… arbeiten als freiberufliches Journalist*innen- und Autor*innen-Team mit Wort und Klang und versuchen immer wieder neu, die Arbeit rund um ihre drei Kinder, um Küche, Krankheit und Kloputz genauso fair aufzuteilen wie ihre Erwerbsarbeit.

 

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Almut: Zuständigkeiten weniger, aber Routinen, die sich im Lauf der Jahre entwickelt haben. Und die wir immer wieder infrage stellen, vor allem, wenn uns mal wieder alles über den Kopf wächst, und wir empört sind, wie groß ein Wäscheberg in drei Tagen anwachsen kann oder, dass sich die Küche nicht wenigstens dann über Nacht von selbst aufräumt, wenn Eltern krank werden.
Sascha: Wer was im Haushalt übernimmt, ist ja immer auch eine Botschaft an die Kinder. Almut kümmert sich um die Wäsche, aber das Entscheidende ist, sie kümmert sich darum, dass alle was Warmes zum Anziehen haben, wenn der Herbst kommt. Und sie kümmert sich um Geburtstage und Geschenke. Da bin ich nicht gut und immer auf den letzten Drücker. Das sind zum Teil also auch heftige Rollenklischees, die wir da weiter geben. Aber beide alles machen, geht einfach nicht ohne bedingungsloses Grundeinkommen. Und eigentlich ist es ja egal, was ich als Mann in der Familienarbeit übernehme, eigentlich ist das ja alles untypisch 😉
Almut: Sascha hat dafür seit ein paar Jahren das Kochen und den Lebensmitteleinkauf fast komplett übernommen, was ich dankbar und erleichtert angenommen habe.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Almut: Es ist uns nie anders in den Sinn gekommen. Wir sind im Studium zusammengezogen und es passt nicht zu meinem Verständnis von Partnerschaft, dass sich eins nach Feierabend hinsetzt, während er oder sie noch "das bisschen Haushalt" wuppt.
Sascha: in der kleinen Wohnung, die wir damals hatten, gab es ja auch nicht so viel zu tun. Am Anfang waren wir oft in der Mensa und haben dann irgendwann angefangen, uns gegenseitig zu bekochen. Es hat sich richtig angefühlt, gab keinen Streit, ich bin da so reingewachsen. Dass der Haushalt zu einer lästigen Aufgabe wurde, das kam eigentlich erst mit den Kindern. Und da hilft es zu wissen, dass ich mich um bestimmte Dinge einfach nicht kümmern muss. Ich hab viele Teller gleichzeitig am Rotieren, Kleidung z.B. gehört nicht dazu, das ist gut. Das heißt nicht, dass ich mich nicht auch kümmern würde, aber ich muss nicht und muss dann auch kein schlechtes Gewissen haben.

 

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Sascha: Da wir uns für die meisten Bereiche gleich zuständig fühlen, machen wir uns auch über Dinge doppelt Gedanken, die das gar nicht wert sind. Ohne Kommunikation geht gar nichts, es braucht mehr Übergaben und den anderen auf-den-Stand-bringen. Und da hinterher zu sein, ist manchmal anstrengend.
Almut: Zum Beispiel wenn ich morgens einem der Kinder (dem, das zur Zeit ausprobiert, ob es unsere Zeitansagen nicht ausdehnen kann ☺) sage, wann es zuhause zu sein hat, und Sascha aber schon im Büro sitzt, und das nicht mitbekommt. Dann ahnt man schon, dass das natürlich der Tag ist, an dem ich abends länger arbeite und Sascha die Tür aufmacht, wenn das Kind dann eine Stunde später als verabredet zurückkommt. Einerseits unwichtig und nur ein kleiner, glücklicher Moment fürs Kind, wenn ich das gar nicht erfahre. Andererseits doch wichtig, wenn es am nächsten Tag noch ein bisschen später kommt, so dass wir schon wieder unsere Erziehungsmaßnahmen diskutieren.

 

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Almut: Das mag praktischer sein, aber da keins von uns glücklich damit wäre, den Alltag ohne Beruf oder mit nur wenig Kinderzeiten zu verbringen, stellt sich die Frage gar nicht. Ich bin froh, dass wir beide einen Beruf haben, den wir sehr gerne machen, dass wir beide gerne unsere Zeit mit den Kindern verbringen und deshalb dankbar, dass wir uns die ungeliebten Aufgaben im Haushalt halbieren können.
Sascha: Die klassische Aufteilung jedenfalls käme für mich nicht infrage. Zumal ich weiß, dass die Mehrheit der Väter, die heute in Rente sind, bedauern, zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben. Das möchte ich nicht nachleben.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Sascha: Das sind natürlich immer die unplanbaren Dinge, Krankheit, ein zusätzlicher Auftrag, den wir nicht ablehnen wollen und können, ein Job, der doch viel mehr Zeit braucht als vorgesehen. Dann geht es schon mal drunter und drüber, und dann ist es auch nicht mehr gerecht. Aber da das Pendel mal auf die eine, mal auf die andere Seite ausschlägt, ist das schon okay so.
Almut: Equal Care ist für uns ja auch keine objektive Angelegenheit mit Stechuhr und Rechenschaftsbericht. Wenn Sascha mal wieder länger in der Küche steht und unbedingt Apfelmus selbst machen möchte oder Brot oder Marmelade… irgendwann geht es eben auch ins Hobby über und ist nicht mehr Teil der Abmachung.
Sascha: Vielleicht sollten wir die Aufgabenbereiche doch umkehren, also gerade nach Abneigung die Zuständigkeiten aufteilen, dann wären wir sicher schneller fertig mit dem bisschen Haushalt.
Almut: Heißt dann aber auch mit mehr Fertiggerichten, mehr Müll und Kleidern vom Discounter, oder? Und das kann es ja dann auch nicht sein.

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Almut: Weil es ohne Kinder so viel weniger zu tun gibt in einem Haushalt, weil jetzt so viel explodiert, kaum dass man den Blick abwendet, deshalb braucht es viel mehr Absprachen. Wir reden also sehr viel mehr darüber. Und weil die Kinder zunehmend mit einbezogen werden, gibt es auch Listen und Pläne, die (von den Kindern gern boykottiert werden und) immer wieder angepasst werden müssen.

 

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Sascha: Na ja, wenn die Kinder klein sind, dann sind es einfach die Eltern, die alle Care-Arbeiten übernehmen. Jetzt sind unsere Kinder in einem Alter, wo sie selbst viele Aufgaben übernehmen können und sollen. Jetzt stehen wir gerade vor der Aufgabe, wie wir unsere Kinder einbeziehen können in unser Konzept von Equal Care. Und die würden sich momentan natürlich lieber für ein anderes Modell entscheiden … und erleben es tatsächlich auch oft in anderen Familien, dass auch größere Kinder da vom Tisch aufstehen und sich bedienen lassen. Wäsche waschen, Spülmaschine, auch Kochen und Putzen, all die Tätigkeiten wollen wir natürlich auch unseren Kindern beibringen und sie einbeziehen. Denn wenn sie das alles gar nicht oder nur rudimentär lernen, dann können sie sich später gar nicht wirklich für oder gegen Equal Care entscheiden.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/Frau?
Sascha: Als Almut mal über mehrere Tage ein Seminar in Stuttgart gab, staunte eine Bekannte, dass meine Frau mich einfach so alleine lässt, bei sowas sei sie ja nicht so emanzipiert. Und als die Kinder kleiner waren, bekam ich in solchen Situationen öfter mal Hilfe angeboten, falls ich mit den Kindern alleine nicht klar käme.
Almut: Mir dagegen hat noch nie eine Bekannte Hilfe angeboten, weil Sascha 3 Tage weg ist. Aber es gibt auch FreundInnen, die sagen "Toll, dass Ihr das zusammen so gut hinbekommt, ist ja erstaunlich, was Ihr alles auf die Beine stellt". Das freut uns dann, wenn uns andere auch als Team sehen.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Almut: Es hat sehr lange gedauert, bis unsere Eltern und Bekannten uns abgenommen haben, dass tatsächlich nicht ich, sondern Sascha für die Küche zuständig ist. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Fragen nach "meinem Herd" oder zu irgendwelchen Zubereitungsmethoden an Sascha weitergeleitet habe. Und wenn andere meinen Mann loben, dass er sich so einbringt, finde ich das auch nicht besonders nett, denn ich bringe mich schließlich genauso ein, aber darüber muss ja leider kein Wort verloren werden, da das für eine Mutter sowieso selbstverständlich ist.
Sascha: Die krasseste Erfahrung war schon immer wieder, als die Kinder noch kleiner waren, und sich zum Spielen bei uns verabredet hatten, die Überraschung und dann auch das Unbehagen zu spüren, das manche Mütter mit Blicken oder Worten ausdrücken, wenn sie erfahren, dass sie jetzt ihr Kind ja in meine Obhut geben und meine Frau nicht da ist. Es ist eben längst noch nicht normal und gewohnt, dass Väter sich nachmittags um die eigenen Kinder und deren Besuch kümmern.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Almut: Ich habe Glück gehabt. Wenn ich sehe, wieviele Jobs es gibt, wieviele ArbeitgeberInnen, die diese Aufteilung schwer machen, dann ist mir das im Rückblick manchmal etwas unheimlich, denn im Studium habe ich mir keine Gedanken gemacht, ob das, was ich mir vornehme, später einmal mit Familie gut zu vereinbaren sein wird. Deshalb würde ich mir mit auf den Weg geben: bleib in keiner Partnerschaft und in keiner Berufsbeziehung stecken, in der die Aufteilung von Care-Arbeit nicht für beide ein wichtiges Thema ist und sprich es öfter an, um nicht von Zufällen und Glück abhängig zu sein.
Sascha: Ich hatte noch Handarbeit in der Schule. Ich hab häkeln und stricken gelernt, hab mir mit Anfang 20 selbst Hosen genäht, angefangen zu kochen. Wir haben Obst, Gemüse und Kräuter im Garten. Wie das kam, weiß ich im Einzelnen gar nicht mehr, aber dieses Gefühl, für mich und meine Familie sorgen zu können, nicht mittelbar durch Geld, sondern unmittelbar, das ist gut. Da werde ich meine Kinder, gerade auch unseren Sohn unbedingt unterstützen, dass sie das können, für sich selbst sorgen, putzen, waschen, kochen, diese Grundfähigkeiten und -fertigkeiten des Lebens, unabhängiger zu sein von den industriellen Vorgaben, das finde ich wichtig.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Beide: In der ganzen Debatte geht es uns viel zu sehr um den Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, damit auch die Mütter (!) ihre beruflichen Wünsche und Karrieren leben können. Und was ist mit den Kindern? Equal Care heißt ja nicht, alle Betreuungs-, Haushalts- und Pflegeaufgaben zu delegieren an Nannys, Putzperlen und die polnische Lösung, also an andere Frauen. Was wir wirklich brauchen, sind Arbeitszeitmodelle, eine Wirtschaftsstruktur, die es für alle Beteiligten möglich machen würde, Familie und Beruf zu leben und sich frei für ein partnerschaftliches Modell zu entscheiden oder eben auch nicht. Das soll ja kein Zwang sein, aber eine wirklich freie Wahl gibt es im Moment nicht.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Sascha: Ich denke da vor allem an Werbung und Medien, gerade auch an die fiktionalen Darstellungen. Im Film ist das einfach überhaupt kein Thema. Da gibt es den 'idiot dad', der gar nichts auf die Reihe bekommt oder den Vater, der viel zu spät merkt, wie sehr er seine Familie vernachlässigt hat, und dann alles daran setzt, alles wieder gut zu machen. Aber wie genau er das dann umsetzt, das zeigt der Film nicht, weil mit der happy Familienzusammenführung hört der Film ja dann auf. Das liegt sicher daran, dass das Filmgewerbe nicht gerade zu den Arbeitsfeldern gehört, in dem Equal Care gelebt werden kann, vor allem aber scheint es den Verantwortlichen wohl einfach kein Thema, weil langweilig, spießig, was auch immer. Dabei ist Equal Care doch ein einziges Dilemma, ein fortwährender Kampf, ein echt aristotelisches Hollywood-Thema, finde ich.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Sascha: Ich mag die Rechtfertigungen nicht mehr hören. Es müssen ja nicht alle so machen, aber es wäre toll, wenn da öfter eine klare Entscheidung dahinter stünde, dafür oder dagegen. Stattdessen werden so oft äußere Gründe vorgeschoben, warum was nicht geht. Wer etwas wirklich will, findet Wege, und wer etwas nicht will, findet Gründe ¯\_(ツ)_/¯
Almut: Ich will weder stolz sein, noch mich rechtfertigen müssen für unsere Aufgabenteilung, ich wünsche mir einfach, dass das bald normal wird. Keine Sprüche mehr von wegen: "Ja, ihr als Selbständige, ihr könnt das machen, aber … ", und ganz konkret wünsche ich mir ein bedingungsloses Grundeinkommen 🙂

 

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Jochen König ist Autor und lebt mit seinen Töchtern in Berlin.

Jochen König

Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Meine Kinder leben jeweils etwa zur Hälfte mit mir in einem Haushalt und zur anderen Hälfte bei ihren jeweiligen Müttern. Wir haben eine feste Aufteilung, die sich alle 14 Tage wiederholt. Sind die Kinder bei mir, bin ich für alles alleine verantwortlich. Die Mütter in ihren Haushalten ebenfalls. Die Kinder haben jeweils zwei voll eingerichtete Kinderzimmer. Das bedeutet, dass wir die alltägliche Care-Arbeit zwangsläufig zu annähernd gleichen Teilen aufteilen. Wenn ein Kind krank wird, bleibt die Person zuhause, bei der sich das Kind gerade aufhält. Und auch die unregelmäßigen, nicht an einen Haushalt gebundenen Aufgaben (Winterjacke, Schuhe, Hausschuhe für die Kita besorgen, Arzttermine, Elternabende, größere Anschaffungen wie Kinderwagen/Laufrad/Fahrrad) teilen wir uns so gut es geht.

Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Alle Elternteile in unserer Familie wollen Zeit mit Kind verbringen. Alle Elternteile haben aber auch noch Interessen darüber hinaus, gehen Arbeiten oder freuen sich auch mal darüber, in Ruhe ausschlafen zu können. Durch unsere Aufteilung haben wir alle ein enges Verhältnis zum Kind bzw. zu den Kindern. Die Belastungen, zu denen unruhige Nächte genauso gehören wie beispielsweise finanzielle Ausgaben, werden in unserer Familie auf viele Schultern verteilt.

Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass wir uns gemeinsam für diese Aufteilung entschieden haben. Eine solche Aufteilung wie in unserer Familie benötigt viel Kommunikation, Verständigung und Kontakt. Das kann nur funktionieren, wenn wir alle gut miteinander auskommen. Die Aufteilung ist darüber hinaus in unserer Familiengeschichte historisch gewachsen, ich habe beispielsweise früher wesentlich mehr Zeit mit meiner großen Tochter verbracht und wir sind auf Wunsch vieler bzw. mit Zustimmung aller Beteiligten zu unserer jetzigen Aufteilung gekommen. Die Aufteilung wurde also zu keinem Zeitpunkt irgendwie entgegen vorheriger Praxis von außen verordnet. Ich möchte vor allem deshalb so deutlich darauf hinweisen, weil viele Männerrechtler gegen den Willen des anderen Elternteils für eine 50/50-Aufteilung streiten, obwohl es eine solche Aufteilung in der Familie vor der Trennung bzw. niemals vorher einvernehmlich gegeben hat. Ich glaube nicht, dass eine solch verordnete 50/50-Aufteilung gerecht ist, funktionieren kann und ich glaube auch nicht, dass ein solcher Kampf im Sinne des Kindes ist.

Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Wir müssen alle viel miteinander kommunizieren. Das ist manchmal mühsam und eine zusätzliche Belastung im sowieso nicht immer stressfreien Alltag. Durch die unterschiedlichen Haushalte kommt es auch immer mal zu der Situation, dass der aktuelle Lieblingspullover oder das aktuelle Lieblingsspielzeug gerade nicht da ist. Bei besonders wichtigen Dingen ist es zwar ein kleiner Aufwand aber auch problemlos möglich, schnell etwas beim anderen Teil der Familie abzuholen oder vorbei zu bringen.

Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder? Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Unsere gemeinsamen Care-Aufgaben sind erst durch die gemeinsamen Kinder entstanden. Die anfallenden Aufgaben ändern sich immer wieder, es entstehen neue Aufgaben, manche gewinnen, andere verlieren mit der Zeit an Bedeutung – nicht nur durch das Älterwerden der Kinder. Damit die Aufteilung nicht in Frage gestellt wird, müssen alle immer die (neuen) Aufgaben im Kopf behalten, für die alle zuständig sind und die nicht an einen Haushalt gebunden sind, und sich eigenständig kümmern, ohne extra darum gebeten werden zu müssen. Damit die grundsätzliche Aufteilung beibehalten werden kann, müssen alle auch beispielsweise bei einem Jobwechsel, immer darauf achten, dass der neue Job kompatibel mit unserer Aufteilung und den Abholzeiten von Kita und Schule ist.

Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann?

Mein Engagement als Vater wird von allen Seiten bejubelt. Ständig klopft mir irgendwer auf die Schulter und sagt mir, wie toll es ist, dass ich mich als Vater so viel kümmere, während gleiche Tätigkeiten von Frauen noch immer als selbstverständlich wahrgenommen werden.

Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Besonders als Mann/Vater ist es wichtig, sich von Beginn an um die anfallenden Aufgaben zu kümmern. „Equal Care“ würde ich dabei gar nicht unbedingt als Richtwert vertreten wollen. Wichtiger als eine gleiche Aufteilung der Arbeit finde ich, die Bandbreite der Entscheidungsmöglichkeiten für alle Beteiligten möglichst groß zu gestalten.

Ich wäre bei meinem ersten Kind mit einer 50/50-Aufteilung gar nicht glücklich gewesen. Und die Mutter ebenfalls nicht. Ich glaube, dass Väter bereit sein müssen, auch mehr als die Hälfte der Care-Arbeit zu erledigen. Erst dann hat die Mutter überhaupt die Möglichkeit, sich auch für eine Übernahme der Hälfte der Aufgaben zu entscheiden oder wie in unserem Fall für weniger als die Hälfte. Wofür sie sich entscheidet ist dabei weniger wichtig, als überhaupt eine Wahlmöglichkeit zu haben. In unserem Fall haben wir uns gemeinsam entschieden, dass unser Kind zu mir zieht und ich die große Mehrheit der Care-Aufgaben übernehme. Nach mittlerweile siebeneinhalb Jahren hat sich unsere Aufteilung nun zu einer annähernden 50/50-Aufteilung entwickelt.

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Im vergangenen Jahr haben wir den Equal Care Day ins Leben gerufen - Tag für mehr Wertschätzung und eine faire Verteilung der Fürsorgearbeit. Der 29. Februar ist das passende Datum, um in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen im privaten wie im beruflichen Bereich 80 % der Care-Arbeit leisten in Deutschland. Deshalb der Schalttag, weil Männer eben viermal so lange brauchen, um dasselbe Fürsorgepensum zu erfüllen.

Auch wenn viele andere seit Jahren darüber schreiben und sich engagieren, dieser eklatante Missstand ist längst nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Und die Berichterstattung im vergangenen Jahr zeigte, dass vielen gar nicht klar war, was Care-Arbeit im Detail bedeutet - anders als gern assoziiert wird, ist es eben nicht nur "das bisschen Haushalt", sondern dahinter verbirgt sich eine grundlegend andere Definition von Arbeit: sie zählt nicht erst dann, wenn sie mit Geld honoriert wird!

Mit viel politischer, medialer und persönlicher Unterstützung konnte sich der Equal Care Day etablieren, viele haben mit einem Statement beigetragen. Auch in diesem Jahr wird er wieder zum Anlass genommen, um den Stellenwert von Care und Fürsorge-Arbeit zu diskutieren, zum Beispiel am 28. Februar in Frankfurt, 18 Uhr: "Equal Care Day 2017: Ihr nennt es Liebe, wir nennen es unbezahlte Arbeit"

Die sogenannten "Neuen Väter"

Kinderküche im Spielwarenkatalog von jako-o 2016

Die politischen Debatten um den Ausbau von Kinderbetreuungsstrukturen, über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kreisen nach wie vor um die Mütter, deren Schwierigkeiten und ihre, wie immer wieder suggeriert wird, überzogenen Wunschvorstellungen. Immerhin wird hier diskutiert und in Frage gestellt. Im Gegensatz dazu werden beispielsweise in der Werbung gerade jene Rollenklischees reproduziert, die wir doch eigentlich überwinden wollen. Und viele glauben, das sei doch längst geschehen: "Da sind wir heutzutage doch viel weiter!".

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Väter sind in dieser Rolle weiterhin so selten, dass sie als sogenannte "neue Väter" unverhältnismäßige Aufmerksamkeit und Anerkennung ernten für Tätigkeiten, die viele berufstätige Mütter schon immer selbstverständlich erledigen, erledigen müssen. Würden doch Alleinerziehende nur einen Bruchteil der Wertschätzung erfahren, mit dem die beiden Spitzenväter in Berlin bedacht wurden oder Sigmar Gabriel für seinen freien Mittwoch, oder Papa, wenn er einfach mal wieder kocht …

Wenn er nur "mithilft"…

Meist verrät schon der Sprachgebrauch die verbreiteten Denkmuster: Sie übernimmt den Großteil der Care-Arbeit, er "hilft" ihr dabei. Doch Equal Care sieht anders aus!

Equal Care hat in Deutschland keine Tradition, keine Lobby und auch Anerkennung gibt es dafür eher selten. Wenn sich Paare, Menschen, WGs oder Familien zusammenschließen und Equal Care leben, betreten sie gemeinsam und alle für sich Neuland. Da gibt es keine Vorbilder, keine Ratgeberinnen und insbesondere die eigenen Eltern sind da nur selten Hilfe und Unterstützung. Mit wem spricht man, tauscht sich aus, wer hat Tipps? Die eigene Rolle zu finden beim Thema Equal Care ist deshalb oft mit Trial and Error verbunden. Oder um es mit den Worten von Samuel Beckett zu sagen:

Ever tried, ever failed, no matter.

Try again, fail again, fail better.

Was beim Feiern der tollen neuen Väter zu kurz kommt, ist der gemeinschaftliche Ansatz, ohne den Equal Care gar nicht möglich wäre. Und genau deshalb versammeln wir hier und anlässlich des zweiten Equal Care Days Portraits von Menschen, die Equal Care leben, die erzählen von den Schwierigkeiten, aber auch von den tollen Momenten und dem Gewinn, den diese Art der Arbeitsteilung bringt, für alle Beteiligten. Sie liefern die Stimmen, von denen die aktuelle OECD-Studie "Dare to Share" ("Wage es, zu teilen") berichtet:

Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen sind subjektiv zufriedener mit ihrem Leben sowie physisch und psychisch gesünder als weniger engagierte Väter. Müttern eröffnet EqualCare bessere berufliche Möglichkeiten, was wiederum ihre Rente verbessert, ihre finanzielle Unabhängigkeit und familiäre Finanzlage!

 

Viele Grüße und viel Kraft für all die unsichtbare Arbeit wünscht

Das Equal Care Day - Team

Sascha Verlan und Almut Schnerring

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Equal Care Porträts zum Equal Care Day 2017

(Rückblick zu unserem Aufruf zu Beginn des Jahres)

 

Alu und Konsti … leben mit ihren drei Kindern in Berlin.

 

Roland … lebt und arbeitet als Journalist und Social-Media-Redakteur in München. Mit Veronika hat er zwei Kinder. Ohne EqualCare ginge bei ihnen gar nix.

 

Dagmar … aus Hannover, arbeitet Teilzeit als Referentin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Sie lebt getrennt von Thomas, mit dem sie zwei Kinder hat.

 

Stefanie und Tobias … leben mit ihren beiden Kindern in Berlin.

 

 

Elisa … lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Hamburg. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten fest und voll angestellt im Mediensektor.

 

 

Jochen König

Jochen …  ist Autor und lebt in Berlin. Seine Kinder leben jeweils etwa zur Hälfte mit ihm in einem Haushalt und zur anderen Hälfte bei ihren jeweiligen Müttern.

 

Claudia… wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Süddeutschland. Sie leben kein Equal Care, passen damit zwar nicht in die Reihe, aber zum Thema.

 

Almut und Sascha … arbeiten und leben als freiberufliches JournalistInnen- und AutorInnen-Team mit ihren drei Kindern in Bonn.

 

Carin … lebt mit ihrem Partner und zwei kleinen Kindern in einer Kleinstadt in Deutschland

 

Patricia und Marcus … die Projekt-Managerin und Bloggerin und der Radiojournalist leben mit zwei Schulkindern in Berlin

 

Kerstin … arbeitet als freiberufliche Regisseurin und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg.

 

Frau und Herr Rabe … die Doktorandin in Molekularer Medizin und der Softwareentwickler leben mit ihren beiden Kindern in Trondheim, Norwegen

 

 

Julie … mit Leander und ihren 3-jährigen Zwillingen.

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…und es werden mehr:

Bloggerinnen und Blogger über ihren Equal Care Alltag

 

  • Paul und Juliane auf herrpaul_ mit 3 Kindern unter 2 Jahren

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  • Tina Groll über den Equal Care Day bei chefin.de
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Wer unseren Aufruf Anfang des Jahres gelesen hat und über die Aufteilung von Familienarbeit und Equal Care gebloggt hat

- bitte sehr gerne hier in den Kommentaren verlinken - Dankeschön! 🙂

 

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Gastbeitrag von Tine Haubner

Foto , cc by Oiluj Samall Zeid
Foto , cc by Oiluj Samall Zeid

Angehörige stemmen in der BRD nach wie vor den Großteil häuslicher Pflegearbeit: 2013 wurden mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen (das entspricht 71% oder 1,86 Millionen) häuslich versorgt, davon 47% ausschließlich informell durch Angehörige und 23% in einer Kombination aus ambulanten Diensten und Angehörigen (Statistisches Bundesamt 2015). Die Angehörigen können dabei nicht nur als „größter Pflegedienst der Nation“ (vgl. Klie 2014), sondern vor allem als kostengünstigster Anbieter pflegerischer Versorgungsdienstleistungen gelten ─ und sie sind überwiegend Frauen. Die Mehrheit der pflegenden Angehörigen ist weiblich, zwischen 40 und 64 Jahre alt, verheiratet, durchschnittlich mindestens 20 und bis zu 40 Stunden pro Woche in die Pflege eingebunden und pflegt im Schnitt zwischen fünf und acht Jahre lang. Mehr als die Hälfte versucht dabei, Erwerbsarbeit und Pflege zu vereinbaren ─ ein Anspruch, der einer Quadratur des Kreises gleicht, denn mit einem wöchentlichen Zeitaufwand von bis zu 84 Stunden entspricht die häusliche Pflege mitunter sogar mehr als einer Vollzeiterwerbstätigkeit (Blinkert/Klie 2006).

Gesundheitliche Belastung und Armutsrisiko

Die Übernahme von Pflegeverantwortung ist deshalb für viele Frauen mit dem vollständigen Abbruch der Erwerbstätigkeit und Inkaufnahme finanzieller Nachteile verbunden, vor allem wenn es um die zeit- und kraftzehrende Betreuung demenzkranker Angehöriger geht, die nur minimal mit Leistungen der Pflegeversicherung „ergänzt“ wird. Zu diesen arbeitsmarktbezogenen Nachteilen kommt, dass pflegende Angehörige zahlreichen Gesundheitsbelastungen ausgesetzt sind: Sie klagen über eine Schwächung des Immunsystems, die Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, leiden unter depressiven Symptomen und Beziehungsproblemen und weisen insgesamt mehr körperliche und psychische Beschwerden auf als die Durchschnittsbevölkerung (vgl. Fringer 2011). Frauen pflegen dabei nicht nur am häufigsten, sondern sind im Vergleich mit pflegenden Männern stärker belastet und erleben subjektiv auch mehr Stress. Häusliche Pflege zu übernehmen, bedeutet also insbesondere für Frauen, sich enormen Belastungen auszusetzen und nicht selten Armut zu riskieren.

und was unternimmt der Staat?

Einem „aktivierenden Staat“, der an einer Geringhaltung der Pflegekosten interessiert ist, kommt diese „privatistische Pflegekultur“ (Evers 1997) äußerst entgegen. Aus diesem Grund sucht er unter dem Druck von demographischem Wandel und Fachkräftemangel, die Pflegeübernahme von Angehörigen, Freunden, Nachbarn, Ehrenamtlichen ─ kurzum möglichst kostengünstigen „guten Geistern“ ─ verstärkt zu fördern (Dyk et al. 2016). Um dieses „informelle Pflegepotenzial“ zu erhalten und auszubauen, wird nämlich vom Gesetzgeber eine bemerkenswerte Wahlfreiheit in Bezug auf materielle Anreize und professionelle Entlastung geboten. So besteht für Leistungsberechtigte der Pflegeversicherung eine für die Gesundheitsversorgung beispiellose Option: Sie können zwischen Sachleistungen, Geldleistungen oder einer Kombination beider wählen. Auf der anderen Seite wurden systematische Zugangsbeschränkungen in Bezug auf die vollstationäre Pflege erlassen. So werden Leistungen für eine vollstationäre Versorgung nur dann gewährt, wenn häusliche Versorgung nicht möglich ist, außerdem müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung privat getragen werden und die familiären Hilfeleistungen gelten gegenüber der Inanspruchnahme sozialer Dienste als „obligatorisch“. Trotz Wahlfreiheiten entscheidet sich allerdings noch immer die Mehrheit der pflegenden Angehörigen für Geldleistungen und das, obwohl deren Wert nur beinahe die Hälfte der gewährten Sachleistungen beträgt. Warum ist das so? Weil u.a. die Pflegeversicherung als Teilkaskoleistung nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten übernimmt und weil sich die pflegerische Versorgung von Menschen nicht in modularisierter Minutenpflege erschöpft.

Es sind demnach nicht nur das vierte Gebot und eine geschlechtsspezifische Rollenverteilung, die überwiegend weibliche Angehörige zur Pflegeübernahme motivieren, sondern schlicht finanziell bedingte und dem jeweiligen Pflegebedarf korrespondierende Zwänge, die aus politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen resultieren. Häusliche Pflege durch Angehörige ist damit nicht nur ein weiteres Beispielterrain geschlechtsspezifisch ungleich verteilter häuslicher Sorgearbeit. Sie verdeutlicht zudem den Einfluss eines nationalspezifisch „konservativen“ Pflegeregimes, welches die steigenden Pflegebedarfe einer alternden Bevölkerung noch immer erfolgreich in die Obhut privater Haushalte, und dabei überwiegend an Frauen, delegiert.

Tine Haubner arbeitet am soziologischen Institut in Jena, wo sie u.a. zu Sorgearbeit und ihrer Krise lehrt und forscht.

Daneben engagiert sie sich im bundesweiten Netzwerk Care Revolution.


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Literatur:
Evers, Adalbert (1997): Geld oder Dienste? Zur Wahl und Verwendung von Geldleistungen im Rahmen der Pflegeversicherung. In: WSI Mitteilungen. 7. S. 510-518.

Statistisches Bundesamt (2015b): Pflegestatistik 2013. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung. Deutschlandergebnisse. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/
Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001139004.pdf?__blob=publicationFile Abrufdatum: 21.03.2016.

Klie, Thomas (2014): Wen kümmern die Alten? Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft. München: Pattloch.

Blinkert, Baldo/Klie, Thomas (2006): Die Zeiten der Pflege. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 39. S. 202-210.

Fringer, André (2011): Pflegenden Angehörigen ehrenamtlich helfen. Bürgerschaftliches Engagement im Spannungsfeld öffentlicher Interessen. Marburg: Tectum.

Dyk, Silke v./Dowling, Emma/Haubner, Tine (2016): Für ein rebellisches Engagement. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 2. S. 37-40.

Grundeinkommen und Carearbeit

In der Kontroverse um das bedingunsglose Grundeinkommen kommt das Thema Carearbeit / Fürsorgearbeit zu kurz. 2013 gab es dafür in der Schweiz, wo die Debatte weiter fortgeschritten ist, sogar eine Rüge der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) - die Politsendung "Arena" wurde für ihre einseitige Darstellung des Themas kritisiert.

Es steht inzwischen außer Frage, dass diese Arbeit zentral ist und den mit Abstand größten Wirtschaftssektor bildet. Trotzdem wird Arbeit immer noch stillschweigend mit Erwerb gleichgesetzt. Ina Praetorius

Kurzinterview, Zeitungsartikel: carearbeit - ein kärtchen zum dank genügt
Foto: @MadmenNa

Boys'Day

Vor kurzem fanden der Girls' und Boys'Day statt, ein Tag, an dem Mädchen und Jungen nahegelegt wird, sich in "geschlechtsuntypischen" Berufen umzusehen, also Mädchen zum Beispiel im MINT-Bereich (Mathe-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) und Jungs zum Beispiel im Care-Bereich.

Im Rahmen der Evaluation des Boys'Day wurden Jungen dazu befragt, wie sie sich die Arbeitsteilung in einer späteren Partnerschaft vorstellen. 70% gaben an, dass sie sich gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern wollen, immerhin 12% sagen, dass sie sich selber zum größeren Teil um ihre Kinder kümmern wollen. Allerdings geht die Hälfte der Jungen auch davon aus, dass sie selbst wohl größtenteils das Geld verdienen werden.

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Empathie

Im Netzwerk Xing erschien ein umstrittener Artikel mit dem Titel "Zu viel Empathie hilft niemandem" von Myriam Bechtoldt. Die Autorin meint: "Mitfühlende Menschen verdienen weniger Geld, weil sie weniger einfordern."

Ist das so? Und wenn ja: warum lassen wir zu, dass Mitgefühl und Empathie in unserer Gesellschaft zu einem (finanziellen) Makel werden?

 

Altruismus

Wir werden geboren als Altruisten, nicht als Egoisten!

Eine arte-Doku vom Februar 2016 fasst zusammen: "Seit rund 20 Jahren widerlegen Forschungsergebnisse die These von einem universellen Egoismus. Psychologen, Neurowissenschaftler und Primatenforscher fanden heraus, dass sogenanntes prosoziales Verhalten wie Mitgefühl, Altruismus, Hilfsbereitschaft und die Fähigkeit zur Kooperation zu den fundamentalen Eigenschaften des Menschen zählen."

EqualCare

Von Studierenden (Lotta Güldenring, Miriam Kloos, Xenia Mochmann und Moritz Pöhlig) der design akademie berlin, Hochschule für Kommunikation und Design ist dieser kurze Videoclip in Sachen GenderCareGap und Vereinbarkeit. Er ist Teil der bundesweiten Kampagne "Mir.Fehlt.Was. - Aktiv gegen Frauenarmut", der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter. Leider setzt er auf das Klischee des unempathischen Mannes, dem Karriere vor Familie geht. Dass Arbeitsbedingungen, Rentensystem, Ehegattensplitting und Familienpolitik das traditionelle Rollenmodell unterstützen, gerät dabei einmal mehr aus dem Blick.

 

Und ein Termintipp zum Schluss:

am 21. + 22. Mai findet das CareCamp Köln statt. Das Barcamp zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Für Pflegende, Mediziner und alle anderen Akteure. #cck16

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Der PayGap sei eine Mär, die Debatte rund um den Equal Pay Day sei überholt, es sei doch eigentlich (wenn überhaupt) ein Kinder-Gap, eine Benachteiligung derer, die der Familie wegen zurücktreten, egal ob Mann oder Frau. (Quelle Fokus; Quelle DieZeit; Quelle fischundfleisch)

Doch erst gestern noch habe ich einen Tweet meiner Timeline weiterverbreitet, über eine Studie mit dem Fazit: Steigt der Frauenanteil, sinkt der Lohn, "Wo viele Frauen beschäftigt sind, meinen Arbeitgeber offenbar, weniger zahlen zu müssen." (>zum Artikel)

Auffällig auch: Wer den PayGap als verlogenen Rechenfehler outen möchte, lässt Studien zu Gender Status Beliefs völlig außer acht (z.B. das Heidi Roizen-Experiment). Und sollte es tatsächlich keine glaubwürdige Gegenstudie geben zur Aussage, Frauen ohne Kinder spürten so gut wie keinen #PayGap (0-2% Lohnlücke), so ist doch die Aggression zwischen den Zeilen erstaunlich: Lüge, feministische Rechentricks, können nicht logisch denken, Ideologie…

Sagen wir also, es gibt gar keine ungleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau, ignorieren wir also den Renten-PayGap von 60%, der sei eben verursacht durch Teilzeit und Ehegattensplitting und hätte nichts mit ungleicher Bezahlung zu tun. Lassen wir auch mal außen vor, dass Männer früher und in größerer Zahl in Führungspositionen landen, selbst in Bereichen, in denen mehr Frauen arbeiten (z.B. Kita), dass Auszeiten wegen Kindern bestraft werden, dass (unsichtbare) CareArbeit (zu 80% von Frauen ausgeführt) in unserem Lohnsystem nur wenig zählt. Was bleibt: der Verdienst in MINT-Berufen ist höher als in Berufen mit geisteswissenschaftlichem Studium, und wer Steine hebt bekommt eine Zulage, wer dagegen Menschen hebt, der_m ist das in die Wiege gelegt. Und so werden mit kräftiger finanzieller Unterstützung des Gendermarketing Puppen wieder verstärkt als Mädchenspielzeug und Technikbaukästen als "Jungsinteressen" verkauft - und die Mehrheit der Erwachsenen stimmt dem zu.

bügeln

In der Debatte um den PayGap heißt es dann:

Wenn all das trotzdem kein Anlass sein soll, an einem EqualPayDay auf einen PayGap aufmerksam zu machen, weil doch die Ursache - nur? - in den Rollenbildern liegt, es ein FamilienGap ist, ein Sich-um andere-KümmernGap, beruflich wie privat. Dann bleibt doch trotzdem: das Gap. Das Weniger-Rente-Gap, das weniger Geld-zur-Verfügung-Gap, das Weniger-Mitspracherecht-durch-weniger-gut-dotierte-Stelle-Gap. Warum also die Gegenwehr? Warum nicht Vorschläge, wie die Misere so formuliert und thematisiert werden könnte, dass es keine Missverständnisse darum gibt? Dass wir uns gemeinsam dran machen könnten, diese Lücken, wie auch immer eins sie benennen möchte, zu verkleinern?

Und nur mal so nebenbei: Bloß weil es eine stichhaltige Erklärung für einen Missstand gibt, bedeutet das schließlich nicht, dass die Ungerechtigkeit damit aus der Welt sei, sie ist immer noch vorhanden.

Die gute Nachricht: Wer sich also an der Berechnung des EqualPayDay, dem Vergleich des bloßen Bruttoeinkommens stört und lieber über Rollenbilder sprechen möchte, kann sich ja gerne in Zukunft auf den Equal Care Day konzentrieren.

Die schlechte Nachricht: auch beim GenderCareGap liegt die Ursache an der ungleichen Verteilung von Last und Lohn.

 

Foto , cc by Tengrain
Foto , cc by Tengrain

 

Nachtrag vom 2.4.16: Auch die hier zitierte Studie zeigt, dass es selbst im gleichen Berufsfeld eine genderpaygap gibt: "when it comes to women's pay, computer programming is the most unfair occupation in America. On average, a woman makes 28 percent less than a man with the same job -- and the same education, years of experience and age, among other factors"

(Dieser Artikel wurde zuerst auf mach-mir-die-welt.de veröffentlicht)

Equal Pay und Equal Care sind miteinander verknüpft. Solange CareArbeit und vor allem unsichtbare CareArbeit (was ist das denn?) derart geringgeschätzt werden, dass sie bei der Berechnung der Rente kaum ins Gewicht fallen, braucht es den Equal Pay Day, der an dieses Missverhältnis erinnert.

80% der Fürsorgearbeiten werden von Frauen übernommen, das sind die Zahlen für den professionellen Bereich, Carearbeit im privaten und ehrenamtlichen Bereich ist hier noch gar nicht mitgerechnet. Dieser Arbeit fehlt es an Annerkennung und angemessenen Gehältern. Denn Geld gilt als Zeichen sozialer Wertschätzung. Verantwortungsvolle Aufgaben werden mit höheren Gehältern belohnt, demnach messen wir professioneller Pflege, Erziehung von Kindern, Fürsorge für Menschen offenbar weniger Verantwortung zu, als dem Umgang mit Geld und Wertpapieren, mit Maschinen und IT-Netzwerken.

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Nach dem Equal Care Day ist vor dem Equal Care Day

Am 29.2.2016 fand der erste Equal Care Day statt. Was mit einer kleinen Rechnung, einem beiläufigen Kommentar auf einem Vortrag begann: "80% der Carearbeit übernehmen Frauen, 20% Männer? Dann brauchen Männer ja viermal so lange?!", hat sich innerhalb von wenigen Wochen zu einer Kampagne entwickelt. Viele haben sich mit einem Statement zum Thema Equal Care beteiligt und so dazu beigetragen, dass aus einer Idee tatsächlich ein Gedenktag wurde.

Nachlese

Der Equal Care Day hat ein so großes Medienecho ausgelöst, dass der Tag schon jetzt als etabliert gelten kann. Es gab Berichte und Interviews, die seine Existenz gar nicht infrage stellten, sein Entstehen nicht weiter thematisierten, sondern den Equal Care Day direkt zum Anlass nahmen, um auf die Misstände im Pflegebereich hinzuweisen, auf die Geringschätzung von Sorgetätigkeiten insgesamt und ihre Zuweisung an Frauen, weltweit.

Vielen Dank an alle, die uns den Tag über im Internet begleitet haben, für Retweets, Likes und die Verbreitung der Idee unter dem Hashtag #equalcareday. Außerdem haben viele Blogger*innen den Tag zum Anlass genommen, um über Ihre Erfahrungen zu Equal Care zu schreiben, sie sind >hier< versammelt. (Wen wir übersehen haben, schickt uns gerne Links, damit wir sie mit aufnehmen.)

Dank

Besonders nahelegen wollen wir Ihnen/Euch den Podcast der Sendung Abendrot des SR, dort hatten wir den Rahmen und die Zeit, um ausführlicher zu erzählen, welche Anliegen wir mit dem Tag verknüpft sehen.

Und nicht zuletzt ein Dank an alle, die sich schon so lange vor uns für die Themen #CareArbeit und #EqualCare engagieren:

(1'48-Ausschnitt aus dem Gespräch beim SR)

Und jetzt?

Alle, die weiter auf dem Laufenden bleiben möchten über das Thema Equal Care, laden wir ein, sich in unseren Newsletter einzutragen. 

Infos per Mail zu EqualCare(Day) und Wertschätzung von CareArbeit:

Wir wollen nun den Schwung und das Interesse an diesem ersten Mal mitnehmen und nutzen die Zwischenzeit, um Ideen zu sammeln und Mitstreiter*innen zu finden für einen Equal Care Day 2020.  (Da der erste schon über Deutschlands Grenzen hinaus wahrgenommen wurde, wird der erste Schritt sein, die Idee ins Englische zu übersetzen 🙂 ) update 7.3.: ist schon passiert, siehe >hier<

Einladung nach Bonn

Zum Schluss wollen wir auf zwei Veranstaltungen mit uns in Bonn hinweisen und herzlich einladen zum Austausch über die Ursachen des Care Gap:

8. März, am Weltfrauentag:

Vortrag mit Disskussion ab 19:30 - zum Veranstalter >klick<

11. März:

Workshop von 10 - 14h im Geburtshaus Bonn zur Rosa-Hellblau-Falle >klick<

Alles Gute und viele Grüße !

Das Equal-Care-Day-Team

292-EqualCareday500

 

… und damit geht diese Seite an den Start. Sie versammelt die Unterstützerinnen und Unterstützer des ersten Equal-Care-Day 2016. Sie alle haben sich mit einem Statement beteiligt und unterstützen unsere Forderung nach mehr Wertschätzung und fairer Verteilung von Care- und Fürsorgearbeiten. (Mehr unter "Die Idee…")

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Wir freuen uns, dass viele Menschen den Tag zum Anlass genommen haben, um einen Beitrag zum Thema Care auf Ihren Blogs und Seiten zu veröffentlichen.

Bitte schreibt den Link zu Eurem Post hier in den Kommentarbereich, damit wir Euch finden können!

Danke!

 

-> @Saheicha schreibt über Equal Care

->  @mamadenkt und schreibt auf ihrem Blog über den Equal-Care-Day

->  @meet_lisa im meetshaus.de

-> @papapelz: "Was'n der #EqualCareDay?"

-> @vollzeitvater: "Gleichberechtigung im Haushalt"

-> @rabeneltern_org: "Equal Was?"

-> @kleineboecke: "Kein Beinbruch?"

->