Equal Care-Fallen erkennen und umschiffen:
Rückblick auf das große IECD-Gewinnspiel 2021

Am 8. März haben wir anlässlich des Weltfrauentags über unseren Instagram-Account @equalcareday ein Gewinnspiel organisiert. Dafür haben wir 12 wichtige Bücher verlost, vielen Dank für die Unterstützung an die Autorinnen:

  • “Die Frau für´s Leben ist nicht das Mädchen für alles” von Laura Fröhlich @heuteistmusiklaura
  • ”Mutter.Sein” von Susanne Mierau @geborgen_wachsen
  •  “Raus aus der Mental Load Falle” Patricia Cammarata @dasnuf
  •  Stickerpaket von Mirja Siegl @seitenverkehrt
  •  “Unser Weg ins Weltall von Insa Thiele-Eich @astro_insa
  • ”Die Rosa-Hellblau-Falle” von Almut Schnerring und Sascha Verlan @rosahellblaufalle
  • “Equal Care” von Almut Schnerring und Sascha Verlan @equalcareday
  •  “Alltagsfeminismus® Coching Wochenende” mit Johanna Fröhlich Zapata @alltagsfeminismus

Alle Gewinner*innen wurden bereits benachrichtigt und haben ihre Gewinne erhalten. Unser Ziel war es, Gleichgesinnte zum Thema Equal Care miteinander in Kontakt zu bringen und von Ihnen zu erfahren, womit Sie beim Thema Equal Care zu kämpfen haben. Insgesamt hatten 170 Menschen Lust, mitzumachen und haben uns auf die Frage geantwortet: “Was ist Deine größte Herausforderung für mehr #equalcare in Deinem Leben?” Dafür wollen wir an dieser Stelle noch einmal herzlich Danke sagen und die Auswertung der zahlreichen Antworten vorstellen.

Eure Equal Care-Fallen

Der Einblick in die Equal Care-Fallen war zugleich intim, ein bisschen erschreckend und erleichternd. Vor allem letzteres, denn es zeigt sich: Der Struggle ist bei allen sehr ähnlich. Es geht (fast) immer um Geld, Familienpolitik, das Mutterbild und Ansprüche an die eigene Person.

…das liebe Geld

It’s all about the money, money, money… Auch bei den Teilnehmer*innen des Gewinnspiels zieht sich das Thema Geld wie ein roter Faden durch das Care-Leben. Dabei geht es am Ende gar nicht nur um den Kontostand, sondern vor allem um die Folgen, die sich aus dem Gender Pay Gap als Folge des Gender Care Gaps ergeben. Die ungleiche Bezahlung zieht ja einen ganzen Rattenschwanz an Folgen hinter sich her und wirft Fragen auf wie: Ist meine Arbeit wirklich weniger wert als seine? Ist es vertretbar, wenn er seine Arbeitszeit reduziert, auch wenn das höhere finanzielle Einbußen bedeutet? Wie gehen wir als Paar, aber auch als Gesellschaft damit um, dass meist Frauen aufgrund der unbezahlten Care-Arbeit eher von Altersarmut betroffen sind? Was bedeutet der Steuervorteil des Besserverdienenden für einen persönlich? Ist jemand selbst schuld, einen typischen “Frauenberuf” und damit einen schlechter bezahlten Job gewählt zu haben?

Den Gender Pay Gap zu schließen ist eine komplexe, gesellschaftliche Aufgabe. An dieser Stelle sind vor allem Politik und Arbeitgeber*innen gefragt. Genau deshalb müssen wir laut werden und aufmerksam machen auf die finanzielle Abwärtsspirale, in die Frauen oft geraten. Aber auch privat können wir für Care einstehen, finanzielle Ausgleiche für unbezahlte Care-Arbeit schaffen und mutige Entscheidungen treffen (siehe unten).

…die “beschissene” Familienpolitik

Ehegattensplitting, horrende Gebühren für qualitativ unzureichende Kinderbetreuung, eine altertümlich anmutende Elterngeldberechnung, der fehlende Diskriminierungsschutz von Eltern, kein Anrecht auf Ganztagsbetreuung von Schulkindern, fehlende Anreize für gleichberechtigte Erwerbstätigkeit… Diese Liste könnte endlos erweitert werden und führt am Ende immer zum gleichen Problem: Mit der Umsetzung einer gleichberechtigten Partner*innen- und Elternschaft sind Familien auf sich allein gestellt. Das spricht so ziemlich aus jedem der Kommentare. Die Rahmenbedingungen sind so schwierig, dass Paare – selbst wenn sie wirklich beide zu gleichen Teilen Verantwortung übernehmen wollen – jede Menge Stolpersteine auf ihrem Weg finden. Wir sind als Gesellschaft noch lange nicht an dem Punkt angekommen, an dem jede Person frei entscheiden kann. Besonders spüren das die Alleinerziehenden unter den Teilnehmenden. Sie fühlen sich allein gelassen und unsichtbar. Zu Recht! Die Corona-Politik hat noch einmal deutlich gezeigt, was vielen längst bekannt war: Eltern und Familien haben keine Lobby. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als für sich selbst einzustehen. Würden alle Betroffenen an einem Strang ziehen, wäre das die stärkste Lobby der Welt!

…das alte Mutterbild

Ganz weit oben im Ranking der größten Herausforderungen: Die Rollenvorstellung einer Mutter. Der Anspruch an sich selbst und die gesellschaftlichen Erwartungen machen vielen Teilnehmer*innen zu schaffen. Verständlich, denn das veraltete Rollenbild wurde uns und unseren Partner*innen von Kindesbeinen an zugetragen und sitzt, wenn auch meist unbewusst, verdammt fest. Aber genau das ist doch die beste Motivation, sich trotzdem immer und immer wieder zu hinterfragen. Denn wir, die Erwachsenen von heute sind es, die die nächste Generation prägen und das tun wir am besten so, dass es für unsere Kinder vollkommen normal ist, fair bezahlt zu werden und Verantwortung fair zu teilen. Denn: Nichts sitzt fester als frühkindliche Prägung.

Es ist also auch eine Form der Care-Arbeit für unsere Kinder, wenn wir die Mental Load gerecht in der Familie aufteilen, neue Wege einschlagen (auch wenn es anstrengend ist) und Entscheidungen treffen, die unserem Eigenanspruch und dem gesellschaftlichen Anspruch an Eltern mal nicht hundertprozentig entsprechen.

…den eigenen und den fremden Anspruch

In vielen Kommentaren ging es darum, sich von den Ansprüchen an sich selbst als Frau zu befreien. Sich nicht immer als Backup für alles und jeden zu sehen, nicht die Probleme der anderen selbstverständlich zu den eigenen zu machen, Glaubenssätze und gelernte Wertvorstellungen zu hinterfragen oder auch abzulegen – das ist wohl die allergrößte Challenge. Auch in der Interaktion mit anderen Familienmitgliedern liegen Schwierigkeiten. Hinzunehmen, dass Dinge nicht so erledigt werden, wie man selbst sie erledigen würde, fällt vielen Teilnehmer*innen schwer. Insgesamt ist die Kommunikation über Mental Load für viele Paare oder Familien eher ein Reizthema und birgt viel Konfliktpotenzial.

Trotzdem ist es wichtig, für sich selbst einzustehen. Niemand muss stillschweigend hinnehmen, dass ein Lohnarbeitstag vermeintlich mehr Relevanz hat als ein Carearbeitstag. Keine Mutter muss sich die gesetzlich möglichen „Kind-krank-Tage“ des Partners auch noch überschreiben lassen.

Fragen Sie sich: Müssen Sie Ihre eigene Handynummer als erste Notfallnummer in der Schule hinterlegen oder gibt es andere Bezugspersonen? Müssen Sie sich als Sicherheitsnetz zur Verfügung stellen oder gibt es Alternativen?

Viele Frauen in Partnerschaften haben so sehr verinnerlicht, dass sie die Verantwortung für das familiäre Wohlergehen tragen, dass sie manchmal gar nicht merken, was da alles auf ihre Schultern lastet – manchmal selbst gewählt, manchmal auferlegt. Dabei gibt es öfter als man denkt die Option, „Nein“ zu sagen und das auch durchzuziehen. Als Mutter loszulassen kann fantastisch sein und für alle ganz neue Kapazitäten freisetzen. Denn wer immer das sichere Auffangnetz ist, wird niemals die sein, die mal einspringt. Und die sollten wir dringend auch mal sein! Also lassen Sie uns loslassen und springen! Probieren wir es und kämpfen wir weiter für Equal Care auf allen Ebenen.

Vielen Dank allen Teilnehmer*innen für ihre wertvollen Beiträge!