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Die Fürsorge-Falle

Stellen Sie sich fünf Zimmer vor, irgendwo auf die Häuser in dem Stadtteil verteilt, in dem Sie sich grade befinden:

  • Im ersten sitzt jemand am Bett einer kranken Person und prüft, ob sie Fieber hat.
  • Im zweiten kocht jemand das Essen für mehrere Menschen.
  • Im dritten sortiert jemand schmutzige Wäsche.
  • Im vierten zieht jemand einem Kind eine Regenhose an, merkt, dass die eng geworden ist, notiert sich in Gedanken die Größe, um bald eine neue zu besorgen.
  • Und im fünften Zimmer liest jemand einer blinden Person aus der Zeitung vor.

In allen fünf Zimmern sind Menschen, die „Care-Arbeit“ leisten.

Nur zwei von ihnen verdienen ihren Lebensunterhalt mit dieser Tätigkeit. Vier der fünf sind Frauen. Und für vier der fünf bringt diese Art der Tätigkeit die hohe Wahrscheinlichkeit mit sich, später von Altersarmut betroffen zu sein.

Tatsächlich werden 80% der Carearbeit in Deutschland von Frauen übernommen, weltweit sind es noch mehr. Sich um Kinder, um Kranke, um Alte zu kümmern, kochen, putzen, füttern, waschen, - „sich sorgen“ gilt als weibliche Fähigkeit, ja als Gabe, die angeblich besonders Mädchen in die Wiege gelegt wird. In Medien, Werbung und lustigen Alltagskommentaren wird das Bild der fürsorglichen Mutter reproduziert und das vom unabhängigen „echten Kerl“, der nicht über seine Gefühle sprechen kann und auch sonst eher unbeholfen ist, wenn es darum geht, sich in andere einzufühlen, zu trösten, zuzuhören. Weil Carearbeit und Einfühlsamkeit bei Frauen als etwas „Natürliches“ gilt, das von Herzen kommt, muss sie offenbar auch nicht wirklich fair entlohnt werden, der dankbare Blick der pflegebedürftigen Schwiegermutter soll Lohn genug sein? Und Männer, die sich kümmern wollen, als Väter, als Erzieher, als Altenpfleger, müssen sich mit schrägen Kommentaren abfinden, weil sie „untypisch“ seien. Manchem, der es wagt, Vätermonate zu beantragen, wird im Zweiergespräch ein Arbeitgeberwechsel "nahegelegt".

Carearbeit gilt also als Frauenjob und Menschen, die sich gerne kümmern und in einem dieser „Frauenberufe“ arbeiten, verdienen weniger, als in traditionellen „Männerberufen“. In anderen Worten: Wir haben uns als Gesellschaft dafür entschieden, Menschen, die sich um andere kümmern wollen oder müssen (weil ein Familienmitglied krank oder auch pflegebedürftig wird), lebenslang finanziell zu bestrafen.

Aufruf zum Aktionsbündnis

Equal Care Day ist eine Initiative, die Menschen, Organisationen und Institutionen europaweit aufruft, sich zu einem Bündnis zusammenzuschließen, um gemeinsam auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Care-Arbeit aufmerksam zu machen.
Der wachsende Zusammenschluss aus Vereinen, Aktionsgruppen, Politiker*innen, Privatpersonen etc. hat zum Ziel, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Care-Arbeit und Pflege, Care-Arbeiter*innen und Sich-privat-Kümmernde in unserer Gesellschaft allzu oft schlecht bis gar nicht bezahlt werden.

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