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Doris Achelwilm

Arbeit und Zeit gerecht zu verteilen, ist eine der dringlichsten Politikaufgaben von heute. Dazu gehört, dass Fürsorgetätigkeiten u.a. in der Pflege massiv aufzuwerten sind. Erst kürzlich zeigte die Organisation Oxfam, dass die derzeit noch gegenläufige Gesamtsituation global verheerend wirkt: Der Geldwert gesellschaftlich notwendiger Aufgaben, die im patriarchalen Kapitalismus als billig oder kostenlos, als unsichtbare Frauen- oder Migrant*innendienste vorausgesetzt und abgewertet werden, beträgt satte 10,8 Billionen Dollar. Der „Gender Care Gap“ umfasst als Begriff für diese feudalistische Schieflage, die schon Generationen vor unseren Omas herrschte, unzählige „Schicksale“, die politisch gemacht sind. Die massiv ungerechte Bewertung und Aufteilung sog. reproduktiver Arbeit von Putzen über Erziehen bis „Haushaltsmanagement“ hat zur Folge, dass Frauen in ihren Familien von männlichen „Haupteinkommen“ und Besitzständen oder Ehe-gebundenen Leistungen abhängig sind (Stichwort „Ehegattensplitting“). Frauen sind besonders stark von Armut während des Erwerbslebens und später Altersarmut betroffen. Das Problem ist der Bundesregierung bekannt: Laut 2. Gleichstellungsbericht von 2017 bringen Frauen für Sorgearbeit in Familien um die Hälfte mehr Zeit auf als Männer und stecken entsprechend beruflich zurück. Alleinerziehende werden staatlich am stärksten benachteiligt und übersehen. Es wird Zeit, mit diesen falschen Traditionen zu brechen und den „Gender Care Gap“, die „Sorgelücke“ zwischen den Geschlechtern, systematisch zu schließen.

Doris Achelwilm
Doris AchelwilmMdB, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Gleichstellungs-, Queer- und Medienpolitik
Foto: Cosima Hanebeck