Julie ist in einem IT-Unternehmen angestellt. Mit Leander teilt sie sich die CareArbeit rund um Haushalt und ihre 3-jährigen Zwillinge.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Feste Zuständigkeiten gibt es nur für die Abholzeiten der Kinder aus dem Kindergarten, weil wir hier unsere Arbeitszeiten drumrum organisieren müssen. In der Regel setze ich die drei morgens vor dem Kindergarten ab, montags, donnerstags und freitags hole ich sie, Leander holt sie dienstags und mittwochs. Ansonsten kann und macht auch jeder von uns beiden alles, je nachdem was gerade anfällt und wer da ist / Zeit hat.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Die Frage “Warum” hat sich uns nie gestellt, es war für uns immer eine Selbstverständlichkeit. Wir haben uns gemeinsam dafür entschieden, Kinder zu bekommen und wir haben uns von Anfang an gemeinsam um sie gekümmert.

Jeder hat die Möglichkeit, seiner Arbeit weiter nachzugehen. Und die Vorteile, dass wir uns ansonsten gleichberechtigt um die Kinder kümmern - keiner brennt aus, jeder ist Ansprechpartner, wir sind beide gleichermaßen ein Vorbild für unsere Kinder, wir sind gleichberechtigte Partner, die immer wissen, worüber der andere spricht. Man bleibt immer miteinander im Gespräch und hat ein wirklich gemeinsames Leben.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Jeder von uns muss im Job zurückstecken, damit alles funktioniert - wir arbeiten beide in Teilzeit, wobei Leander neben seiner Festanstellung auch noch selbständig Aufträge annimmt. Und natürlich bleiben dadurch auch manche Träume wie ein weiteres Studium aufgrund von Zeit auf der Strecke.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Nein. Dadurch, dass wir keine klare Aufteilung haben, haben beide den Überblick. Die Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Welchen Vorteil hätte es, das auf eine Person zusammenzustauchen? Den, einen “Sündenbock” zu haben, wenn was schiefläuft? Nein. Da hab ich doch lieber eine kommunikative, gleichberechtigte und intensive Partnerschaft.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Die einzige Grenze der fairen Aufteilung, an die wir bislang gestoßen sind, war die, dass Leander nicht stillen konnte. Gerade in der Anfangszeit mit den Zwillingen hat dies natürlich einen klaren Fokus auf mich gelegt, weil ich einfach viel viel viel damit beschäftigt war. Aber er hat auch immer mal wieder eine Flasche gegeben und mich so entlastet und selbst eine “Still”-Beziehung aufgebaut. Und es war nie ein Streitpunkt, da von Anfang an klar war, dass dies eine unabänderliche und absehbare Sache war.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Dadurch dass ich einen weiteren Arbeitsweg habe als Leander und an zwei Tagen, wo ich sie hole, unter Zeitdruck bin, weil ich noch weiter arbeiten muss, wenn sie daheim sind, habe ich tatsächlich weniger Beziehung zu den Erziehern im Kindergarten als Leander sie hat. Aber ansonsten gab es nie einen Grund für eine Neuaufteilung - keine außer “Mama!” oder “Papa!”-Forderungen der Kinder - da wir sehr bewusst diese Gleichberechtigung leben und lebbar machen.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Negativ: “Wie, Sie wollen Ihre Kinder schon in die Betreuung geben?! Die armen Kinder!”, als es im Gespräch mit Fremden aufkam, dass unsere Kinder bereits mit knapp anderthalb in die Ganztagesbetreuung müssen (wir sind auf das Gehalt angewiesen).

Positiv: … ich hab jetzt echt lange drüber nachgedacht und außer von Freunden, die uns rückmelden, wie super wir das regeln, ist mir echt keine eingefallen. Was irgendwie in sich auch eine Aussage ist.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Lass dich nicht einlullen und nicht unterkriegen. Sei aufmerksam, gib und fordere ein - und behalte dein stetes Kommunikationsbedürfnis.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Eine deutlichere Unterstützung von Familien, auch finanziell aber primär durch bezahlbare Wohnungen auch IN Städten und Betreuungsmöglichkeiten für U3, Kindergarten UND Schule (der Gedanke an Schulferien und wie wir das regeln sollen lässt mich jetzt schon blass werden…).

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Die klare Erkenntnis, dass “Eltern sein” für Väter genauso viele Einschränkungen bringen kann und sollte wie für Mütter und entsprechende Unterstützung. Keine voreingenommenen Einschränkungen für Frauen mit Kindern. Teilzeitarbeit ohne Abstellgleis.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Eine tatsächliche Wahlmöglichkeit, was man machen möchte.

Frau Rabe ist Doktorandin in Molekularer Medizin, Herr Rabe Softwareentwickler mit fester Anstellung. Sie arbeiten beide norwegische Vollzeit, also 37,5 Stunden die Woche. Dort leben sie mit ihren beiden kleinen Kindern. Über ihren Alltag bloggen sie als Herr und Frau Rabe auf rabensalat.blog

 

  1. Wie ist die Care-Arbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

    Herr Rabe: Für viele Dinge gibt es bei uns keine festen Zuständigkeiten, aber spontan fallen mir doch ein paar kleinere ein. So putzt z.B. Frau Rabe das Terrarium der Schnecken, ich hingegen putze den Kaminofen und trage Holz aus dem Keller in die Wohnung. Und obwohl Frau Rabe gerne öfter auf Twitter etwas anzünden möchte mache ich hier meistens das Feuer im Ofen an. Dafür hat Frau Rabe das Holz bestellt und die Lieferung organisiert.
    Frau Rabe: Joa, im Grunde passt das so. Ich backe Brot, Herr Rabe putzt die Fenster und macht 90% der Kinder-Brotdosen. Wichtig ist glaube ich, dass wir beide meistens nicht den Eindruck haben, mehr als der jeweils andere zu tun.

  2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

    Herr Rabe: Im Prinzip habe ich zwei Gründe. Erstens Fairness, denn in einer Beziehung sollten sich beide an der Care-Arbeit gleich beteiligen. Zweitens bin ich schon so erzogen worden und kann nicht anders. Meine Mutter hat darauf geachtet mir alles beizubringen was für ein selbstständiges Leben wichtig ist. Gerne sagte sie zu mir – wenn wir zB. am Bügelbrett standen – „Junge, entweder du kannst es selber oder Du musst Dir später eine Frau suchen, die das alles für Dich erledigt.“ Letzteres klang für mich schon immer abwegig und viel zu einschränkend, also lernte ich. Und außerdem macht es mir auch Spaß Dinge selber zu erledigen.
    Frau Rabe: Ich möchte fast entgegnen: Ich verstehe die Frage nicht. Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, Hausfrau zu sein. Für mich ist eine gleichwertige Beteiligung an der Care-Arbeit in einer Partnerschaft so selbstverständlich wie nur irgendwas. Insofern sehe ich da auch keine Vorteile drin, sondern das Herstellen eines normalen Soll-Zustands. Umgekehrt würden mir aber einige Nachteile bei einer ungleichen Aufteilung einfallen.

  3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

    Herr Rabe: Bei schlechten Absprachen kann es zu Unzufriedenheiten kommen.
    Frau Rabe: Ja, der einzige Nachteil ist für mich auch ein hoher Orga-Aufwand. Man muss sich immer absprechen, wegen jedem Pups. Wer geht mit dem Kind zum Arzt, wer zum Schwimmkurs, wer kauft ein, wer macht die Einkaufsliste, wer spricht mit der Babysitterin ab, ob sie am Wochenende kommen kann. Die Liste ist endlos. Kleine, feste Zuständigkeitsbereiche (so wie mit dem Holz oder dem Brot) erleichtern das ein bisschen.

  4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

    Herr Rabe: Für mich wäre das nichts. Wir sind hier ein Team. Keine Hierarchien und so 🙂
    Frau Rabe: Naja, aber praktischer wäre es schon. Langweilig, ungerecht, kurzsichtig, aber praktisch.

  5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

    Herr Rabe: Unterschiedliche Erfahrungsgrade mit Dingen. Wenn irgendwas kaputt geht, bin dann doch ich es, der es repariert. Einerseits bin ich da ziemlich selbstsicher, andererseits kann ich das auch nicht gut delegieren. Und mit zwei Kindern kann man sowas auch nicht mehr so gut zusammen machen wie früher, da halt einer die Kinder beschäftigen muss.
    Frau Rabe: Bei mir ist es ein leichter Kontrollzwang. Ich bin ein Orga-Mensch. Ich reiße gerne so Sachen wie Urlaubsplanung (oder Holzlieferung) an mich, präsentiere dann irgendwann Herrn Rabe eine fertig befüllte mehrseitige Exceltabelle mit allen Pros und Cons und Preisen und durchschnittlichem Niederschlag und bin dann unzufrieden, wenn Herr Rabe da nicht auf Anhieb durchblickt oder sich auch nicht für irgendwas entscheiden kann. Und Krankheit halt. Aber das kann ja genauso auch immer eine klassische Rollenverteilung ins Wanken bringen.

  6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der Care-Arbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

    Herr Rabe: Es hat sich etwas verändert, früher haben wir mehr Dinge wirklich zusammen erledigt. Heute muss einer die Kinder bei Laune halten während der andere Dinge tut.
    Frau Rabe: Hmm ja. Mehr zu tun und weniger Zeit es zu tun. Und wir waschen unsere Wäsche nicht mehr getrennt, seit wir Kinder haben! Jetzt wäscht halt jeder mal den Korb weg, der grade am vollsten ist.

  7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

    Herr Rabe: So alt sind sie noch nicht. Veränderungen gab es bisher nur durch die Geburt der Kinder.
    Frau Rabe: Innerlich habe ich echt gefeiert, als die Kleine abgestillt war. Nächtliches Stillen schlaucht. Und die Flasche nahm sie auch nie. Da war also ein echtes Ungleichgewicht und als es wegfiel, kippte es erstmal in die andere Richtung, nach dem Motto: ich habe ein Jahr lang nicht durchgeschlafen, jetzt bist Du dran mit Banane füttern. Inzwischen hält es sich so etwa die Waage, denke ich. Und die nächtlichen Fressattacken der Kinder werden ja auch seltener.

  8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann bzw. als Frau?

    Herr Rabe: Wir leben ja in Norwegen. Zwar sind wir hier nicht nur wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber ein bisschen schon. Und was soll ich sagen, dass klappt hier wirklich gut. Mit der gleichberechtigten Aufteilung bin ich hier kein Sonderfall, sonderen eher Durchschnitt.
    Frau Rabe: Ja, das stimmt. Wir sind hier jedenfalls keine Sonderlinge wegen unseres Familienmodells. Im Kindergarten zum Beispiel trifft man (sofern die Eltern der Kinder zusammen leben) eigentlich immer beide Partner, weil alle es so machen wie wir auch: ein Elternteil bringt, das andere Elternteil holt ab. Genauso läuft es bei der Arbeit ab: jede*r mit Kindern muss mal früher weg, weil Kindkotzt/Schulaufführung/Kadertraining.

  9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

    Herr Rabe: Bis jetzt kann ich mich nur an positive Situationen erinnern. Entweder gab es keine negativen Reaktionen oder ich habe das nicht mitbekommen. Obwohl, an eine negative Erfarung von vor Michels Geburt kann ich mich gut erinnern. Wir waren auf einem Flohmarkt für Kinderklamotten unterwegs um uns mit Ausstattung einzudecken. An einem Stand wurde uns, bzw. eher nur an Frau Rabe gerichtet ein Wickelbody empfohlen, denn „damit könne sogar der Vater das Kinde wickeln“. Auch heute noch finde ich es eine Frechheit mir, bzw. Vätern generell, die Fähigkeit abzusprechen, sich um seine Kinder zu kümmern.
    Frau Rabe: als negative Reaktion könnte ich den Klassiker anbringen: als ich, damals noch in Deutschland, meinem Chef verkündete, ich sei schwanger, fragte er mich nach der Gratulation, wie viele Jahre ich denn zu Hause bleiben wolle. Als ich sagte, ich hätte so an sieben Monate nach der Geburt gedacht, damit wir die Elternzeit fair aufteilen könnten, kam ein belächelndes „Jaja, warte mal ab, wenn das Baby dann da ist…“. Positive Reaktionen kriege ich wenn überhaupt nur indirekt an den Mann adressiert mit: „Ach, das ist ja auch toll, dass sich die jungen Väter heutzutage so einbringen.“ (Von meiner Oma.) Meine Mutter hat uns gelobt dafür, dass wir das so gleichberechtigt hinbekommen. Aber zählt das, wenn die eigene Mutter das sagt?

  10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

    Frau Rabe: Haha, ich könnte höchstens sagen: mach du mal, das passt schon. Such dir nen Partner, der die Dinge so sieht wie du. Dem Zeit wichtiger ist als Geld, der aber auch weiß, dass Geld nicht auf Bäumen wächst. Und der bügeln kann, das lernst Du nämlich in diesem Leben wohl eher nicht mehr.
    Herr Rabe: Ich bin eigentlich mit mir ganz zufrieden, so wie es ist, von daher würde ich auch einfach sagen, mach das, was du machst.

  11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

    Frau Rabe: in Deutschland wäre das: 1. Mehr Elterngeld. Ich meine: wir leben hier in einem Land mit echt hohen Löhnen. Und trotzdem bekommt man in Norwegen mindestens 80% des vorherigen Nettoeinkommens als Elterngeld, für 59 Wochen. Alternativ 100% für 49 Wochen. Dann gilt nämlich auch das Argument nicht mehr, dass ein Partner nicht länger als 2 Monate zu Hause bleiben kann, weil dann zu viel vom Haushaltseinkommen wegfällt. Um das zu unterstreichen, könnte man die, ähäm, „Vätermonate“ ausweiten. 2. Mehr gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Obwohl hier alles andere sehr teuer ist, ist Kinderbetreuung vom Preis her ok. Geradezu günstig. Und das bei einer Qualität, die ich nicht mehr missen möchte. Der Betreuungsschlüssel unserer KiTa ist 1:3,5. Welcher Kindergarten in Deutschland schafft das schon? Und dass Eltern ihre Kinder nicht einfach verwahrt wissen wollen, sondern wirklich betreut, ist wohl allen klar.
    Herr Rabe: Mit den Zuständen in Norwegen bin ich sehr zufrieden. Ich würde mir wünschen, wie es auch schon Frau Rabe beschrieben hat, dass die Politik in Deutschland sich mehr an der Skandinavischen Familienfreundlichkeit orientiert.

  12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir, dass es normaler wird, sich gleichberechtigt an der Care-Arbeit zu beteiligen. Dass Frauen™ nicht mehr so oft und Männer™ dafür öfter gefragt werden, wie denn die Kinderbetreuung organisiert ist. Dass mehr Paare sich die Elternzeit gerechter aufteilen. Dass mehr Väter bei ihren Arbeitgebern auf ihr Recht bestehen, Elternzeit zu nehmen. Dass im Gegenzug der Rabenmuttermythos endlich ausstirbt. Dass Medien aufhören, Politiker dafür abzufeiern, dass sie einmal pro Woche das Kind aus der KiTa abholen, während die Schlagzeilen bei der schwangeren Politikerin deren Leistungsfähigkeit anzweifeln. Zusammengefasst: eine gleichberechtigte Elternschaft soll keine Randerscheinung mehr sein. Bitte.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass Väter mehr ermutigt werden sich Zeit für ihre Familie zu nehmen. Das es selbstverständlich und kein Problem ist, wenn man dem Chef sagt, man müsse los um das Fieberkind aus der Kita abzuholen. Mein Teamleiter wünscht mir zum Beispiel in solchen Fällen nur gute Besserung für das Kind.

  13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir mehr Geschichten, wie andere Paare sich die Familienarbeit gleichberechtigt aufteilen oder wenn nicht, was sie davon abhält.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass der Equal Care Day zum reflektieren der eigenen Situation anregt und dazu ermutigt Missstände anzusprechen. Ich wünsche mir, dass das Thema gleichberechtigte Familienarbeit diskutiert wird, nicht nur auf politischer Ebene, sondern ganz konkret in Familien und Freundeskreisen.

Claudia wohnt und arbeitet mit ihrem Mann und zwei Kindern in Süddeutschland. Sie leben kein Equal Care, denn der Versuch hat bei den beiden zu einem umgekehrten Rollenmodell geführt. Sie passen nicht unsere Reihe der Positivbeispiele, trotzdem wollen wir ihre Antworten hier vorstellen, da sie die gesellschaftlichen Widerstände gerade auch gegenüber fürsorglichen Vätern deutlich machen. Claudia möchte anonym bleiben.

photo credit: Chris B Richmond

Als wir im Sinne des Equal Care für eine 50:50 Aufteilung des Elterngeldjahres entschieden haben, hat das meinem Mann beruflich sehr geschadet. Deswegen arbeitet er auch nicht mehr in der ihm vertrauten Branche, in der er jahrelang tätig war, sondern musste und muss sich weiterhin beruflich komplett umorientieren. Darum bringe ich in Vollzeit als IT-lerin den Hauptteil des Geldes heim und mein Mann arbeitet auf 50% im Einzelhandel. Das bedingt derzeit eine relative Umkehrung der Rollen, aber mehr dazu in den Fragen.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Da ich als Frau mehr Stunden arbeite, übernimmt mein Mann fast den kompletten Haushalt. Bis auf gelegentliches Durchsaugen und die Spülmaschine übernehme ich kaum regelmäßige Arbeiten im Haushalt. Mein Mann übernimmt auch den Großteil der Kinderarzttermine, da seine Schichten im Einzelhandel in der Regel nachmittags und am Wochenende liegen. Auch die Kinderkranktage werden aus finanziellen und organisatorischen Gründen (er hat oft keine Schicht an diesen Tagen) von meinem Mann übernommen.
Ich übernehme im Hintergrund viele organisatorische Arbeiten, dazu gehört Besorgen von Kinderkleidung, Verkaufen von alten Kindersachen und das Orchestrieren von Terminen mit Familie und Freunden. Außerdem so ziemlich Alles was sich mit Finanzen und Steuern beschäftigt und Recherche für neue Anschaffungen.

Wenn es um die Kinder geht, sind wir beide gleich investiert. Wenn wir beide früh raus müssen, teilen wir uns das Aufstehen auf, wenn der Andere morgens frei hat, dann übernimmt dieser die Nachtschicht. Jeder achtet auf den Anderen, wenn wir also sehen, dass die Nerven des Einen schon am Limit sind, springen wir ein, egal wer gerade "dran" wäre.
Das ist für mich auch der zentrale Punkt. Wir sind ein Team und können der Belastung auch nur zusammen standhalten.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Wir haben ganz klar nach verfügbarer Zeit und Neigung aufgeteilt und da kommen auch die Vorteile her. Fair aufzuteilen heißt auch nachhaltig mit den Ressourcen der Beteiligten umzugehen. Es bringt niemanden was, wenn der/die Eine opferwillig die Belastung alleine schultert und dann irgendwann zusammenbricht. Das gilt für Care-Arbeit genauso wie den Gelderwerb. Auch die Belastung die finanzielle Existenz alleine zu schultern ist zu viel für Einen allein.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Die Hölle das sind immer die Anderen. Wir leben derzeit noch in einer Gesellschaft, die die alten Rollenmodelle sehr ernst nimmt. Ich werde genauso kritisch beäugt, wie ich als Frau Vollzeit "hinbekomme", so wie auch mein Mann Klassenkeile erlebt hat, weil er für seine Kinder seine Job zurückgestellt hat. Umgekehrt würde niemand mit der Wimper zucken.

Als Markus Elternzeit beantragt hatte, wurde er vor die Alternative gestellt: gleich von selbst gehen oder nach Ablauf der Elternzeit eine Kündigung bekommen. Sich um sein Kind kümmern zu wollen, wurde ihm nämlich als "zu wenig engagiert" ausgelegt. Markus hat noch gehofft, im Lauf des Elternzeitjahres eine neue Stelle zu finden, wurde aber enttäuscht und hat sich dann umorientiert.

Und ich werde weiterhin als Frau zuerst angerufen, wenn etwas in der Betreuung ist und die Anzahl der Male, die ich in Vorstellungsterminen gefragt wurde, wie ich theoretische 18:00 Termine (die so seltenst eintreffen) wahrnehmen will...eine Schande in 2017.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Sicher wäre das manchmal praktischer, aber was heißt denn Haushalt? Da sind so viele Themenfelder betroffen, die man prima aufteilen kann, ohne dass man sich in die Quere kommt. Und es bleibt dabei...Aufteilung heißt nicht, dass man nicht konstant aufeinander achten muss. Eine Aufgabenverteilung bleibt nicht in Stein gehauen, sondern muss ständig dem Belastungszustand und der Sitauation angepasst werden. Elternsein ist Teamarbeit.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Derzeit gerne an der Unterschiedlichkeit der Arbeitsrealitäten. Zwischen einem Bürojob mit Gleitzeit und Einzelhandelsschichten klaffen Welten. Ohnehin merkt man da auch sehr stark, dass unsere Familienpolitik immer nur aus dem warmen Büro gemacht wird. Mein Mann arbeitet auf dem Papier 50%, die Wahrheit ist aber, dass diese Stunden oft im Nachmittag oder am Samstag liegen. So sehr er sich im Care-Bereich engagiert...er ist halt arbeiten, wenn ich vom Vollzeitjob heim komme.
Natürlich gibt es darüberhinaus auch Phasen in denen die Kinder an einem Elternteil mehr hängen...und ja auch wenn man progressiv unterwegs ist, das ist häufig auch die Mutter.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Ja, drei...zwei Kinder 2 und 4 und ein Teenager mit 17 aus einer vorherigen Beziehung. Ich kenne das Leben und die Beziehung ohne Kinder nicht. Aber als ehemalige Alleinerziehende kann ich ermessen wie es ist die Care-Arbeit allein zu tragen und habe in der Beziehung auch klar gemacht, dass das in keinem Fall ein Idealzustand ist.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Da sind wir noch nicht, zumindest nicht mit den gemeinsamen Kindern. Aber aus der Erfahrung mit dem Ältesten. Es ist wichtig sich auch hier abzuwechseln und auch konfliktfreie Zeit mit den Kindern zu verbingen und das geht nur, wenn nicht einer ständig die Care-Brille aufhalten muss. Speziell in der Pubertät ist es ein häufiges Wechselspiel zwischen der schönen Erfahrung einen Heranwachsenden zu begleiten und notwendige Grenzen aufzuzeigen. Da ist es gut, wenn man mal aus der Schusslinie treten kann und einfach nur als Elternteil mit ins Kino geht.

8. Welche Reaktionen bekommst Duvon anderen für Dein Tun als Mann
Mein Mann fühlte sich häufig nicht in den Kreis der "Muttis" integriert. Er wird auch unter Männern wie Frauen häufig nur nach seinen beruflichen Plänen und Ambitionen befragt. Als wäre das was er für die Familie tut, eigentlich nicht genug, solange er nicht auch ordentlich Geld verdient.

bzw. als Frau
Auch ich störe die wortlos akzeptierte Ordnung. Vollzeit und Kinder und dann noch ambitioniert...da stimmt doch irgendwas nicht. Das gilt für den Job genauso, wie auch für Begegnungen im Kindergarten. Das ich nicht fröhlich bei jedem 15:00 Kinderkurs dabei sein kann, sondern "nur" der Papa...

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Positive Reaktionen habe ich häufig von Frauen mit erwachsenen Kindern. Gerne auch welche, die selber berufstätig sind oder auch alleinerziehend wurden. Eine Kollegin hat mir nachdem ich aus der Elternzeit zurückkam ausdrücklich dazu gratuliert, dass ich Vollzeit mache und mit meinem Mann eine progressiver Verteilung der Care-Arbeit lebe.
Negativ: "Was machen Sie wenn ein Meeting um 18:00 angesetzt wird?" Von einem Fragesteller, der verheiratet war mit zwei kleinen Kindern...ich hätte ihn gern geschüttelt.
Oder: "Was machen die Kinder, wenn du arbeitest?" Ja...die Antwort war "im Keller angebunden sein".

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Sucht Dir einen Job, der gut bezahlt wird und Dich auch alleine finanzieren könnte! Ja...es ist so profan. Die Anzahl der Male, die ich gehört habe, dass die Retraditionalisierung mit der Aufteilung der Elternzeit ("Mein Gehalt als Mann ist höher, deswegen nur zwei Monate") begann sind unzählbar.
Und: Such Dir einen Mann, der keine Angst vor einer starken Frau hat...und einer die mehr verdient als er.

Hab ich alles gemacht...insofern...puh! 😉

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Dass sie aus ihrem kuscheligen Büro heraus auch nicht Schichtarbeiter und Geringverdiener vergessen, denn Retraditionalisierung beginnt meist mit einer sehr nüchternen Betrachtung der Familienressourcen. Wenn Schichtzeiten und Einkommen recht klar den männlichen Einverdiener favorisieren, dann hilft auch eine Promoaktion nichts.
Außerdem soll der Staat, die Care-Arbeit, die er übernimmt, auch bitteschön anständig übernehmen.
Da spreche ich im Besonderen die Qualität der Ganztags-/Schulen und der Hausaufgabenbetreuung an den OGTS an. Kinder, die schlecht gefördert und ohne Hausaufgaben um 16:30 daheim ankommen, sind kein Zustand. Dies führt häufig dazu, dass selbst im Schulalter die Arbeitszeit reduziert wird (meistens von der Frau), um die nicht erfolgte Care-Arbeit (die eigentlich Bildungsarbeit ist) wieder aufzufangen.
Öffnungszeiten und Angebot von Ganztags-KiTa Plätzen ist auch nicht deutschlandweit ausreichend.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Ich wünsche mir ganz konkret von den Entscheidungsträger*innen (machen wir uns nichts vor, meist sind es Männer), dass sie den alten Rollenvorstellungen den Kampf ansagen. Wer diskriminierende Fragen in Vorstellungsgesprächen stellt, hat sich zu verantworten. Wer Teilzeitler diskriminiert, oder Leute in Elternzeit auch. Ihr frustriert nur Know-How Träger und senkt die Arbeitsmotivation. Da kommt doch auch betriebswirtschaftlich nur Mist raus.

13.Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Konkret für mich, eigentlich nichts. Wir haben uns gut organisiert...aber es war ein langer Weg bis dahin.

…schreiben gemeinsam das Blog www.grossekoepfe.de. Sie erzählen von Ihrem Alltag mit ihren drei Kindern, einer Vollzeitstelle, einer Promotion, der Vereinbarkeit und dem Leben in Berlin.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Wir haben keine festen Zuständigkeiten, sondern versuchen uns immer wieder neu auszutarieren. Als wir zusammenzogen, haben wir uns über Wünsche und Vorstellungen jedes Einzelnen sehr genau unterhalten, dabei haben wir festgestellt, dass wir uns die Care Arbeit in Bezug auf Haushalt, eventuelle Kinder etc. gern 50/50 teilen möchten.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Durch die Teilung der Care Arbeit teilen wir uns auch die Verantwortung und das damit verbundene Wissen. Den Satz „Kenn ich nicht, kann ich nicht“, gibt es bei uns nicht. Jeder kann alles in Bezug auf Kinder und Haushalt und verfügt über das notwendige Wissen und Vertrauen des Anderen.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Es ist nicht immer leicht wenn beide Partner/innen sich gleich stark einbringen wollen. Wir befinden uns in einem immerwährenden Prozess von Kommunikation.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Vielleicht wäre das praktisch, aber das würde nicht unserer Vorstellung von gleichberechtigter Partnerschaft und Kindererziehung entsprechen.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Wir stellen fest das ER im Haushalt mehr Pflichten übernimmt als sie. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass derzeit die Care Arbeit mit dem Baby (6 Monate) mehr an ihr hängt durch volles Stillen.  Daher gibt es in Bezug auf den Haushalt, sowie das Baby derzeit eine ungleiche Verteilung.
Wir mussten unsere Einstellung bereits mehrfach familienintern  erläutern und diskutieren. Für die Generation der eigenen Eltern ist das manchmal recht seltsam wie wir leben.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

In unserem Haushalt leben drei Kinder. Bei Kind 1 waren wir beide Studenten und haben uns alles komplett geteilt. Bei Kind 2 war ER 12 Monate in Elternzeit und SIE Vollzeit arbeiten nach 3 Monaten. In dieser Zeit gab es ein Ungleichgewicht, da ER mit beiden Kindern daheim war. Mit Kind 3 ist SIE nun Vollzeit daheim und er Vollzeit arbeiten. Da die beiden anderen Kinder jedoch schon größer sind, übernimmt ER hier eigentlich immer komplett wenn er daheim ist. Ja, unsere Aufteilung hat sich imemr mal wieder verlagert und verändert. Ohne Kinder im Haushalt war einfach nichts zu tun (quasi).
7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Siehe oben.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann* ☐ / bzw. als Frau* ☐ ?

ER wird oft gelobt von Eltern und Außenstehenden für seinen Einsatz für die Familie und den Haushalt.
SIE wird oft in Frage gestellt, warum ER denn kochen, staubsaugen und noch die Kinder nehmen würde.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Als SIE mit allen Kindern vier Wochen allein war um ihm eine Forschungsreise zu ermöglichen erfuhr SIE viel Anerkennung und Lob dafür. Es stellte sich heraus, dass SIE auch gut allein klarkommt, da beide Partner über das gleiche Wissen verfügen um Kinder, Haushalt und Beruf zu vereinen.
Als ER mit allen Kindern eine Woche allein war um ihr einen Kurzurlaub zu ermöglichen boten IHM viele Menschen ihre Hilfe an. Es schien für Außenstehende also fast nicht zu glauben, dass die Kinder, der Haushalt und die Arbeit bei ihm alle überleben würden.

 

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Der Schlüssel ist Kommunikation. Redet miteinander und sage ganz klar deine Wünsche und Grenzen und lass Dich nicht verunsichern.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Finanziellen Ausgleich für Familien in denen sich beide einbringen wollen.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Ein überarbeitetes Frauenbild jenseits der Idee, dass Frauen auch Vollzeit arbeiten können.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Den Fokus gendergerechte Erziehung und Aufklärung für den Nachwuchs.

 

Dagmar Duprée aus Hannover arbeitet Teilzeit als Referentin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Sie lebt getrennt von Thomas, mit dem sie zwei Kinder hat. Sie teilen sich die Woche, die Zeit mit den Kindern, das Kümmern und die anfallende Carearbeit.


1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
Mit unserer Trennung vor 5 Jahren haben wir die Woche und auch die Wochenenden so aufgeteilt, dass jeder die gleiche Zeit mit unseren beiden Kindern verbringen kann. Das bedeutet, dass sich Thomas von Montag bis Mittwochmorgen um alles kümmert und ich ab Mittwochnachmittag übernehme. Die Wochenenden sind ebenfalls aufgeteilt.

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Jeder von uns kann sich gut auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren, sei es die CareArbeit oder die Erwerbsarbeit. An den Care-Tagen versuchen wir beide möglichst wenig Erwerbsarbeit leisten zu müssen. Die Kinder haben beide Elternteile – trotz Trennung - gleichviel um sich. Auch wenn wir Familie nicht im klassischen Sinn leben, bekommen die Kinder aus unseren beiden Lebenswelten das Maximum mit. Das klassische Modell, in dem ein Elternteil die Kinder nur alle zwei Wochen am Wochenende erlebt, kam für uns beide nicht in Frage.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Keiner von uns kann – ohne externe Unterstützung - Vollzeit arbeiten. Thomas, der Gastronom ist, kann an CareTagen im Grunde keine Aufträge annehmen. Auch für mich bedeutet das Modell, dass ich ab Mittwoch im Job – auch gedanklich – nicht mehr voll flexibel bin. Wir haben keine gemeinsame Zeiten mit den Kindern, können das Modell also nur leben, weil wir getrennt sind und trotzdem gut miteinander auskommen. Familienzeit gäbe es in diesem Modell unter „normalen Umständen“ also nur an den Wochenenden.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Ehrlich gesagt denke ich manchmal, dass es so ist. Es geht sehr viel Zeit für Abstimmungen drauf (wobei die Neuen Medien und so manche App  das mittlerweile erheblich erleichtern…). Wer kauft die Geschenke, wer sorgt für die Kleidung?

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Wenn eine dringende berufliche Aufgabe auf einen CareTag fällt. Wenn ein Kind krank wird. Wir haben keine Eltern mehr und müssen dann Kindermädchen, Leihomi oder die Eltern anderer Kinder organisieren oder Tage tauschen. Alle Störungen unserer Regel lösen eine große Orga-Welle aus!

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Bevor unsere beiden Kinder geboren wurden, hat jeder weitgehend für sich selbst gesorgt, die meiste Zeit hatten wir auch zwei Wohnungen und schon von daher getrennte CareBereiche.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Die CareArbeit wird planbarer. Die Bedürfnisbefriedigung der Kinder kann auch mal warten. Wir haben vereinbart, dass wir beide mit dem Ende der Grundschulzeit unseren Anteil der Erwerbsarbeit hochfahren wollen, da wir von einer größeren Selbstständigkeit der Kids ausgehen. Dann muss unser Modell neu überdacht werden.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Frau?
Einerseits: Bedauern bis Mitleid, dass ich als Mutter (!) so viel arbeiten muss und nicht so viel Zeit mit den Kindern verbringen kann.
Andererseits: Anerkennung, dass ich das alles so schaffe.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Positiv: Häufig höre ich, dass wir das Beste aus der Situation gemacht hätten (und hoffe , dass wir die CareArbeit genauso gerecht organisiert hätten, wenn wir uns nicht getrennt hätten…).

Negativ: Eine andere Freundin stellt fest: „Ist ja toll, dass sich Thomas so für seine Kinder engagiert. Das ist ja nicht selbstverständlich.“ Ich hab nur gedacht: „Das sollte aber selbstverständlich sein! Oder muss ich ihm dafür dankbar sein, dass er seine Hälfte der CareArbeit übernimmt?“ Ein anderer Bekannter stellt fest, dass unser Modell für Thomas bzw. für sein Ego eine ziemliche Herausforderung sein müsse, zugunsten der Familie bzw. der ebenfalls erwerbstätigen (meinte er „karrieregeilen“?) Frau auf Aufträge zu verzichten.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Deine Bedürfnisse sieht man dir nicht unbedingt an. Rede darüber! Es ist auch nicht verwerflich, um Hilfe zu bitten. Du musst nicht alles allein schaffen!
Die Hilfe, die du bekommst, kannst du anderer Stelle sicherlich zurückgeben…

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Mehr gute und verlässliche Ganztagsschulen.
Die Politik selbst sollte auch familienkompatibler werden. Keine ewig dauernden Sitzungen, Sitzungswochen und andere Präsenzpflichten. Die Welt hat sich verändert - das wissen auch die Wähler_innen, die eh nicht darauf achten, wie voll der Plenarsaal ist.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Auch in der Wirtschaft sollte das Bewusstsein weiter zunehmen, dass jede_r Beschäftigte nicht nur Leistungserbringer_in, sondern auch Privatmensch mit CareAufgaben ist.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Jede Stadt, jeder Ort bekommt einen CarePool, in dem sich Menschen sich treffen, die CareArbeit leisten wollen (ehrenamtlich oder bezahlt) oder einen Bedarf daran haben. In Bedarfssituationen bzw. dann, wenn die normalerweile Zuständigen ausfallen, kann schnell Hilfe vermittelt werden.

Stefanie und Tobias leben mit ihren beiden Kindern (4 Jahre und 2 Monate) in Berlin. Über ihre Erfahrungen mit Equal Care berichten sie in ihrem Buch „Papa kann auch stillen“ (Goldmann).

Foto: Urban Zintel

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt?
50/50

Gibt es feste Zuständigkeiten?
Kaum

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf?
Aus Prinzip, damit alle was von allem haben, weil wir wollen, dass unsere Kinder mehrere enge Bezugspersonen haben, weil wir nicht wollen, dass eine*r von uns durch längere Auszeit keinen anspruchsvollen Job mehr ausüben darf.

Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Mehr Freiheiten für beide, weil Kinder zwischen uns nicht unterscheiden. Mehr Sicherheit, weil beide fest im Job stehen. Mehr Möglichkeiten zum Austausch, weil wir beide arbeiten und auch über Berufliches Leben sprechen können. Equal Care bedeutet ein Leben, in dem Intellekt, Emotionen und Sozialleben für uns beide gleichermaßen angesprochen werden. Für beide.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Mehr Absprachen, wir verzichten momentan beide auf eine klassische Karriere, weil die leider 40+ Arbeitsstunden bedeuten würde.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Vielleicht, haben wir noch nie so gemacht, deswegen können wir da nichts zu sagen. Wir vermuten, dass wenn sich der Alltag auf diese Weise trennt, hat man einfach weniger Gemeinsamkeiten.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Bisher gar nicht.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt?
Zwei Kinder (4 Jahre und 3 Monate)

Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Nein, sie ist nur insgesamt mehr geworden.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder?
Das erste Jahr ist das schwierigste, weil wir da keine außerhäusige Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Danach wird es signifikant leichter, weil die Freiräume für beide größer werden.

Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Nein

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann*?
TS: Manchmal Anerkennung, oft Gleichgültigkeit (vor allem in meiner Generation).

/ bzw. als Frau*
SL: Verschiedene Reaktionen: 1.) Ist doch normal. 2.) Werde von anderen Frauen beglückwünscht zu diesem außergewöhnlichen Mann 3.) Ob ich total verantwortungslos bin, nach zwei Monaten wieder arbeiten zu gehen ???

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
SL: - Mir wurde vor meiner ersten Schwangerschaft von einer Person, die mich nicht gut kennt, gesagt, dass es mit der gleichberechtigten Arbeitsteilung sowieso nichts werden würde, da ich als Mutter mein Kind nicht mehr hergeben könne.
+ Equal Care: Das passt zu dir, ihr macht das bestimmt toll.
TS: + Aus der Generation über/vor mir kommen durchweg positive Reaktionen. Ein Allensbach-Forscher zum Thema Vereinbarkeit fand es toll, wir wir das machen, er selbst war vollkommen dem Ernährermodell verpflichtet.
- Dass man damit kein Geld verdienen kann, höre ich leider immer wieder. Gute Idee, ja, passt aber nicht in die Welt.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Bleib so wie du bist.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
SL: Lohnausgleich für Arbeitszeitverkürzung, flächendeckende kostenlose und sehr gute Betreuungsmöglichkeiten auch für Schulkinder.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
SL: Stereotype Geschlechterrollen reflektieren und aktiv bekämpfen. Dass die berufliche Diskriminierung von Menschen, die Care-Arbeit leisten, endlich aufhört.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Eine*n Babysitter*in.

Patricia Cammarata ist Projekt-Managerin, Autorin und Bloggerin. Sie lebt ebenfalls mit zwei Schulkindern in Berlin. Sie genießt den Luxus alle zwei Wochen kinderfrei zu haben. Denn da sind die Kinder beim leiblichen Vater. Ab und zu macht sie Urlaub in Marcus Wohnung. Da hat sie noch nie gewaschen oder geputzt.

Marcus Richter ist Radiojournalist und Moderator mit Schwerpunkt Technik, Netz und Games. Er lebt in Berlin als Bonuselter einer Familie mit zwei Schulkindern, auch wenn er nach wie vor eine eigene Wohnung hat.

Patricia Cammarata (rechts, ohne Bart) und Marcus Richter (links)

 

1.    Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Patricia: Es gibt keine festen Zuständigkeiten – bestenfalls sowas wie Gewohnheiten. Ich für meinen Teil versuche aber aktiv immer wieder Dinge zu übernehmen, bei denen ich sehe, dass sie mein Partner öfter macht als ich. Selbst wenn es sowas banales ist, wie Mülleimer runterbringen.
Bei manchen Sachen tauschen wir aktiv gegen die Klischees. Ich versuche z.B. alle handwerklichen Dinge mit den Kindern gemeinsam zu machen und der Freund macht der Tochter die Flechtfrisuren oder kocht. 

Marcus: Wenn wir zusammen sind und die Kinder haben – was nicht immer der Fall ist, weil wir getrennt leben – und die Kinder manchmal beim Ex-Partner sind, versuchen wir uns alles zu teilen.

2.    Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

 Marcus: Ich tue mich ehrlich gesagt mit dem Begriff “CareArbeit” schwer. Wir sind halt ein Familienverband von vier Leuten, wo zwei mehr Verantwortung tragen können und wollen als die anderen beiden. Das dann alle Arbeit möglichst gleich aufgeteilt wird, hat den Vorteil, dass die schweren Sachen weniger belasten, die schönen Sachen mehr Spaß machen und man insgesamt mehr Zeit für alles andere hat.
Patricia: Ich weiß gar nicht, ob es um Vorteile geht. Es geht mir v.a. um Gerechtigkeit. Es gibt in der Familienarbeit so vieles, was anstrengend ist. Ich möchte das meinem Partner nicht alleine zumuten und ich möchte auf der anderen Seite auch nicht alleine zuständig sein.
Mir macht ja v.a. der Kleinkram zu schaffen. Zettel aus der Schule unterschreiben, Termine merken, Fingernägel schneiden, überlegen, was man abends isst, Kuchen fürs Kindergartenbuffet backen, an Wechselwäsche denken, rechtzeitig Winterschuhe kaufen etc.
Wenn ich das alles alleine mache, dann beschwert mich das. Diese ganzen Aufgaben zu teilen, die Verantwortung dafür zu teilen, ist sehr wohltuend.

3.    Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

 Marcus: Durch die Patchwork-Situation und weil ich erst relativ spät dazu gekommen bin, fällt es nicht immer einfach, alles genau aufzuteilen. Bei manchen Sachen fällt es schwer gewohnte Muster abzulegen oder sich darauf zu verlassen, dass man jetzt zu viert ist – das gilt in der einen oder anderen Form für alle Beteiligten – die Großen und die Kleinen.
Patricia: Nachteile gibt es in dem Sinne keine. Vielleicht dass ich mich manchmal überwinden muss, Dinge zu tun, auf die ich gar keine Lust habe, wie z.B Auto fahren oder putzen. Aber dann stimmt es mich eben sehr versöhnlich zu wissen, dass mir fast die Hälfte davon erspart bleibt, weil mein Partner, seinen Anteil auch übernimmt.
Schwierigkeiten sehe ich v.a. darin, dass der Alltag ein ständiges Jonglieren und Kommunizieren erfordert.
Das ist manchmal sehr mühsam. Man muss sich absprechen, offen für alternative Lösungen sein. Ich habe oft feste Vorstellungen von gut und richtig und muss dann sehen, dass es viele völlig gleichwertige Umsetzungen gibt. Nur die muss man eben ausdisktieren.
Es ist für mich persönlich Fall weniger Zeit insgesamt da. Das fällt manchmal auf und manchmal schwer, aber stellt sich als Planungs-, Organisations- und Verhandlungssache heraus.

4.    Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Marcus: Zum Teil ist das ja so: Dadurch, dass ich eine eigene Wohnung habe und es zwei Erziehungsberechtigte für die Kinder gibt, ist es für viele Sachen so, dass ich, wenn sie anfallen vielleicht nicht verfügbar sind oder zwar meine Meinung sagen, aber kein letztliches Mitbestimmungsrecht habe.
Patricia: Doch, das wäre total praktisch. Nur leider auch unzumutbar.

5.    Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Marcus: Siehe 4. Was ich noch als schwierig empfinde: Ich kann theoretisch jederzeit sagen “Ich kann heute Abend nicht, ich habe einen Termin”. Ich würde das auch gerne umgedreht anbieten, aber das ist schwieriger realisierbar.
Und ganz konkret: Wäsche waschen wird wohl so lange getrennt bleiben, wie es getrennte Haushalte gibt.
Patricia: Wir haben getrennte Wohnungen. Zu 80% leben wir gemeinsam mit den Kindern in meiner Wohnung. 15% leben wir getrennt und 5% leben wir in der Wohnung meines Partners.
Ich war es sehr gewohnt alles zu machen und mich verantwortlich zu fühlen. Manchmal muss mein Partner sich sehr „aufdrängen“ um seinen Anteil machen zu können. Ich glaube, das ist gelegentlich schwer.
Z.B. wenn ich krank bin. Ich glaube, dann muss man mich fast ins Zimmer sperren, damit ich nicht trotzdem weiter arbeite.
Wenn die Kinder krank sind, dann ist es für mich auch schwer, auszuhalten, dass sie sich bei meinem Partner auch wohl fühlen und gut aufgehoben sind, wenn ich z.B. erwerbstätig arbeite…

6.    Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Patricia: Da wir uns erst vor einigen Jahren kennengelernt haben und die Kinder schon da waren, war unsere Beziehung schon immer mit Kindern.
Auf der anderen Seite haben wir aber auch regelmäßig kinderfrei, weil die Kinder auch bei ihrem leiblichen Vater sind. Die CareArbeit ist so gefühlt von 100% ich auf 65% ich – 35% Partner gegangen.

    7.    Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Marcus: Ja, aber es hat eher dazu geführt, dass wir flexibler planen können, weil die Kinder selbstständiger werden und jetzt beide in die Schule gehen, was die Bringzeiten synchronisiert und -wege verkürzt hat. Ansonsten bin ich erst seit zwei Jahren vorbei – von daher sind die Unterschiede im Gegensatz zu Eltern, die das von Anfang an machen wahrscheinlich marginal.
Patricia: Dass sich die Aufteilung geändert hat, hat bei uns weniger mit dem Älterwerden der Kinder als mit der Lebenssituation an sich zu tun.
Ich merke aber, dass ich bestimmte Kompetenzen habe, die mir mit Babys und Kleinkindern sehr hilfreich waren und dass mir bei älteren Kindern bestimmte Dinge eher schwer fallen, die meinem Partner viel leichter fallen. So z.B. die Hausaufgabenbegleitung. Da werde ich schnell ungeduldig. Ich muss da sehr an mir arbeiten, das nicht auf meinen ruhigen und gelassenen Partner „abzuwälzen“.

    8.    Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann / als Frau?

Marcus: Keine. Es gibt ab und zu generelles Feedback a la “Ihr macht das ja ganz schön zusammen.”, aber mein konkretes Tun wird – außerhalb unserer Familie – eigentlch nicht kommentiert. (Wüsste allerdings auch nicht warum.)
Patricia: Als Frau höre ich oft, was ich für ein Glück mit einem Mann habe, der sich auch um die Kinder kümmert und dann noch um den Haushalt! In der älteren Generation wird mir auch gerne zu Demut geraten oder dass ich doch lieber mal bestimmte Dinge mehr mache, damit mir mein guter Fang nicht wegläuft.
Alles, was ich mache, ist auf der anderen Seite selbstverständlich. Bzw. ich muss mich oft rechtfertigen, warum ich denn unbedingt erwerbstätig sein will.

9.    Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

 Marcus: Eine nahe Freundin hat mir mal zu Verstehen gegeben, dass ich meiner Partnerin sehr gut tue. Ich vermute mal stark, dass das auch mit der Aufteilung unseres gemeinsamen Alltags zu tun hat – das wurde allerdings nicht explizit erwähnt (haben aber die Umstände nahegelegt.)
Patricia: Siehe Frage 8. Positive Reaktionen bekomme ich v.a. von Freundinnen, die ein ähnliches Leben haben – sprich arbeiten und ein paar Kinder großziehen.

10.    Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Marcus: Mir fällt nicht wirklich was ein. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir klar: Als ich noch nicht in einer Beziehung gelebt und keine Kinder gehabt habe, habe ich kein großes Interesse an dem Thema gehabt – ich war ja nur für mich alleine verantwortlich und mir war schon immer klar, dass ich in Beziehungen gleichberechtigt leben will: Ich hatte noch nie Idee, dass automatisch jemand meine Socken wäscht, nur weil wir zusammen sind.
Patricia: Ich würde meinem jüngeren Ich eindringlich von Partnern abraten, die nicht von alleine auf die Idee kommen, dass man sich alles teilt. Eindringlich! Nimm nicht hin, dass du dich für alles verantwortlich fühlst, dass du wie selbstverständlich kochst, wäschst, planst und putzt. Keine Kompromisse in der Hinsicht. Wahrscheinlich wäre ich dann so bis 40 Single geblieben.

11.    Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Marcus:  siehe 12.
Patricia: Rahmenbedingungen, die wirklich eine freie Wahl lassen, ob man erwerbstätig ist oder Hausmann oder –frau. Lohngefälle abbauen. Elternauszeiten gestatten. Lebensarbeitszeit statt Präsenzkult unterstützen. Familienfreundliche Bedingungen in Unternehmen belohnen. Gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Auch gut bezahlte Kinderbetreuung – eine Aufwertung von Care-Berufen und auch eine gezielte Förderung von Männern in Care-Berufen.

12.    Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Marcus: Ich mache es mir mal einfach: Ich wünsche mir, dass beide alles dafür mögliche tun, damit Familien in Zukunft genau das Arbeitsaufteilungsmodell wählen können, dass ihnen gefällt und sie sich nicht in eins hineinfügen müssen, dass ihnen durch Sachzwänge vorgegeben wird.
Patricia: Vorbild sein. Ordentliche Meetingzeiten (zw. 10 und 14 Uhr). Den Blick auf die ganze Lebensspanne richten. Sehen, dass es Zeiten gibt, in denen man viel arbeiten kann und will und dass es Strecken gibt, in denen das nicht möglich ist.
Über kreative Lösungen nachdenken, die gleiche Aufteilung aller Arbeiten ermöglichen.

    13.    Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Marcus:  Weniger Geschichten über andere Männer hören zu müssen, die es als ganz normal ansehen, dass jemand anders die Arbeit macht.
Patricia: Dass er so bleibt und ich das Aushandeln und Kommunizieren immer besser lerne. Dass ich meine Wertschätzung für das was mein Partner tut, ausreichend zum Ausdruck bringen kann und dass ich noch besser lerne Aufgaben abzugeben OHNE mich dabei schlecht zu fühlen (wozu mein Partner am allerwenigsten kann. Da geht es eher um Erziehung und Rollenklischees abschütteln).

Elisa ist 34 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann (34) und zwei Töchtern (die ältere 2 Jahre, die jüngere 6 Monate alt) in Hamburg. Sowohl sie als auch ihr Mann arbeiten fest und voll angestellt im Mediensektor.

1.    Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Grundsätzlich machen wir beide alles. Es gibt ganz wenige Ausnahmen bei denen es feste Zuständigkeiten gibt: Stillen mache ich, Kinder-Nägel schneiden und Messer schärfen er, die Nachtschichten bei der Jüngeren ich, die bei der Älteren macht er. Beim Kümmern um Kinderkleidung (aussortieren, neue einsortieren) habe ich die Nase vorne, bei der Kinder-Körperpflege (“Mh, die Kinder könnten man wieder Baden” oder “die Haut ist rau, da cremen wir jetzt) eher er. Aber da sind die Grenzen schon fließend, Wäsche waschen, aufhängen, abhängen und einräumen machen wir beide.
Aktuell bin ich mit unserer Jüngeren in Elternzeit und mache daher mehr zuhause, wenn sie 7 Monate alt wird, übergebe ich das Elternzeitstaffelholz für die zweite Elternzeit-Hälfte an meinen Mann. Bei der Älteren haben wir das schon genauso gemacht.

2.    Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Wir machen das, weil wir beiden auf die meisten der Tätigkeiten nicht so wahnsinnig viel Lust haben. Also muss sich da nicht eine/r alleine drum kümmern. So haben wir beide in etwa gleich viel Zeit übrig für andere Dinge, die uns mehr Spaß machen, dazu zähle ich auch Verwirklichung und Weiterkommen im Beruf. Hier können wir uns beide engagieren.
Da wir beide wissen, was es bedeutet, die Küche aufzuräumen, zusammen mit den Kindern einen Großeinkauf zu machen oder zwei Ladungen Wäsche abzunehmen und wegzuräumen, können wir es beide viel besser wertschätzen, wenn der/die andere es macht. Ich glaube, so sagen wir eher von Herzen: “Danke, super, dass du das gerade gemacht hast” oder haben nach schlechten Nächten und vollen Windeln Mitgefühl für den/die andere/n.
Ein anderer Vorteil ist auch, dass nicht alles zusammenbricht, wenn eine/r mal wegen Krankheit oder privater oder geschäftlicher Reise nicht da ist. Der/die andere kommt dann mit allem gut klar.

3.    Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Ein großer Nachteil ist, dass wir viel mehr absprechen und organisieren müssen. Zum einen, damit alles Notwendige (richtig) passiert und zum anderen, damit die Aufgaben fair verteilt bleiben. Wir haben hierfür verschiedene Hilfsmittel im Einsatz: Im Kinderkleiderschrank ist alles beschriftet, ebenso die Haken im Bad, wir haben unsere Kalender gegenseitig freigegeben und für gemeinsame Termine oder welche der Kinder pflegen wir einen gemeinsamen Kalender, wir pflegen eine gemeinsame Einkaufsliste in einer App, dort haben wir auch einige weitere gemeinsame Listen: Dinge, die wir uns wünschen, wenn mal jemand fragt, oder auch eine Packliste für Reisen mit Kindern. Ein großes Todo-Kanban-Board hängt mit anderen Aufgaben hier rum und wir versuchen ein wöchentliches Weekly davor zu machen um die Todos und nächsten Termine zu besprechen. Wenn wir beide arbeiten, nutzen wir das Weekly auch um abzustimmen, wer an welchem Tag in die Kita bringt oder abholt.

4.    Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Klar, wäre das praktischer, v.a. für die Person, die sich dann um nichts mehr als ihre Erwerbsarbeit kümmern müsste. Aber es würde uns als Paar und als Familie weniger glücklich machen. Und darum geht es doch.

5.    Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Geschlechtsspezifische Stereotype sitzen sehr tief. Daher habe ich bei einigen Dinge schon das Gefühl, dass ich sie eher sehe und auf dem Zettel habe: Geschenke, Mitbringsel, Spielzeug. Aus irgendwelchen Gründen höre und verstehe ich die Kleinkind-Tochter auch besser als mein Mann weshalb ich schon mal schneller auf ihre Wünsche und Bedürfnisse reagiere.
Wenn wir Besuch haben oder bei anderen sind, die sich dann mit um die Kinder kümmern, dann werde viel eher ich angesprochen und entscheide dann auch, bzw. bekomme überhaupt mit, dass es bestimmte Fragestellungen gibt. Z.B. “Wo hast du denn XY in deiner Küche?” Oder “Wir wollen rausgehen, was soll das Kind denn anziehen?” Oder “Wollen wir gegen den Schnupfen XY machen?” Oder “Sollen wir in der Ferienwohnungen Bettwäsche mitbuchen?”.

6.    Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Durch die Kinder ist es vor allem viel mehr CareArbeit geworden. Die faire Aufteilung führt im Moment mit zwei so kleinen Kinder eher weniger dazu, dass wir gleich viel Zeit für Dinge haben, die Spaß machen, sondern, dazu, dass es nicht eine CareArbeits-Person gibt, die ständig am Nervenzusammenbruch und der totalen Erschöpfung agiert. Daran, dass die Kinder nicht zu einer Umverteilung von CareArbeit führen, arbeiten wir intensiv und stetig.

7.    Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

So alt sind die Kinder noch nicht, dass sich diese Frage stellt. Interessant ist aber zu sehen, dass es schwerer ist, sich um das zweite Kind hälftig zu kümmern, weil ja das erste noch da ist und wir ganz schnell und ganz oft den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind: Mama (und v.a. ihre Brüste) das jüngere und Papa das ältere Kind. Hoffentlich bügelt die Elternzeit meines Mannes das wieder aus.

8.    Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/Frau?

Wenn ich von der hälftigen Aufteilung der Elternzeit erzähle (das ist ja auch das prägnanteste), dann sagen eigentlich immer alle “Toll, dass das bei deinem Mann geht”. Und da sage ich immer, dass das ein Rechtsanspruch ist und, dass der Arbeitgeber meines Mannes nicht gerade begeistert war. Aber, wenn wir mal ehrlich sind, war mein Arbeitsgeber das auch nicht, als ich von meiner anstehenden Elternzeit erzählt habe. Elternzeit ist eben nicht karrierefördernd, weder für Väter noch für Mütter.
Was ich dann noch manchmal denke, ist, schade, dass niemand sagt, dass das toll ist, dass ich mich um jede meiner Töchter jeweils sieben Monate mehr oder weniger alleine kümmere.

9.    Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Vor der Geburt meiner ersten Tochter haben verschiedene Leute, und darunter am hartnäckigsten ein kinderloser männlicher Single und ein Vater, dessen Frau zuhause den ganzen Laden schmeißt, mir abgesprochen, dass ich zu dem Zeitpunkt entscheiden konnte, dass ich sieben Monate nach der Geburt wieder voll in meinen Beruf einsteigen will. Die beiden, und andere, wussten sehr genau, was ich dann “als Mutter” will und, dass das nicht arbeiten sein wird, war ihnen völlig klar. Das fand ich schon ziemlich übergriffig.
Bei positiven Reaktionen ist es so, dass sich ein bestimmtes Gespräch oft wiederholt. Wenn ich älteren Müttern, die inzwischen mit (fast) erwachsenen Kindern wieder voll im Beruf sind, sei es Kolleginnen, einer Krankengymnastin oder einer Busbekanntschaft, von unserer Aufteilung erzähle, dann sagen sie immer, wie toll das ist und wie richtig wir das machen. Und während gleichaltrige Mütter häufig tolle Begründungen parat haben, warum ihre Männer das so nicht könnten, berichten diese älteren Mütter zum einen, wie hart das ist, sich alleine zu kümmern, und zum anderen wie sehr sich die Väter ihrer Kinder (oft sind das auch nicht mehr die eigenen Männer) vor dieser Verantwortung gedrückt haben. Das bestärkt mich in unserer Entscheidung.

10.    Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Reden, reden, reden. Alles genau beobachten (wer macht was? Was “muss” gemacht werden?) Alles in Frage stellen und immer wieder drüber reden.

11.    Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Familien mit Kindern zu fördern sollten so umgestaltet werden, dass sie nicht das Versorgermodell bevorzugen. Das heißt unter Anderem Abschaffung des Ehegattensplittings zugunsten eines Familiensplittings.
Dann gibt es noch ein paar Ziele für die passende Maßnahmen erdacht und umgesetzt werden müssten: Beide Eltern kleinerer Kinder sollten ohne Karriere- oder Geldeinbußen (letzteres v.a. Im Bereich der s.g. Geringverdiener) nicht mehr als 30 h/Woche arbeiten müssen, klassische “Frauenberufe” müssen besser bezahlt werden, Elternzeit beider Eltern muss auch bei Familien möglich sein, bei denen nicht beide ganz gut und geregelt verdienen (Stichwort: Selbstständige, Stipendiaten, Geringverdiener/innen, ungleiche Gehaltsverteilung innerhalb der Partnerschaft).

12.    Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Medienschaffende und Werbetreibende mögen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und damit aufhören antiquierten geschlechtsstereotypen Quatsch zu verbreiten. Kein Mensch braucht noch eine Werbung in der Mama Mann und Kinder bekümmert, stattdessen brauchen wir mehr Bilderbücher für Kleinkinder in denen auch ein Tierpapa sein Kind tröstet.

13.    Was wünschst Du Dir konkret für  Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Ich wünsche mir, dass es ein bißchen weniger CareArbeit in unserer Kleinfamilie wird, z.B indem die Kinder durchschlafen oder die Ältere sich dazu durchringt in die Toilette statt in die Windel zu machen 😉

Jochen König ist Autor und lebt mit seinen Töchtern in Berlin.

Jochen König

Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Meine Kinder leben jeweils etwa zur Hälfte mit mir in einem Haushalt und zur anderen Hälfte bei ihren jeweiligen Müttern. Wir haben eine feste Aufteilung, die sich alle 14 Tage wiederholt. Sind die Kinder bei mir, bin ich für alles alleine verantwortlich. Die Mütter in ihren Haushalten ebenfalls. Die Kinder haben jeweils zwei voll eingerichtete Kinderzimmer. Das bedeutet, dass wir die alltägliche Care-Arbeit zwangsläufig zu annähernd gleichen Teilen aufteilen. Wenn ein Kind krank wird, bleibt die Person zuhause, bei der sich das Kind gerade aufhält. Und auch die unregelmäßigen, nicht an einen Haushalt gebundenen Aufgaben (Winterjacke, Schuhe, Hausschuhe für die Kita besorgen, Arzttermine, Elternabende, größere Anschaffungen wie Kinderwagen/Laufrad/Fahrrad) teilen wir uns so gut es geht.

Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Alle Elternteile in unserer Familie wollen Zeit mit Kind verbringen. Alle Elternteile haben aber auch noch Interessen darüber hinaus, gehen Arbeiten oder freuen sich auch mal darüber, in Ruhe ausschlafen zu können. Durch unsere Aufteilung haben wir alle ein enges Verhältnis zum Kind bzw. zu den Kindern. Die Belastungen, zu denen unruhige Nächte genauso gehören wie beispielsweise finanzielle Ausgaben, werden in unserer Familie auf viele Schultern verteilt.

Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass wir uns gemeinsam für diese Aufteilung entschieden haben. Eine solche Aufteilung wie in unserer Familie benötigt viel Kommunikation, Verständigung und Kontakt. Das kann nur funktionieren, wenn wir alle gut miteinander auskommen. Die Aufteilung ist darüber hinaus in unserer Familiengeschichte historisch gewachsen, ich habe beispielsweise früher wesentlich mehr Zeit mit meiner großen Tochter verbracht und wir sind auf Wunsch vieler bzw. mit Zustimmung aller Beteiligten zu unserer jetzigen Aufteilung gekommen. Die Aufteilung wurde also zu keinem Zeitpunkt irgendwie entgegen vorheriger Praxis von außen verordnet. Ich möchte vor allem deshalb so deutlich darauf hinweisen, weil viele Männerrechtler gegen den Willen des anderen Elternteils für eine 50/50-Aufteilung streiten, obwohl es eine solche Aufteilung in der Familie vor der Trennung bzw. niemals vorher einvernehmlich gegeben hat. Ich glaube nicht, dass eine solch verordnete 50/50-Aufteilung gerecht ist, funktionieren kann und ich glaube auch nicht, dass ein solcher Kampf im Sinne des Kindes ist.

Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Wir müssen alle viel miteinander kommunizieren. Das ist manchmal mühsam und eine zusätzliche Belastung im sowieso nicht immer stressfreien Alltag. Durch die unterschiedlichen Haushalte kommt es auch immer mal zu der Situation, dass der aktuelle Lieblingspullover oder das aktuelle Lieblingsspielzeug gerade nicht da ist. Bei besonders wichtigen Dingen ist es zwar ein kleiner Aufwand aber auch problemlos möglich, schnell etwas beim anderen Teil der Familie abzuholen oder vorbei zu bringen.

Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder? Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Unsere gemeinsamen Care-Aufgaben sind erst durch die gemeinsamen Kinder entstanden. Die anfallenden Aufgaben ändern sich immer wieder, es entstehen neue Aufgaben, manche gewinnen, andere verlieren mit der Zeit an Bedeutung – nicht nur durch das Älterwerden der Kinder. Damit die Aufteilung nicht in Frage gestellt wird, müssen alle immer die (neuen) Aufgaben im Kopf behalten, für die alle zuständig sind und die nicht an einen Haushalt gebunden sind, und sich eigenständig kümmern, ohne extra darum gebeten werden zu müssen. Damit die grundsätzliche Aufteilung beibehalten werden kann, müssen alle auch beispielsweise bei einem Jobwechsel, immer darauf achten, dass der neue Job kompatibel mit unserer Aufteilung und den Abholzeiten von Kita und Schule ist.

Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann?

Mein Engagement als Vater wird von allen Seiten bejubelt. Ständig klopft mir irgendwer auf die Schulter und sagt mir, wie toll es ist, dass ich mich als Vater so viel kümmere, während gleiche Tätigkeiten von Frauen noch immer als selbstverständlich wahrgenommen werden.

Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Besonders als Mann/Vater ist es wichtig, sich von Beginn an um die anfallenden Aufgaben zu kümmern. „Equal Care“ würde ich dabei gar nicht unbedingt als Richtwert vertreten wollen. Wichtiger als eine gleiche Aufteilung der Arbeit finde ich, die Bandbreite der Entscheidungsmöglichkeiten für alle Beteiligten möglichst groß zu gestalten.

Ich wäre bei meinem ersten Kind mit einer 50/50-Aufteilung gar nicht glücklich gewesen. Und die Mutter ebenfalls nicht. Ich glaube, dass Väter bereit sein müssen, auch mehr als die Hälfte der Care-Arbeit zu erledigen. Erst dann hat die Mutter überhaupt die Möglichkeit, sich auch für eine Übernahme der Hälfte der Aufgaben zu entscheiden oder wie in unserem Fall für weniger als die Hälfte. Wofür sie sich entscheidet ist dabei weniger wichtig, als überhaupt eine Wahlmöglichkeit zu haben. In unserem Fall haben wir uns gemeinsam entschieden, dass unser Kind zu mir zieht und ich die große Mehrheit der Care-Aufgaben übernehme. Nach mittlerweile siebeneinhalb Jahren hat sich unsere Aufteilung nun zu einer annähernden 50/50-Aufteilung entwickelt.

Kerstin arbeitet als freiberufliche Regisseurin und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg.

1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Es haben sich nach einigen Jahren Zuständigkeiten von alleine etabliert, z.B. ich Wäsche und Organisiererei, er kochen und einkaufen. Fahrten zu Kindergarten und Schule und die Nachmittage im Alltag teilen wir 50:50

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Dass niemand von uns einen Nachteil hat. Eher so herum. Denn auf die Sachen im Haushalt haben wir beide nur begrenzt Lust, natürlich wird geteilt. Und selbst wenn sich Zuständigkeiten etablieren, die Zeit, die im Haushalt investiert wird ist bei beiden gleich. Die Zeit mit den Kindern wiederum wollen beide gerne haben. Aber manchmal kann eben wegen der Arbeit nur einer Zuhause sein.

3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Wir übernehmen keine Vorlage anderer Menschen oder vorheriger Generationen. Das heißt, dass wir uns besprechen und einigen müssen. Das kann auch anstrengend sein. Aber das gehört eben dazu. Letztlich sind wir sehr zufrieden, weil unsere Abmachungen unseren individuellen Wünschen, Bedürfnissen und Vorlieben entsprechen. So macht das Kümmern auch mehr Spaß.

4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Einmal in der Woche besprechen wir die kommende Woche. Das kostet 10 Minuten, ja. Aber dafür schmeißen wir das hier auf Augenhöhe und mit geteilter Verantwortung. Alles andere ist wie eine Falle, aus der man nicht mehr heraus kommt. Denn der andere hat ja den Überblick nicht und hat dadurch immer eine perfekte Ausrede. Es entstehen Abhängigkeiten, die nicht sein müssen.

5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Ich stoße an meine Grenzen, wenn es um das handwerkliche geht oder um Dinge, die viel Kraft erfordern. An meine körperlichen Grenzen, aber viel öfter noch die meines Interesses. Ich hacke weder gerne Holz noch stütze ich gerne unsere morschen Dachbalken mit einer eigens gebauten Konstruktion. Ich werkel auch nicht gerne im Motorraum. Und da wir ein sehr altes Haus besitzen und ein sehr altes Auto, fallen da viele Arbeiten an. Wenn diese Arbeiten mein Mann erledigt, bin ich automatisch für die Kinder da. Andererseits haben wir auch Großeltern in der Nähe, so dass ich Freiräume haben kann, wenn viele Arbeiten an Haus und Auto anstehen. Manches machen wir dann auch gemeinsam zu zweit.

6. Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Ja, die Zuständigkeiten haben sich etabliert. Das Zusammenspiel musste sich ökonomisieren und dann kam das von ganz alleine.

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Unsere Umstrukturierungen hingen eher mit wechselnden beruflichen Phasen zusammen und weniger mit dem Älterwerden der Kinder. Aber schon auch. Abstillen ist ein Wendepunkt. Und dann auch die Selbstständigkeit der Kinder. Sie haben mittlerweile erste eigene Aufgaben im Haushalt.

8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann/
bzw. Frau?

Aus meiner Beobachtung bekommt mein Mann immer mal wieder Anerkennung und Lob, dass er mir ermöglicht, auch zu arbeiten. Ich bekomme so etwas nie zu hören. Ab und zu bin ich blockweise ganz weg und arbeite in einer anderen Stadt. Das Umfeld reagiert dann mitleidig, als wäre es eine Zumutung für Mutter und Kinder, wenn der Vater eine Weile übernimmt. Es geht aber weniger darum, dass sie dem Vater Kompetenzen absprechen, sondern mehr darum, dass von der Mutter eine Allgegenwärtigkeit erwartet wird.

Die Kommentare kommen von anderen Müttern oder sogar von der Verkäuferin an der Käsetheke, wenn ich ausnahmsweise einkaufen gehe, was sonst mein Mann macht: (abfällige Tonlage) „Ach, lerne ich die Mutter auch mal kennen“. Ein anderes Thema ist, dass mir in meinem Berufsumfeld ab und an allen Ernstes geraten wird, mit meiner Weiblichkeit zu kokettieren. Doch das ist sicher nicht der Weg, durch den ich beruflich vorwärts kommen möchte.

9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

Ab und zu werde ich von Kollegen gelobt, die staunen, was ich alles unter einen Hut bekomme.

10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Seine Sprache zu überdenken, besonders die Sprache, die man Kindern gegenüber benutzt. Letztens sagte eine Schuhverkäuferin, als ich für meinen 7 jährigen Sohn Hausschuhe kaufen wollte, dass sie keine mehr in seiner Größe habe. Ich sagte dann: „Doch, diese roten sind doch in seiner Größe“. Sie antwortete vor meinem Sohn: „Ich hatte nur nach Jungsfarben geschaut“.
All diese kleinen Zuweisungen verstärken die Geschlechterklischees und erschweren den Kindern außerordentlich den Zugang zum Bereich des Kümmerns, weil er angeblich weiblich ist. So wie die Farbe rot (eigentlich alles was nicht blau oder grün oder schwarz oder braun ist) für die Welt der Frauen vorbehalten ist.

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

Bessere Ausbildung der Erzieher/innen, die den Kindern das Stecken in Schubladen ersparen.

12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

Dass niemals vorformuliert wird, ob etwas für Jungs oder für Mädchen ist (Spielzeug, Sportarten etc.)

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Ich wünschte, meine Kinder würden weniger mit unüberdachten Zuweisungen konfrontiert werden. Und ich wünschte, die Männer würden aufhören zu sagen „Dein Mann kann das, weil er Lehrer ist, in meinem Beruf ginge das nicht“, sondern sich für Elternzeit und Stundenreduzierung einsetzen.