann, wenn sie mit Geld honoriert wird!

Mit viel politischer, medialer und persönlicher Unterstützung konnte sich der Equal Care Day etablieren, viele haben mit einem Statement beigetragen. Auch in diesem Jahr wird er wieder zum Anlass genommen, um den Stellenwert von Care und Fürsorge-Arbeit zu diskutieren, zum Beispiel am 28. Februar in Frankfurt, 18 Uhr: "Equal Care Day 2017: Ihr nennt es Liebe, wir nennen es unbezahlte Arbeit"

Die sogenannten "Neuen Väter"

Kinderküche im Spielwarenkatalog von jako-o 2016

Die politischen Debatten um den Ausbau von Kinderbetreuungsstrukturen, über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kreisen nach wie vor um die Mütter, deren Schwierigkeiten und ihre, wie immer wieder suggeriert wird, überzogenen Wunschvorstellungen. Immerhin wird hier diskutiert und in Frage gestellt. Im Gegensatz dazu werden beispielsweise in der Werbung gerade jene Rollenklischees reproduziert, die wir doch eigentlich überwinden wollen. Und viele glauben, das sei doch längst geschehen: "Da sind wir heutzutage doch viel weiter!".

.

Väter sind in dieser Rolle weiterhin so selten, dass sie als sogenannte "neue Väter" unverhältnismäßige Aufmerksamkeit und Anerkennung ernten für Tätigkeiten, die viele berufstätige Mütter schon immer selbstverständlich erledigen, erledigen müssen. Würden doch Alleinerziehende nur einen Bruchteil der Wertschätzung erfahren, mit dem die beiden Spitzenväter in Berlin bedacht wurden oder Sigmar Gabriel für seinen freien Mittwoch, oder Papa, wenn er einfach mal wieder kocht …

Wenn er nur "mithilft"…

Meist verrät schon der Sprachgebrauch die verbreiteten Denkmuster: Sie übernimmt den Großteil der Care-Arbeit, er "hilft" ihr dabei. Doch Equal Care sieht anders aus!

Equal Care hat in Deutschland keine Tradition, keine Lobby und auch Anerkennung gibt es dafür eher selten. Wenn sich Paare, Menschen, WGs oder Familien zusammenschließen und Equal Care leben, betreten sie gemeinsam und alle für sich Neuland. Da gibt es keine Vorbilder, keine Ratgeberinnen und insbesondere die eigenen Eltern sind da nur selten Hilfe und Unterstützung. Mit wem spricht man, tauscht sich aus, wer hat Tipps? Die eigene Rolle zu finden beim Thema Equal Care ist deshalb oft mit Trial and Error verbunden. Oder um es mit den Worten von Samuel Beckett zu sagen:

Ever tried, ever failed, no matter.

Try again, fail again, fail better.

Was beim Feiern der tollen neuen Väter zu kurz kommt, ist der gemeinschaftliche Ansatz, ohne den Equal Care gar nicht möglich wäre. Und genau deshalb versammeln wir hier und anlässlich des zweiten Equal Care Days Portraits von Menschen, die Equal Care leben, die erzählen von den Schwierigkeiten, aber auch von den tollen Momenten und dem Gewinn, den diese Art der Arbeitsteilung bringt, für alle Beteiligten. Sie liefern die Stimmen, von denen die aktuelle OECD-Studie "Dare to Share" ("Wage es, zu teilen") berichtet:

Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen sind subjektiv zufriedener mit ihrem Leben sowie physisch und psychisch gesünder als weniger engagierte Väter. Müttern eröffnet EqualCare bessere berufliche Möglichkeiten, was wiederum ihre Rente verbessert, ihre finanzielle Unabhängigkeit und familiäre Finanzlage!

 

Viele Grüße und viel Kraft für all die unsichtbare Arbeit wünscht

Das Equal Care Day - Team

Sascha Verlan und Almut Schnerring

----------------

Equal Care Porträts zum Equal Care Day 2017

(Rückblick zu unserem Aufruf zu Beginn des Jahres)

 

Alu und Konsti … leben mit ihren drei Kindern in Berlin.

 

Roland … lebt und arbeitet als Journalist und Social-Media-Redakteur in München. Mit Veronika hat er zwei Kinder. Ohne EqualCare ginge bei ihnen gar nix.

 

Dagmar … aus Hannover, arbeitet Teilzeit als Referentin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Sie lebt getrennt von Thomas, mit dem sie zwei Kinder hat.

 

Stefanie und Tobias … leben mit ihren beiden Kindern in Berlin.

 

 

Elisa … lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Hamburg. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten fest und voll angestellt im Mediensektor.

 

 

Jochen König

Jochen …  ist Autor und lebt in Berlin. Seine Kinder leben jeweils etwa zur Hälfte mit ihm in einem Haushalt und zur anderen Hälfte bei ihren jeweiligen Müttern.

 

Claudia… wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Süddeutschland. Sie leben kein Equal Care, passen damit zwar nicht in die Reihe, aber zum Thema.

 

Almut und Sascha … arbeiten und leben als freiberufliches JournalistInnen- und AutorInnen-Team mit ihren drei Kindern in Bonn.

 

Carin … lebt mit ihrem Partner und zwei kleinen Kindern in einer Kleinstadt in Deutschland

 

Patricia und Marcus … die Projekt-Managerin und Bloggerin und der Radiojournalist leben mit zwei Schulkindern in Berlin

 

Kerstin … arbeitet als freiberufliche Regisseurin und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg.

 

Frau und Herr Rabe … die Doktorandin in Molekularer Medizin und der Softwareentwickler leben mit ihren beiden Kindern in Trondheim, Norwegen

 

 

Julie … mit Leander und ihren 3-jährigen Zwillingen.

.

 

…und es werden mehr:

Bloggerinnen und Blogger über ihren Equal Care Alltag

 

  • Paul und Juliane auf herrpaul_ mit 3 Kindern unter 2 Jahren

----------------

  • Tina Groll über den Equal Care Day bei chefin.de
  • .

----------------

Wer unseren Aufruf Anfang des Jahres gelesen hat und über die Aufteilung von Familienarbeit und Equal Care gebloggt hat

- bitte sehr gerne hier in den Kommentaren verlinken - Dankeschön! 🙂

 

.

Nach dem Equal Care Day ist vor dem Equal Care Day

Am 29.2.2016 fand der erste Equal Care Day statt. Was mit einer kleinen Rechnung, einem beiläufigen Kommentar auf einem Vortrag begann: "80% der Carearbeit übernehmen Frauen, 20% Männer? Dann brauchen Männer ja viermal so lange?!", hat sich innerhalb von wenigen Wochen zu einer Kampagne entwickelt. Viele haben sich mit einem Statement zum Thema Equal Care beteiligt und so dazu beigetragen, dass aus einer Idee tatsächlich ein Gedenktag wurde.

Nachlese

Der Equal Care Day hat ein so großes Medienecho ausgelöst, dass der Tag schon jetzt als etabliert gelten kann. Es gab Berichte und Interviews, die seine Existenz gar nicht infrage stellten, sein Entstehen nicht weiter thematisierten, sondern den Equal Care Day direkt zum Anlass nahmen, um auf die Misstände im Pflegebereich hinzuweisen, auf die Geringschätzung von Sorgetätigkeiten insgesamt und ihre Zuweisung an Frauen, weltweit.

Vielen Dank an alle, die uns den Tag über im Internet begleitet haben, für Retweets, Likes und die Verbreitung der Idee unter dem Hashtag #equalcareday. Außerdem haben viele Blogger*innen den Tag zum Anlass genommen, um über Ihre Erfahrungen zu Equal Care zu schreiben, sie sind >hier< versammelt. (Wen wir übersehen haben, schickt uns gerne Links, damit wir sie mit aufnehmen.)

Dank

Besonders nahelegen wollen wir Ihnen/Euch den Podcast der Sendung Abendrot des SR, dort hatten wir den Rahmen und die Zeit, um ausführlicher zu erzählen, welche Anliegen wir mit dem Tag verknüpft sehen.

Und nicht zuletzt ein Dank an alle, die sich schon so lange vor uns für die Themen #CareArbeit und #EqualCare engagieren:

(1'48-Ausschnitt aus dem Gespräch beim SR)

Und jetzt?

Alle, die weiter auf dem Laufenden bleiben möchten über das Thema Equal Care, laden wir ein, sich in unseren Newsletter einzutragen. 

Infos per Mail zu EqualCare(Day) und Wertschätzung von CareArbeit:

Wir wollen nun den Schwung und das Interesse an diesem ersten Mal mitnehmen und nutzen die Zwischenzeit, um Ideen zu sammeln und Mitstreiter*innen zu finden für einen Equal Care Day 2020.  (Da der erste schon über Deutschlands Grenzen hinaus wahrgenommen wurde, wird der erste Schritt sein, die Idee ins Englische zu übersetzen 🙂 ) update 7.3.: ist schon passiert, siehe >hier<

Einladung nach Bonn

Zum Schluss wollen wir auf zwei Veranstaltungen mit uns in Bonn hinweisen und herzlich einladen zum Austausch über die Ursachen des Care Gap:

8. März, am Weltfrauentag:

Vortrag mit Disskussion ab 19:30 - zum Veranstalter >klick<

11. März:

Workshop von 10 - 14h im Geburtshaus Bonn zur Rosa-Hellblau-Falle >klick<

Alles Gute und viele Grüße !

Das Equal-Care-Day-Team

292-EqualCareday500

 

… und damit geht diese Seite an den Start. Sie versammelt die Unterstützerinnen und Unterstützer des ersten Equal-Care-Day 2016. Sie alle haben sich mit einem Statement beteiligt und unterstützen unsere Forderung nach mehr Wertschätzung und fairer Verteilung von Care- und Fürsorgearbeiten. (Mehr unter "Die Idee…")

292-EqualCareday500