Equal Care Day

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Liebe Equal Care Day - Interessierte und -Aktive,


keine zwei Wochen mehr sind es bis zur #EqualCareDay-Konferenz in Bonn. Und jeden Tag gehen Mails bei uns ein; sie kommen aus unterschiedlichen Städten, in denen sich Gruppen, Verbände und Vereine mit eigenen Aktionen am ECD beteiligen. Das ist ganz wunderbar vor dem Hintergrund, dass es den Tag dieses Jahr zum ersten Mal als bundesweite Initiative gibt! In so kurzer Zeit hat sich unsere Idee weiterverbreitet! Das macht uns stolz und dankbar!Als wir 2015 überlegt hatten, einen 'Equal Care Day' ins Leben zu rufen, wurden wir belächelt. Und das klingt fast, als wäre es erfunden, so selbstverständlich ist es heute, öffentlich auf den CareGap aufmerksam zu machen, sich zu vernetzen, Lösungen zu suchen. Aber 2015 gab es diesen Konsens noch nicht. 2015 gab es auch noch keine offizielle Berechnung eines CareGap in Deutschland (Zahlen zum privaten CareGap lieferte das BMFSFJ im 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 2017), und so war auch der Begriff 'Care' wenig geläufig. - Zugegeben, auch heute besteht großer Erklärungsbedarf, kein Sprechen über Care, ohne erst die Definition einbauen zu müssen, kein Artikel über den CareGap, ohne dass in den Kommentarspalten auf individueller Ebene widersprochen würde. Als ob ein "Also bei uns ist das anders!" Argument sein könnte gegen die Ungleichheits-Studie von Oxfam und die Tatsache, dass Sorgearbeit immernoch weiblich konnotiert ist und Kinder diese Zuordnung zuhause und in Kitas sehen und übernehmen.

Diese Ungleichheit basiert auf einem engen Rollenverständnis und einer Geschlechterhierarchie, die weltweit zu einer massiven Benachteiligung von Mädchen und Frauen führt - der CareGap ist kein deutsches Problem. Ganz im Gegenteil: sobald Care-Arbeit ausgelagert wird, wird klar, wie eng der CareGap verzahnt ist mit anderen Missständen: Wer kümmert sich um die Kinder oder Eltern einer Betreuerin, die bei fremden Familien einzieht, um sich um deren pflegebedürftige Eltern zu kümmern? Und wer hat mehr Zeit zu lernen, sich fortzubilden, beruflich Fuß zu fassen, Geld zu verdienen, wenn es überwiegend Mädchen und Frauen sind, denen die (unbezahlte) Kümmer-Arbeit zugewiesen wird?!

Das Manifest-Team in Bonn

Deshalb freuen wir uns, mit dem Berliner Team von Oxfam e.V. auch inhaltliche Unterstützung unserer Anliegen gefunden zu haben: Mara Brückner, Kampagnenkoordinatorin Soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland e.V. ist Teil unseres Manifest-Teams am 29.2. in Bonn. Und zu diesem Team gehören auch Angela Häußler, Haushaltswissenschaftlerin und Professorin an der PH Heidelberg, Uta Meier-Gräwe, die 24 Jahre als Familien- und Haushaltswissenschaftlerin an der Uni Gießen tägig war und am zweiten Gleichstellungsbericht des BMFSFJ mitgewirkt hat. Außerdem Bettina Metz, Geschäftsführerin bei UN Women Deutschland. Das nationale Kommitte der UN Women Deutschland ist in Vorbereitung des 25-jährigen Jubiläums der Pekinger Erklärungs- und Aktionsplattform, in der 1995 die Maßnahmen aufgelistet wurden, die dazu beitragen sollen, die Gleichstellung der Frau voranzutreiben. Auch hier spielt der CareGap eine wesentliche Rolle.

Mit dem Ziel, private und professionelle Care-Arbeit gemeinsam zu thematisieren, hat sich die Equal Care Day-Initiative Großes vorgenommen. Da aber beide so eng miteinander verzahnt sind, da die Unsichtbarkeit und mangelnde Wertschätzung der einen, die Bezahlung der anderen maßgeblich beeinflusst, stand ein engerer Fokus für uns gar nicht zur Debatte. Was wir damit meinen, zeigt sich in der Breite der Workshopthemen (Übersicht über alle 12 Workshops) und es wird sich auch in den Workshops 4. 'Betreuung und Krankenpflege' sowie 8. 'Altenpflege und Sterbebegleitung' zeigen. Letzterer wird am 29.2. von Edith Kühnle moderiert werden, sie ist Geschäftsführerin des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V. und Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bonn.

Care-Chains zementieren das System der Degradierung von Care-Arbeit

"Wenn Angehörige, Live-Ins oder Au-pair-Mädchen diese Arbeit übernehmen, dann signalisiert das: Pflegen und Kinder erziehen kann jede. Das ist eine systematische De-Professionalisierung und stellt diese Berufe auf die gleiche Care-Ebene wie die nicht sichtbare Sorgearbeit in den Familien… " Hier geht es zum vollständigen Gastbeitrag von Edith Kühnle.

Und Karin Jurcyk fordert:

Sorgegerechtigkeit braucht Bezahlung

"Bislang gilt die männliche Biografie mit durchgängiger Vollzeitarbeit als ‘Normalbiografie’, die typisch weibliche Biografie dagegen ist von Unterbrechungen, von Teilzeitarbeit und als Abweichung von der Norm gekennzeichnet. Um Sorgearbeit im Privaten geschlechtergerechter zu verteilen, müssen Erwerbsverläufe und das Verhältnis von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit im Lebenslauf neugestaltet werden." Gastbeitrag von Karin Jurcyk.

Außerdem neu im Blog:

Interview mit Raúl Krauthausen...

mit einer weiteren Perspektive auf Care und damit verbundene Abhängigkeiten: "Muss die Person mit Behinderung automatisch diejenige sein, um die sich gekümmert wird oder geht es nicht auch genau anders herum? Ich kann mir natürlich vorstellen, dass es eine Person im Rollstuhl geben kann, die einen Jugendlichen zum Jugendamt begleitet. Wer kümmert sich denn jetzt um wen?"Interview mit Raúl Krauthausen.

Berichte & Bilder

Die aktuelle Berichterstattung zum Equal Care Day hat sehr gut begonnen mit einem Artikel auf Zeit online: Es ist nicht nur das bisschen Haushalt.

Wir sind gespannt, wie es da weitergeht, und wir freuen uns auf die Berichte aus den anderen Städten, die sich am Equal Care Day beteiligen. Wir laden herzlich dazu ein, über die eigene Veranstaltung mit dem Hashtag #EqualCareDay über Social Media zu berichten, und auch Bilder von ECD-Veranstaltungen in dieses Album hochzuladen, um andere auf diese Weise teilhaben zu lassen: fotos.equalcareday.de.

Es gibt noch ein paar wenige Kombi-Tickets, die Einzeltickets für den Samstag sind alle weg, am Freitag für BarCamp und Gala sieht es noch besser aus, also: wer noch in Bonn mit dabei sein möchte, nicht lange zögern: tickets.equalcareday.de.

Hoppla!

Über den CareGap gestolpert? Wir sammeln Alltagsmomente und laden dazu ein, Szenen und Erlebnisse mit dem Hashtag #EqualCareDay (#ECD2020 / #MentalLoad / #CareGap …) auf Twitter oder Instagram zu veröffentlichen. 

@happokrates auf Twitter, 15. Februar 2020


Als Kinderarzt erlebt man immer wieder überraschende Situationen. 

Mutter krank, also holte der Vater den Säugling aus der Klinik ab. Nach der Untersuchung sollte er es wieder anziehen, stand aber völlig hilflos davor: „Ich hab das noch nie gemacht.“

Es war sein viertes Kind.

Alles Gute und viel Unterstützung für die unsichtbare Arbeit
wünschen

Sascha Verlan und Almut Schnerring
für das Equal Care Day - Team


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