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Ihr seid ein Paar bzw. Du lebst in einem Haushalt, in dem sich alle für die alltäglich anfallende Care Arbeit (Kinder, Küche, Kleidung, Krankheit, Klo…) zuständig fühlen und um eine faire Aufteilung bemüht sind?

Wir wollen am Equal Care Day 2017 (weil es kein Schaltjahr ist, fällt er dieses Mal auf den 1.März) zeigen, dass Equal Care möglich ist. Wir wollen Menschen vorstellen, die Equal Care leben, und Eure ganz individuelle Umsetzung im Alltag kennenlernen. Mit Hilfe der untenstehenden Fragen möchten wir erfahren, wie Dein Equal Care Alltag aussieht, welche Schwierigkeiten und welche Vorteile diese Aufteilung mit sich bringt, welche Fragen damit verbunden sind, und was Deiner Meinung nach Politiker*innen bei den Themen Vereinbarkeit, Pflege und GenderCareGap übersehen.

Am 1. März 2017 werden wir möglichst viele Menschen mit ihren Antworten >hier< vorstellen und auf ihre Seiten und Blogs verlinken. Deshalb freuen wir uns, wenn Dich das Thema interessiert.

Wer mag, kann unter http://equalcareday.de/fragen-zum-equal-care-day/ nachlesen, um ins Thema und in ein Gespräch darüber reinzukommen.

Unsere Fragen gibt es als pdf-Datei zum Download: *klick*

Hashtag: #equalcareday

Falls Du Dich mit den Fragen in einem Blogpost befasst hast, bitte gerne den Link hier in die Kommentare posten.

Vielen Dank und schöne Grüße

schickt

das Equal Care Day-Team

 

Fragen zu Deinem Equal Care Alltag:

  1. Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
  2. Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
  3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
  4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
  5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
  6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
  7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
  8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann*  ☐ /
    bzw. als Frau* ☐ ?
  9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
  10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
  11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
  12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
  13. Was wünschst Du Dir konkret für  Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

2017-equalcareday-fragebogen

Falls Du selbst bloggst und anlässlich des Equal Care Day 2017 über Carearbeit schreibst oder andere Wege hast, auf das Thema aufmerksam zu machen, dann freuen wir uns, wenn Du es mit dem Hashtag #equalcareday verknüpfst und andere einlädst, sich mit den o.g. Fragen auseinanderzusetzen. - Vielen Dank!

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Gastbeitrag von Tine Haubner

Foto , cc by Oiluj Samall Zeid
Foto , cc by Oiluj Samall Zeid

Angehörige stemmen in der BRD nach wie vor den Großteil häuslicher Pflegearbeit: 2013 wurden mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen (das entspricht 71% oder 1,86 Millionen) häuslich versorgt, davon 47% ausschließlich informell durch Angehörige und 23% in einer Kombination aus ambulanten Diensten und Angehörigen (Statistisches Bundesamt 2015). Die Angehörigen können dabei nicht nur als „größter Pflegedienst der Nation“ (vgl. Klie 2014), sondern vor allem als kostengünstigster Anbieter pflegerischer Versorgungsdienstleistungen gelten ─ und sie sind überwiegend Frauen. Die Mehrheit der pflegenden Angehörigen ist weiblich, zwischen 40 und 64 Jahre alt, verheiratet, durchschnittlich mindestens 20 und bis zu 40 Stunden pro Woche in die Pflege eingebunden und pflegt im Schnitt zwischen fünf und acht Jahre lang. Mehr als die Hälfte versucht dabei, Erwerbsarbeit und Pflege zu vereinbaren ─ ein Anspruch, der einer Quadratur des Kreises gleicht, denn mit einem wöchentlichen Zeitaufwand von bis zu 84 Stunden entspricht die häusliche Pflege mitunter sogar mehr als einer Vollzeiterwerbstätigkeit (Blinkert/Klie 2006).

Gesundheitliche Belastung und Armutsrisiko

Die Übernahme von Pflegeverantwortung ist deshalb für viele Frauen mit dem vollständigen Abbruch der Erwerbstätigkeit und Inkaufnahme finanzieller Nachteile verbunden, vor allem wenn es um die zeit- und kraftzehrende Betreuung demenzkranker Angehöriger geht, die nur minimal mit Leistungen der Pflegeversicherung „ergänzt“ wird. Zu diesen arbeitsmarktbezogenen Nachteilen kommt, dass pflegende Angehörige zahlreichen Gesundheitsbelastungen ausgesetzt sind: Sie klagen über eine Schwächung des Immunsystems, die Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, leiden unter depressiven Symptomen und Beziehungsproblemen und weisen insgesamt mehr körperliche und psychische Beschwerden auf als die Durchschnittsbevölkerung (vgl. Fringer 2011). Frauen pflegen dabei nicht nur am häufigsten, sondern sind im Vergleich mit pflegenden Männern stärker belastet und erleben subjektiv auch mehr Stress. Häusliche Pflege zu übernehmen, bedeutet also insbesondere für Frauen, sich enormen Belastungen auszusetzen und nicht selten Armut zu riskieren.

und was unternimmt der Staat?

Einem „aktivierenden Staat“, der an einer Geringhaltung der Pflegekosten interessiert ist, kommt diese „privatistische Pflegekultur“ (Evers 1997) äußerst entgegen. Aus diesem Grund sucht er unter dem Druck von demographischem Wandel und Fachkräftemangel, die Pflegeübernahme von Angehörigen, Freunden, Nachbarn, Ehrenamtlichen ─ kurzum möglichst kostengünstigen „guten Geistern“ ─ verstärkt zu fördern (Dyk et al. 2016). Um dieses „informelle Pflegepotenzial“ zu erhalten und auszubauen, wird nämlich vom Gesetzgeber eine bemerkenswerte Wahlfreiheit in Bezug auf materielle Anreize und professionelle Entlastung geboten. So besteht für Leistungsberechtigte der Pflegeversicherung eine für die Gesundheitsversorgung beispiellose Option: Sie können zwischen Sachleistungen, Geldleistungen oder einer Kombination beider wählen. Auf der anderen Seite wurden systematische Zugangsbeschränkungen in Bezug auf die vollstationäre Pflege erlassen. So werden Leistungen für eine vollstationäre Versorgung nur dann gewährt, wenn häusliche Versorgung nicht möglich ist, außerdem müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung privat getragen werden und die familiären Hilfeleistungen gelten gegenüber der Inanspruchnahme sozialer Dienste als „obligatorisch“. Trotz Wahlfreiheiten entscheidet sich allerdings noch immer die Mehrheit der pflegenden Angehörigen für Geldleistungen und das, obwohl deren Wert nur beinahe die Hälfte der gewährten Sachleistungen beträgt. Warum ist das so? Weil u.a. die Pflegeversicherung als Teilkaskoleistung nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten übernimmt und weil sich die pflegerische Versorgung von Menschen nicht in modularisierter Minutenpflege erschöpft.

Es sind demnach nicht nur das vierte Gebot und eine geschlechtsspezifische Rollenverteilung, die überwiegend weibliche Angehörige zur Pflegeübernahme motivieren, sondern schlicht finanziell bedingte und dem jeweiligen Pflegebedarf korrespondierende Zwänge, die aus politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen resultieren. Häusliche Pflege durch Angehörige ist damit nicht nur ein weiteres Beispielterrain geschlechtsspezifisch ungleich verteilter häuslicher Sorgearbeit. Sie verdeutlicht zudem den Einfluss eines nationalspezifisch „konservativen“ Pflegeregimes, welches die steigenden Pflegebedarfe einer alternden Bevölkerung noch immer erfolgreich in die Obhut privater Haushalte, und dabei überwiegend an Frauen, delegiert.

Tine Haubner arbeitet am soziologischen Institut in Jena, wo sie u.a. zu Sorgearbeit und ihrer Krise lehrt und forscht.

Daneben engagiert sie sich im bundesweiten Netzwerk Care Revolution.


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Literatur:
Evers, Adalbert (1997): Geld oder Dienste? Zur Wahl und Verwendung von Geldleistungen im Rahmen der Pflegeversicherung. In: WSI Mitteilungen. 7. S. 510-518.

Statistisches Bundesamt (2015b): Pflegestatistik 2013. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung. Deutschlandergebnisse. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/
Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001139004.pdf?__blob=publicationFile Abrufdatum: 21.03.2016.

Klie, Thomas (2014): Wen kümmern die Alten? Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft. München: Pattloch.

Blinkert, Baldo/Klie, Thomas (2006): Die Zeiten der Pflege. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 39. S. 202-210.

Fringer, André (2011): Pflegenden Angehörigen ehrenamtlich helfen. Bürgerschaftliches Engagement im Spannungsfeld öffentlicher Interessen. Marburg: Tectum.

Dyk, Silke v./Dowling, Emma/Haubner, Tine (2016): Für ein rebellisches Engagement. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 2. S. 37-40.